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Otto von Arnim

In einer zeitgenössischen uckermärkischen Kirchenchronik lesen wir:
„Herr August Otto Alexander von Arnim, Sohn des Herrn Kammerherrn Georg von Arnim, 1887, den 16. November geboren, trat, nachdem er im Ritter-Collegio zu Brandenburg gewesen, 1803 in Kriegs Dienste und stand 1806 als Cornet beym Anspachschen Husaren Corps von Bila, mit welchem er in die französische Kriegs-Gefangenschaft bey Anclam verfiel. Er ging darauf mit Königlicher Erlaubnis im Jahre 1808 in Oesterreischische Dienste, wurde Lieutnant beym Ulanen Regiment Fürst Schwarzenberg. In dem 1812 zwischen Frankreich und Rußland ausgebrochenen Kriege verließ er den Österreichischen Dienst und trat in Russische. Die Russen waren im Anfange des Jahres 1813 schon bis in die Neu-Mark vorgedrungen. In der letzten Hälfte des Februars streiften sie schon über die Oder. Der Herr vom Arnim geht mit den leichten Truppen ebenfalls herüber. Bey Werneuchen stößt das Detachement, bey, dem er sich befindet, auf einem starken Trupp Würzburger (den 18. Februar). Es fallen Schüsse, und ohne daß sonst Jemand getroffen wird, stürzt davon Herrn v. Arnim vom Pferde, und nach einigen Augenblicken ist er verschieden. Seine Leiche ist in Werneuchen beerdigt. Es war ein gebildeter braver Offizier, und sein früher Tod wird allgemein bedauert. Hin und Her tobte in diesen Tagen der Kampf. Mancher Ort wechselte innerhalb von Stunden die Besatzung. Bereits am 17. Februar waren die Russen hier in Werneuchen eingezogen. Aber am selben Tag zog auch der französische General Poincot mit seinen Truppen wieder ein und behielt den Ort noch für ein paar Tage.
In wem die Einwohner jedoch ihre Befreier sahen, zeigt uns ein Bericht aus dem nahen Alt-Landsberg. Der Pfarrer Gähde schreibt in seiner Stadtgeschichte vom Jahr 1857 über diese Tage:
„Am 18. Februar 1813, Vormittags 10 Uhr, zeigten sich hier die ersten Kosaken etwa 20 Mann stark, unter Führung eines Offiziers; sie lagerten sich auf der Amtsfreiheit. „Die Freude der Einwohner war ohne Grenzen", sagt der Oberprediger Neumann als Zeitgenosse jener Begebenheiten in seiner Chronik der Stadt; „alles strömte zum Thore hinaus, um diese mutvollen Retter zu sehen. Aber lustig war es anzuschauen, wie die französische Einquartierung, welche zur selbigen Zeit in der Stadt war, auf die Nachricht von der Erscheinung der Kosaken zum Entgegengesetzten, dem Berliner Thore, reißaus nahm, während die Kosaken auf ihren kleinen schnellfüßigen Pferden die Straßen der Stadt durchjagten. Sie blieben indessen vor dem Amtsthore bis Mittag und wurden von dem Oberamtmann Baath mit Butterbrod und Branntwein hinlänglich regalirt." So kann die Begegnung mit einem Denkmal eine große und bewegte Zeit lebendig werden lassen. Steine erzählen von Menschen, die mit ihrem Lebensopfer die Straße zur Befreiung bauten. Wie schrieb der Kommandeur Otto v. Arnims, der Oberst von Tettenborn, wenige Tage später an den Freiherrn vom Stein: „Sehr bedaure ich, daß Herr von Arnim gefallen ist. Ich war mit ihm sehr zufrieden; er starb den Heldentod."
Die Russen besetzten Werneuchen also und gleichzeitig verschwand der französische General Poincot. Wie das Kirchenbuch berichtet, wurde der als russ. Kaiserliche Offizier der Kosaken bezeichnete Offizier nackt, entkleidet hierher nach Werneuchen gebracht und auf dem Friedhof am 20. Februar beerdigt. Der bekannte Dichterpastor Schmidt von Werneuchen, ließ ihn mit einem seiner Hemden bekleidet, ins Grab legen und hielt ihm die Standrede.
Im Jahre 1913 fasste zunächst ein Holzgitter die letzte Ruhestatt ein. Neben der Kirche hat man diesem Freiheitskämpfer wenig später ein Denkmal aus einem mächtigen aufrecht stehenden Findling umgeben von einer Gruppe auch mächtiger Granitsteine, die aus seinem Heimatort Sukow in der Uckermark stammen, errichtet und es am 15. Juni 1913 feierlich geweiht. Das Foto zeigt das mit Kränzen geschmückte neue Grabmal bei seiner Einweihung im Jahre 1913. Es wurde gestiftet von der Familie des Gefallenen und der Stadt. Gestaltet wurde die Anlage durch den hiesigen Bildhauer Fürstenberg.
In den achtziger Jahren wurde eine neue Inschrifttafel angebracht, wobei damals auch die sowjetische Garnison mit einer Delegation vertreten war.
In einem unerschütterlichen Kampf gegen Napoleon, den Unterdrücker der Völker schlug im Jahr 1813 auch für dPreußen die Stunde der Befreiung, weil das Heer des Eroberers in Rußland geschlagen worden war. In den Reihen des russischen Heeres kämpften viele preußische Freiheitskämpfer mit. Einer war Leutnant Otto von Arnim.

