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Ernst Wiese
1863, Dem Ehepaar Frau Caroline Wilhelmine Louise Liepner und dem Ackerbürger Johan Friedrich Wiese wird am 1.6.1863 ein einziger Sohn geboren. Johan Friedrich Carl Wiese wird wie sein Vater Landwirt und übernimmt später die Wirtschaft seiner Eltern.
Er wird Stadtältester (Bürgermeister) der Stadt Werneuchen . Johann Friedrich Carl Wiese heiratet Maria Auguste Alwine Thürling.
Seine Kindheit
Das Ehepaar bekommt am 31. Januar 1898 einen Sohn den Friedrich Wilhelm Ernst Wiese. Ernst Wiese seine Eltern sind wohlhabend und sie können ihm eine gute Ausbildung und Erziehung angedeihen lassen. Eo besucht u.a. ab 1914 die Klasse 1b einer Landwirtschaftsschule in Wriezen (evtl. Bad Freienwalde) um Landwirtschaft zu lernen.

Der Landwirtschaftsschüler Ernst Wiese war während seiner Schulzeit hier gymnasial in einer Pension in Wriezen (oder Bad freienwalde) untergebracht.
Aufschluß wo Ernst Wiese zur Schule ging, kann uns evtl. die Ansicht der "Penne" geben, die in einer Schülerzeitung von Ernst Wiese abgebildet wurde.

Ernst Wiese 1914 im Kreise seines Lehrers und seiner Mitschüler

Nach dem Abschluss der Landwirtschaftslehre kehrte Ernst Wiese wieder auf den elterlichen Hof nach Werneuchen zurück. Seinem Vater und seine Mutter war er jetzt wohl eine gute Hilfe und hier lernte er alles, um später einmal den alten Erbhof seines Vaters zu übernehmen. Aus dem Jahre 1918 gibt es Nachricht vom "alten" Wiese.


Vom 29.6.1918 ist uns ein Telegramm von Johann Friedrich Carl Wiese, (also dem senior) anlässlich der Hochzeit von Anna Stock und Hans Bothe vom Stadtschloss Werneuchen erhalten geblieben.
Die besten Glückwünsche zur Vermählung senden Wiese und Frau.
Herr Wiese, sen. ist hier bereits 55 Jahre alt

