Startseite / Aufwärts / Neue Seiten / Impressum / Über uns / Danksagung


Startseite
Aufwärts

1459, Vom Anbruch der Neuzeit

Der Anbruch der Neuzeit ist für Deutschland mitbestimmt durch das Reformationswerk D. Martin Luthers (*10. November 1483, † 18. Februar 1546). Seine Hauptwirkungsstätte war Wittenberg, Universitätsstadt des damaligen Kurfürstentums Sachsen. Die Kurmark Brandenburg stand anfänglich unter Joachim I (1499-1535)  der  Reformation im Gegensatz. Für die Brandenburgischen Länder war der päpstliche Ablass ausgeschrieben, den Johann Tetzel 1511 vertrieb und der für Luther zum Anlass seiner 95 Thesen wurde. Dazu neigte Joachim I. aus machtpolitischen Gründen zum katholischen Kaiser Karl V., war dem evangelisch gesinnten Friedrich dem Weisen von Sachsen als Nachbarfürsten abhold und grollte Luther wegen persönlicher Kränkung.

Aber sein Nachfolger Joachim II. trat am 1. November 1539 öffentlich zum evangelischen Glauben über. Unter Adelskreisen und Stadtverwaltungen hatte die neue Lehre schon früher Boden gewonnen und so vollzog sich der Übergang, gefördert durch die nachgiebige Haltung des Kurfürsten, zum größtenteils friedlich.

Schon 1459 zur Sedes Bernau des katholischen Brandenburgischen Stiftssprengels gehörig, wurde Werneuchen sicherlich bei der Bildung von evangelischen Superintendenturen und geistlichen Inspektionen der Kirchenaufsicht zu Bernau unterstellt. Schon früh mussten Teile vom Hufenzins als „Sand– oder Synodalgeld“ an den Probst zu Bernau gezahlt, aber auch später noch an Eberswalder Kirchen Abgaben geleistet werden. Das Kirchenpatronat, d.h. kirchliche Schutzhoheit mit Pfarrberufungsrecht, Aufsicht über das Pfarr– und Kirchenvermögen, Verantwortung für die Pflege und Erhaltung des Kirchengebäudes, hatte damals das Adelsgeschlecht von Krummensee als Lehnherr inne.

Die Zuwendung zur evangelischen Lehre oder der Verbleib bei der katholischen Kirche war nicht dem einzelnen überlassen, sondern nach Reichstagsentscheidung hatte darüber der jeweilige Landesherr allein zu bestimmen. Solche Regelung war für die Zukunft von schwerwiegender Bedeutung und trug bereits den Keim späterer ernstester Auseinandersetzung in sich. Anfangs riss der reformatorische Gedanke die Mehrheit der deutschen Fürsten mit, und die neue Lehre überflutete wie ein Meer die deutschen Lande. Bei der Vielstaaterei unseres Vaterlandes blieben aber zwischen den evangelisch gewordenen Ländern immer wieder einzelne katholische Fürstentümer gleich Inseln bestehen und je nach persönlicher Einstellung der Gebietsherren und ihrer Nachfolger konnte es geschehen, dass solche Inseln dann verschwanden oder neue auftauchten. Dabei stimmten die nichtgefragten „Untertanen“ durchaus nicht immer mit dem von ihrem Landesfürsten gewählten Bekenntnis überein, waren einerseits oft bereits vorher innerlich, von der neuen Lehre ergriffen, anderseits zuweilen kaum geneigt, den Konfessionswechsel ihrer Fürsten oder gar mehrerer solche Umstellungen mitzumachen. Der Katholizismus jedoch wollte und konnte sich mit der gegebenen Lage keineswegs abfinden, sondern versuchte in Zusammenfassung und Neubelebung aller Kräfte die verlorenen Stellungen wiederzugewinnen. Das alles führte bei der leider oft gehandhabten Verquickung von Religion mit Politik und Austragung geistiger Kämpfe durch die Faust und Waffengewalt dann zum dreißigjährigen Kriege (1618-1648).

Der Krieg wurde zuerst durch Glaubensdinge verursacht, dauernd spielten dann Hausmachterwägungen mit und zuletzt standen die politischen Belange völlig im Vordergrund. Eben errungene Vorteile gingen später wieder verloren und am Schlusse freute sich wohl jeder des endlich geschenkten Friedens, aber niemand konnte sich uneingeschränkten Siegerglückes rühmen. In Einzelabschnitte zerfallend ähnelte der Krieg einem Brande, der am Hauptherd gelöscht bereits überwunden scheint, an einer anderen Stelle mit gleicher oder verstärkter Heftigkeit erneut aufflammt. Bald hier, bald dort seinen Schwerpunkt nehmend., brachte er in seiner Gesamtauswirkung das ganze Reich aus dem Gleichgewicht und gleichermaßen aus den Fugen. Freund und Feind tauschten in dem sich hinziehenden Verlauf oftmals die Stellung als Bundesgenossen und Gegner, schließlich standen kaum unter den Führern, geschweige dann unter den Landesknechten nur Evangelische Katholischen  gegenüber, sondern auf beiden Seiten kämpften Evangelische und Katholische nebeneinander für anfänglich grundverschiedene Sache. Offiziere wie Gemeine setzten sich aus Berufssoldaten und Abenteurer aller Nationen und Sprachen zusammen. Das Kriegshandwerk wurde immer ungeschlachter ausgeübt, und bei allem Wechsel des Kriegsglückes blieb das Eine stets gleich: Verheerung und unsägliche Plage, wohin der Fuß gesetzt war.

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


© www.heimatheft.de Senden Sie ihre E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: M.Kuban@gmx.de 
Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014