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Von den ersten Bewohnern des Barnim

Von den ersten Bewohnern des heutigen Barnims liegen uns keine Überlieferungen oder schriftliche Aufzeichnungen vor, doch bestimmt dürften auch hier schon Menschen Zeugen jener gewaltigen Vergletscherung Nordeuropas gewesen sein, die wir heute die Eiszeit nennen. Vor dem andringenden Eise sind sie wohl nach Süden gewichen und dem abschmelzenden Eis dann wieder nordwärts gefolgt. Die Verläufe der entstandenen Flüsse kennzeichnen ihre ersten Verkehrswege. Wasserquellen und waldfreie Ebenen, mit zur Besiedlung geeigneten geschützten Höhen und tierreiche Wälder bestimmten dann die ersten Lebensräume. Der größte Teil des Landes, welches die Eismassen freigegeben hatten, war nicht zur Besiedlung geeignet. Selbst Wald konnte sich auf der Sandwüste nicht entwickeln und sind die Spuren seiner Kultur auch mehr an den Stellen zu finden, wo die Schmelzwasser des Eises Sanddünen und Seen hinterlassen hatten, die dem Menschen Raum und Nahrung boten.

Der Mensch bevorzugte also offene Parklandschaften an freien übersichtlichen, aber auch geschützten Plätzen in Wassernähe. Steinerne Werkzeuge aus Granit- und Feuerstein hat dieser nacheiszeitlichen Periode den Namen  „die Steinzeit“ verliehen. Man darf annehmen, dass die Bewohner unseres Landstriches keine wilden und primitiven Urmenschen mehr waren, sondern sich ihr Bauern– und Jägerleben vielmehr in ganz gesitteten Formen abspielte. Das Hünengrab an den Beiersdorfer Teufelsgründen, Funde von Feuersteinbeilen in der Willmersdorfer Heide bei Werneuchen zeugen davon, dass auch hier die Menschen bereits einer höheren Kulturstufe angehörten. Die Art, wie man so Tote bestattete, die zu Lebzeiten vielleicht auch einen besonderen Rang gehabt hatten, beweist den Glauben an ein Fortleben nach dem Tode.  In Brandenburg ausgegrabene Wohnstätten lassen uns davon ausgehen, dass die Steinzeitmenschen in rundlichen Gruben unter der Erde hausten, eine Hütte aus Schilf und Stroh über dem Wohnkessel errichteten, diese selbst mit einer hölzernen Wandbekleidung versahen, einen Herd in ihm anlegten und Schweine, Rinder, Schafe und Ziegen, sowie bestimmte Hunderassen hielten. Selbst an Schmucksachen aus Bernstein, bestehend in Ketten, Ringen und Armspiralen fehlte es ihnen nicht. Man nähte bereits mit Nadeln und ging mit Beil und Lanze auf die Jagd, befuhr mir Flössen und Einbäumen die Seen und war mit Steingeräten zum Fischfang ausgerüstet.


Die Bronzezeit (bis 400)

Die Wissenschaft lässt der Steinzeit die Bronzezeit folgen, denn in ihr wurden die Steingeräte durch Bronze verdrängt. In der Bronzezeit verbrannten nun die Bewohner unseres heutigen "Barnim" ihre Leichen. Die Überreste wurden auf so genannten Urnenfeldern oder Urnenfriedhöfen bestattet. Diese Friedhöfe lassen auf Sesshaftigkeit der Bewohner in Dörfern schließen. Bronzezeitliche Urnenfunde am Wesendahler Kesselseeberg, Weesower Blocksberg, Beiersdorf und in Heckelberg zeugen von der Frühgeschichte der Region. Doch wer diese Menschen waren und woher sie kamen liegt im Dunkeln.

Nach Überlieferungen besiedelten zur Wende der Zeitrechnung die wahrscheinlich zu den Sueven gehörigen Semonen und langobardische Stämme unser Gebiet. 