Zur Erläuterung des Telegrammes: Anna Stock war die jüngste Tochter von Robert Stock, dem Besitzer des Gut Werneuchen mit Poststation- also noch ohne Schloss. Die älteste Tochter Frieda Stock war schon vereiratet mit Hans Müller. Beide hatten nach dem Tod von Vater Robert Stock die Poststation abgerissen und dann das Gutshaus bzw. Schloss errichtet. Danach zogen die beiden auf das neu errichtete Schloß nach Werneuchen. Die jüngere und unverheiratete Anna Stock zog mit ihnen um und wohnte ebenfalls in dem Schloß. Anna Stock lernte hier den Landwirt Hans Bothe kennen und bald feierten die beiden Hochzeit
Ernst Wiese übernimmt den Hof
Spätestens in den 30-ziger Jahren übernahm Ernst Wiese den großen Hof seiner Eltern in der Chaussestraße 46, später Rosa- Luxenburg-Straße 46 und jetzt Freienwalder Straße 46. In erster Ehe heiratet Ernst Wiese in Werneuchen eine geborene Thürling aus Werneuchen. Die 1. Ehe endet tragisch mit dem Selbstmord (?) der Ehefrau Wiese, geb. Thürling.
Am 1. September 1930 heiratet Ernst Wiese in zweiter Ehe die am 22. November 1906 in Willmersdorf geborene Frieda Emma Luise Wittstock aus Weesow aus der Dorfstraße 8. Die Eltern von Frieda sind der Landwirt und Gemeindevorsteher August Gustav Robert Wittstock aus Weesow und seine bei der Heirat bereits verstorbene Ehefrau Maria Luise, geborene Schiele aus Weesow. Als Aussteuer soll sie 100.000 Goldmark in die Ehe mit eingebracht haben.
Frieda hat übrigens noch zwei Schwestern: Hanna und Lisbeth. Im Hintergrund sieht man die mittlerweile abgerissenen Stallungen. Diese beherbergten u.a. einen großen wunderschönen Pferdeschlitten mit vielen Schnitzereien. Ganz rechts befanden sich hinter den beiden Türen die Toiletten für das Gesinde. Unter dem Schleppdach waren diverse Arbeitsgeräte und Wagen untergestellt.
Die Wieses besitzen jetzt etwa 400 Morgen Land und sind mit die größten Landbesitzer rund um Werneuchen. Doch im Zuge der Errichtung der Jagdfliegerschule in Werneuchen im Jahre 1939 verkauft Ernst Wiese einiges an Land an die deutsche Wehrmacht.
Ernst Wiese 1935 als Hauptmann der Feuerwehr Werneuchen. Er arbeitete mit viel Engagement. Er entging damit nicht zuletzt auch der Einberufung durch die deutsche Wehrmacht und einem möglichen Fronteinsatz. Doch seine Aufgaben bei der Feuerwehr waren hier nicht weniger gefährlich. Als die angloamerikanischen Luftangriffe auf Berlin immer heftiger werden, rückt er ständig mit der Feuerwehr Werneuchen aus, um in Berlin die schrecklichen Brände zu bekämpfen und Menschen aus ihren Kellern zu befreien. Blindgänger explodieren während der Rettungsarbeiten in den Flammen. Häuser stürzen ein. Viele Feuerwehrleute sterben bei Rettungseinsätzen in Berlin.
 Anfang 1945 wird die Flüchtlingsfamilie Jaeger aus Sonnenburg (Ostpreußen) auf der Wirtschaft der Wieses einquartiert.
Zu Kriegsende war die Stadt Werneuchen mit Flüchtlingen nur so voll gestopft. In jedem Haus, jeder Bauernwirtschaft wurden die Flüchtlinge aus dem Osten aufgenommen. Da der Hof des Wieses besonders geräumig war, beherbergte das Haus besonders viele Menschen. U.a. lebte so die Flüchtlingsfamilie Jaeger hier, die aus Sonnenburg/ Neumark (jetzt polnisch) vor der herannahenden Sowjetarmee geflüchtet waren.. Die Jaegers waren insgesamt 12 Geschwister. Aber nur einige waren auf dem Hof der Wieses. Vor der heranrückenden Sowjetarmee verlssen auch die Wieses ihren Hof und fliehen in Richtung Elbe. Offenbar besaßen Wieses so noch zwei Pferde. Doch bald kommen sie wieder zurück. Das Haus ist inzwischen ziemlich ausgeplündert, wobei "nicht nur die Russen dabei ihre Finger im Spiel hatten".
Im Oktober 1945 erkrankt seine Ehefrau Frieda Wiese an der in Werneuchen grassierenden Typhusepidemie. Sie wird in der Typhusbaracke aufgenommen. Am 29. Oktober 1945 beobachtet Thea Jaeger (eine der Jaegerflüchtlinge), wie sich Frieda Wiese noch einmal kurz in ihrem bett aufbäumt. Liselotte Kirschbaum die Leiterin der Typhusbaracke und gute Freundin von Frieda beobachtet den Vorgang und schreit darauf Frau Wiese ist tot, Frau Wiese ist tot. Thea Jaeger ist als Flüchtling nach Werneuchen gekommen und wurde ebenfalls mit Typhus eingeliefert. Sie liegt neben Frau Wiese. Sie ist verwundert über den Gefühlsausbruch von Frau Kirschbaum. Starben doch hier täglich die Menschen. Nachdem Thea Jaeger länger in Werneuchen lebte, lernte sie viel über Frieda Wiese, die eine "sehr bemerkenswerte Persönlichkeit und eine wunderschöne Frau" gewesen sein sollte.
Frau Frieda Emma Luise Wiese, geborene Wittstock wird am Freitag den 2. November um 1/2 3 Uhr auf dem Friedhof Landsberger Straße beigesetzt. Pfarrer Betke liest 1.19 und Psalm 1/9.105
Wer den Herrn fürchtet, dem wird`s wohl gehen, und wenn er Trostes bedarf, wird er gesegnet sein.
Nach dem Tod seiner Frau ist Ernst Wiese zunächst allein. Er hat keine Familie oder nahe stehende Verwandte. Er verliebt sich im Sommer 1946 in eine Tochter der bei ihm auf der Wirtschaft untergekommenden Flüchtlingsfamilie Jaeger. 1947 heiratet er Käte Jaeger.

