Harry Marufke

Harry Marufke zog mit seiner Familie 1934 nach Werneuchen. Er war Kommunist und Mietglied des Rotfrontkämpferbundes Dort spielte er Querflöte im Orchester des RFK. Aufgrund dessen bekam er Berlinverbot. Ab Februar 1945 wurde er als Flugzeugmechaniker auf dem Flugplatz der Jagdfliegerschule 1 verpflichtet.
 Noch am 1. April 1945 wurde er vereidigt und war somit Soldat und unterstand somit militärischen Gesetzen. Damals waren fast nur noch Wehrmachtspioniere anwesend, die den Flugplatz zur Sprengung vorbereiten sollten. Am 19. April bekam er den Befehl eines Hauptmann eine defekte Ju 87 zu reparieren. Mit dieser Maschine startete der Hauptmann am 20. April 1945 um 9.30 Uhr und wurde Minuten später von der roten Armee über Blumberg abgeschossen. Auf dem Heimweg von der Arbeit bemerkte Harry Marufke die ausliegenden Zündschnüre und fing an etliche davon zu zerschneiden. Als er nach Hause kam zog er sich die Uniform an, aß etwas und ging wieder auf den Flugplatz. Dort schnitt er weitere Zündschnüre durch. Am Nachmittag des 20. April begannen die Sprengungen. Die erste Sprengung erfolgte am Hangar 4 um 13.56 Uhr. Die Uhr hängt noch heute und gibt diese Zeit an. Dann wurde weiter das Heizhaus West, der Verladebahnhof, der Küchentrakt, das Soldatenkasino und der Telefonbunker gesprengt.
Als Harry Marufke vom Flugplatz zurückkehrte wurde er am selben Tag nachmittags um 16.00 Uhr von der einrückenden Roten Armee gefangen genommen. Er hielt sich in der Umgebung der Sachsenstrasse auf. Nach seiner Gefangennahme ging es über Hirschfelde, Heidekrug, die Obstplantage Fassbänder nach Berlin Lindenberg in ein Grossammellager. Von dort ging es wieder zurück über Blumberg nach Krummensee in ein weiteres Sammellager, das in einem Bauerngehöft eingerichtet war. Dann ging es weiter über Prötzel, Wriezen nach Küstrin und dann per Viehwagen weiter nach Posen in ein weiteres Sammellager. Dieses Lager war vorher ein Polizeiausbildungslager gewesen und bestand aus Holzbaracken. Etwa 300000 bis 500000 Menschen wurden hier untergebracht. Die arbeitsfähigen Gefangenen wurden in die Sowjetunion abtransportiert. Harry Marufke dagegen wurde wegen Unterernährung entlassen und war im August 1945 wieder zu Hause.
Sein Sohn Günther Marufke kämpfte zuletzt an der Ostfront. Er hielt sich in der näheren Umgebung Werneuchen auf und sollte sich auf Befehl seiner Vorgesetzten mit der Waffe absetzen. Nach seiner Gefangennahme hatte er nicht so viel Glück wie sein Vater. Gerade 17 Jahre alt und noch in den letzten Kriegstagen verpflichtet kam er aus Küstrin nach Kisnir (300 km Bahnlinie hinter Moskau) an. Freies Feld, Zaundraht, Reisighütten aus Tannenzweigen. Hier mussten die Gefangenen bis ins Frühjahr 1946 bei Temperaturen bis - 40 Grad leben. Danach wurden "feste" Lagerunterkünfte selbst errichtet. Zu diesen Unterkünften gehörten zwei Arbeits- und Krankenbunker die etwa 60 m lang und 8 m breit waren. Wegen der Kälte reichten die Gebäude bis zu 3 m ins Erdreich hinein. Die Fensterluken waren ebenerdig. Innen befanden sich auf jeder Seite 15 Baumstämme senkrecht in den Boden gerammt, über die jeweils zwei Betten angebracht waren. Diese Betten waren aus halbierten Rundhölzer hergestellt. Stroh gab es nicht (wegen der Läuse).
In der Mitte des Raumes befand sich ein 200 Liter Fass, welches als Ofen diente. Für die rund 240 Kriegsgefangenen gab es weiterhin ein Lebensmittelmagazin, eine Sauna mit Entlausung, eine Küche und ein Bunker für die deutschen Offiziere. Alle für den Bau notwendigen Bäume wurden in einem etwa 3 km entfern gelegenen Wald geschlagen. Die 8 bis 10 m langen Baumstämme wurden dann auf der Schulter ins Lager gebracht. Um unterwegs Pausen machen zu können, waren am Wegrand Holzböcke zum ablegen der Baumstämme aufgestellt.
Bei den Temperaturen von bis minus 40 grad konnte keiner in den Hütten schlafen. Es brannten deshalb ständig Lagerfeuer an denen man zeitweise schlafen konnte, sich aber dabei oft die Kleidung, das Gesicht oder die Hände verbrannte.

 

 

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014