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Die Petitjeans

Die Ansicht zeigt das direkt an der Straße liegende lang gestreckte Gebäude der Poststation um 1899 und rechts im Bild das heutige Schreibwarengeschäft Breite Straße/ Ecke Berliner Straße. Der Post unterstand der Reiseverkehr, die Postwärter trugen die Verantwortung, hatten für die die Bereitschaft von Gespannen zu sorgen und bezogen daraus ihre Vergütung. In den Hauptbetriebszeiten sollen in Werneuchen täglich 200 Pferde zum Gespannwechsel benötigt worden sein. Bereits 1814 mussten allein im Dienst der Post 38 Pferde gehalten werden, die zu keinem anderen Zweck verwendet werden durften. Sobald mehr gebraucht wurden, mussten andere Pferdebesitzer aushelfen.

Durch diese Geschäftstüchtigkeit brachte es nun die hugenottische Familie Petitjean zu Reichtum und Anerkennung. Auch in einem amtlichen Schreiben des Königlich Preußischen Land- und Stadtgerichts Altlandsberg im Jahre 1843 wird die Familie als "notorisch wohlhabend" bezeichnet. Man sprach von zwei Millionen Mark, den 4 Pfarrhufen mit über 220 Morgen und der 1 Kirchenhufe mit annähernd 79 Morgen (die später im Zuge der Reallastenablösung den Erbpächtern übereignet wurden) allmählich weiteren Ländereien, noch 2 Fünfhüfnergüter, noch 1 Dreihüfnergut und eine halbe Büdnerstelle. Dieses Vermögen legte den Grundstein zu dem schließlich mit rund 3000 Morgen entstehenden großen Gut Werneuchen.  

Foto: Der Gutshof von Werneuchen um 1865, Steffeck, Nationalgalerie Berlin

Der Kommissar Petitjean hatte u.a. eine Tochter, welche 1855 den Berliner Rechtsanwalt Ernst Lau (geb. 1822) heiratete.
Vor dem Hintergrund der zum Gutshof gehörenden Brennerei ist offensichtlich die Vorbereitung eines Familienausflugs geschildert: im Mittelpunkt steht das von einem Knecht gehaltene Reitpferd des Ernst Lau, links auf einem Pony sein ältester Sohn Martin Lau (geb. 1860), rechts auf dem Bock einer kleinen Kutsche wartet offensichtlich der Kutscher auf Frau Lau mit ihren noch kleineren Kindern.

Ein übergebliebenes Denkmal jedoch ist noch heute das in den schlichten und geschmackvollen Formen des so genannten Klassizismus errichtete Erdbegräbnis gegenüber dem Kirchturm, das erstmalig in den Kirchenbüchern bei der Beisetzung des Vaters Paul Petitjean 1825 erwähnt und im Laufe der Jahre mit 14 Särgen aus der Familie Petitjean und ihrer Nachkommen, der Familie Lau, gefüllt wurde.
Neugierige drängeln sich vor dem kleinen Fenster in der Mausoleumstür, aber dahinter entdecken sie keine prunkvollen Särge – nur Gartengeräte und Schubkarren.
An der platzartig verbreiterten Berliner Straße mit dem schlossartigen Gutshaus, dehnte sich noch bis 1913 das lang gestreckte Posthaus, das überall in der Umgebung bekannt war. Denn im Zeitalter der Chausseen, im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts und schon vorher im 18. Jahrhundert, war Werneuchen die erste und der wichtigsten Poststationen für die Extra- und reitenden Posten nach Königsberg und Moskau. Der Postmeister musste hier oft bis zu 200 Vorspannpferde an einem Tage stellen und auch die zahlreichen Vorgärten von Häusern im weiteren Straßenverlauf wurden damals zum Ausspann benutzt.
Das Luftbild aus den 30-ziger Jahren läßt die ursprüngliche Bebauung erahnen. Im Hintergrund ragt zwischen den Bäumen das Stadtschloß heraus. Die Wohngebäude wurden seitlich errichtet. Der großzügige Innenhof wurde parkähnlich angelegt.

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014