kleine Anekdote: Standesbeamtin zu dieser Zeit ist übrigens Grete Holzhäuser. Ihr Mann war zur selben Zeit neuer Direktor der Steinschule und auch der im Schloss untergebrachten Schulabteilung. Beide hatten keine Kinder. Hier ist uns eine Anekdote überliefert. Holzhäusers hatten ein Kaninchen im Haus. Von einem Bekannten hatten sie einen Eimer Sirup geschenkt bekommen. Das Kaninchen hatte den Eimer entdeckt, wollte naschen, kletterte in den Eimer und ertrank im Sirup. Holzhäuser kamen danach völlig verweint auf den Hof der Wieses.
Die Enteignungswelle des Jahres 1947 besteht Ernst und Käte Wiese unbeschadet. Durch die Landverkäufe des Jahres 1939 ist der Landbesitz zu gering. Zudem sollen "die Russen ihm für 42.000 Mark ebenfalls Land zur Erweiterung des Flughafens abgekauft haben". Mit dem Geld kauft Ernst nun Jungbullen etc. in Westberlin bzw. auf dem Schwarzmarkt um das vorsozialistische Abgabesoll zu schaffen. Das Abgabesoll war sehr hoch und für Ernst Wiese kaum zu schaffen. Ein Verwandter in Amerika, schickte manchmal Pakete mit Tabak. Obwohl er selbst leidenschaftlicher Raucher war, tauscht er einigen Tabak in Waren um, zur Erfüllung seines Abgabesoll.
Im Sommer 1947 laufen die ersten 3 Hühner nach dem Krieg auf dem Hof herum. Grund genug um den Hühnern ein beschriftetes Foto zu widmen.

Eine wichtige Arbeit war das Sägen des Brennholzes für die Öfen des Wohnhauses. Ernst Wiese war Besitzer einer Kreissäge, welche mit einem Drehstrommotor angetrieben wurde.

Im Hintergrund ist der Eingang zur Wohnung der Jaegers zu sehen. Beim ersten Fenster links neben dem Eingang befand sich die Toilette.
Ab Anfang der 60-ziger Jahre also ab 1950 ging es der Wirtschaft der Wieses wieder besser. Sie besaßen eine Trakehnerstute von Herrn Lehmann einem Flüchtling aus Ostpreußen, der die Stute nach Werneuchen mitgebracht hatte und einen Hengst. Die Trakehnerstute schenkte den Wieses drei Fohlen (Heike, Rieke und Monika). Weiter haben sie Schweine, Hühner und Gänse.

1952 grassierte die Schweinepest. Für die Wieses eine schreckliche Zeit. Dr. Weiß kam auf den Hof und schlug alle Schweine der Wieses tot. Etwas später kam dann noch die Hühnerpest. Doch Thea Jaeger- eine Schwester von Werner Jaeger, versteckte rechtzeitig 3 Hühner auf dem Dachboden und fütterte diese Hühner u.a. mit Speck und Hingfong- Tropfen aus der Drogerie Mewes. Mit diesen 3 Hühnern wurde später wieder neu angefangen.

Käthe Jaeger mit den ersten Tieren nach dem Krieg.

Käthe Jaeger am großen Hofbrunnen hinter dem Wohnhaus


Vor dem Kellereingang an der Rückseite des Wohnhauses. Im Keller befand sich eine sehr geräumige Küche mit einem Grudeofen. Der Boden war gefließt.

 

 

 

 


Ernst Wiese mit seinen Erntehelferinnen.

Von Thea Schulz, die im Juli 1945 auf ihrer Flucht aus dem Osten schließlich in der Typhusbaracke von Werneuchen landete gibt es einen packenden Fluchtbericht : Es war im Juli 1945. Auch eine Geschichte mit dem Namen: Die Kochmaschine schildert uns das Erlebte dieser Zeit.
Werner Jaeger bewirtschaftete von 1945 bis 1955 den Hof zusammen mit Ernst Wiese

Die letzten Aufnahmen von Ernst Wiese aus den 50-ziger Jahren. Ernst Wiese stirbt am 10.12.1958. Er war immer ein Raucher gewesen und litt zuletzt an starken Husten. Er bekam einen Blutsturz und verstarb schnell im Oskar- Ziethen Krankenhaus in Berlin.
1985 wurde der Hof von seiner Witwe an die LPG Seefeld verkauft
Mai 1950

Der Landwirt Ernst Wiese hatte eine höhere Schulbildung genossen. Er war ein edler und achtungsvoller Mensch mit edlen Charakter. Er war u.a. mit Max Thürling, Fritz Otto und Bauer Kirschbaum befreundet. Wer auf dem Wiesehof arbeiten durfte, empfand dies zumeist als Ehre und Auszeichnung. Er war ein ehrlicher und korrektet Mensch, der Andere nie ausbeutete. Den Bauer Tissmer, der für seine Nachkriegsschiebereien bekannt war, konnte er nicht leiden. Gegenüber des Wiesehofes wohnten Frau König, Frau Oellermann und Fam. Hildebrandt, mit denen er ebenfalls engen Kontakt hatte.

 

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014