Criewen- Die Heimat Otto von Arnims
Südwestlich von Schwedt inmitten der Uckermark liegt Criewen. Rund um das Rittergut des Rittmeisters Otto von Arnim entstand das kleine Fischerdorf um 1820. Hier befindet sich der Criewener Lenné-Park, dieser zählt zu den gepflegtesten seiner Art in Brandenburg. Inmitten des Parks liegt das alte Gutshaus, das im Kern aus dem 18. Jahrhundert stammt und dessen heutiges Erscheinungsbild auf einen Umbau im Jahre 1910 zurückgeht. Seit der zweiten Dekade des 19. Jahrhunderts war es Sitz der Familie Otto von Arnim.
Das Besondere aber ist die Lage der mittelalterlichen Dorfkirche. Sie befindet sich heute an der Stelle, wo in früheren Zeiten das Dorf stand. Lenné bezog sie 1822 bei seinen Planungen in die Parkgestaltung ein, so daß sie neben ihrer Funktion als Gotteshaus auch noch die Bestimmung erhielt, den Landschaftspark als schmückendes Beiwerk mitzuprägen. Um 1850 kam Lenné ein weiteres mal nach Criewen, um sein Werk zu vollenden.
Die Criewener Anlage liegt direkt an der ehemaligen Alten Oder, der heutigen Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße, und wird von einer reizvollen parkähnlichen Landschaft umgeben. Gut erhalten lädt er mit seinen seltenen Gehölzen wie Sumpfzypressen, Sommerlinden und Platanen zu Spaziergängen ein. Auf der polnischen Seite der Oder findet der Criewener Lenné-Park in denn teilweise bewaldeten Höhenzügen seine schier grenzenlose Fortsetzung.
Im Park steht die alte Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert. Als 1816 Rittmeister von Arnim mit dem Bau des Herrenhauses begann, wurde das alte Dorf um die Kirche abgetragen und neue Häuser an der Straße nach Schwedt errichtet. Die Alte Gutsgärtnerei ist heute eine ökologische Schau- und Lehrgärtnerei. Dort sind regionaltypische Kultur- und Wildpflanzen zu besichtigen.
Otto von Arnim starb als preuß. Leutnant in russischen Diensten 1813 in Blumberg beim Kampf gegen Truppen Napoleons. In Blumberg steht im von Lenné gestalteten Blumberger Landschaftspark ein Denkmal.

 

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014