Östlich einer Linie der Flüsse Havel- Nuthe, im heutigen Barnim und in Ostteltow, siedelten die Sprewanen, die ihre Hauptburg am Zusammenfluss von Spree und Dahme in Berlin- Köpenick hatten. Westlich der Flüsse, im heutigen Havelland und in der südlich angrenzenden Zauche, lebten die Heveller, die sich selbst Stodoranen nannten und ihre Hauptburg in der heutigen Stadt Brandenburg errichteten und neben anderen kleineren Burganlagen, auf dem Gelände der heutigen Zitadelle Spandau in Berlin, eine weitere größere Burg als strategisch wichtigen Außenposten unterhielten. Diese beiden Stämme lagen wohl gelegentlich untereinander und mit anderen angrenzenden Slawenstämmen in kriegerischem Streit. Vermutlich wiederholte kriegerische Einfälle von slawischer Seite oder auch lange Trocken– oder Kälteperioden lösten dann eine Völkerwanderung in Richtung Westen aus. Die Semonen, ein Teilstamm der elbgermanischen Sueben, verließen ab dem 3. und 4. Jahrhundert bis auf wenige Restgruppen ihre Heimat an Havel und Spree in Richtung Oberrhein und gingen in den späteren Schwaben auf. Die Urbevölkerung des heutigen Barnims folgte dem allgemeinen Zuge nach Westen  und ist wahrscheinlich, mit den übrigen Sueven nach Spanien wandernd, dort im Kampf mit den Westgoten untergegangen (um 410). Nur ein kleiner Rest soll sich hier noch weiter behauptet haben. Anderen Quellen zufolge lebten Vandalen und Heruler im Barnimer Kreis, welche um 400 nach Spanien und Portugak auswanderten.(Hist. Dipl. Beiträge, Fidicin, S.4)


Die Wendenzeit (500-1200)

Nachdem das Gebiet zwischen Elbe und Oder im 5./6. Jahrhundert weitgehend von germanischen Stämmen frei war, wanderten im 7. und 8. Jahrhundert aus dem Osten, dem heutigen Polen und aus dem böhmischen Raum westslawische Stämme ein und ließen sich nieder um Garten– Ackerbau, Viehhaltung, Jagd, Fischerei und Bienenzucht zu betreiben. Dieses Volk bestand erst aus 4 Hauptstämmen, den Obotriten, Rhedarier, Sorben und Leutizier. Die Letzteren saßen in der späteren Ucker- und Mittelmark, zerfielen in einzelne Stämme, von denen die Zpriavaner den Gau Sprewa bewohnten, zu dem auch der teltowsche und barnimsche Kreis gehörte. So wurden weite Teile des Landes „slawisch“ und es ist bewiesen, dass die Slawen viele der verlassenen altgermanischen Siedlungen weiter nutzten oder in deren unmittelbaren Umfeld siedelten. „Karl der Große“ suchte die germanische Bevölkerung im Westen durch die Anlage eines Schutzwalles, des „limes sorabiens“ (von Regensburg über Magdeburg bis zur Kieler Bucht reichend) vor den Slawen zu schützen. Die Slawen hatten nun bis zum 10. Jahrhundert so gut wie keine Handelsverbindungen zu ihren Nachbarn und ihr Kulturbesitz beschränkte sich auf das, was sie aus ihrer früheren Heimat im östlichen Europa mitgebracht hatten. Im Jahre 789 unternahm „Karl der Große“ erst einen Erkundungszug in der Mark und führte später gegen die Slawen östlich der Elbe 808/809 und in Sachsen (heute Norddeutschland) einzelne Feldzüge. Im Jahr 808 „dankte“ Karl der Große den mit ihm verbündeten Slawenstämmen (Abodriten, Polaben) mit der Schenkung eines Teils des sächsischen Landes zwischen Elbe und Ostsee. Die zum westslawischen Stammesverband der Abodriten gehörenden Warnower gründeten vielleicht in jener Zeit den Ort Warnowe in der Gau Warnabi zwischen Schwerin im Westen, Waren im Osten und Plau am See im Süden. Dieser Landstrich wird urkundlich 1171 und 1186 als Land Warnowe (terra warnowe) erwähnt. Es begann eine verhältnismäßig ruhige Zeit in der sich ein lebhafter Handel mit den slawischen Stämmen mit Magadoburg (Magdeburg) als wichtigem Handelsplatz entwickelte.


Die deutsche Kolonisierung (1200-)

Um 919 wurde der sächsische Adlige, Heinrich I., König des etwa 843 entstandenen Ostfrankenreiches. Er beschlagnahmte 928/29  förmlich, weite Gebiete des heutigen Brandenburgs und griff die Heveller (Havelslawen) in Brandenburg militärisch an, nahm die slawische Fürstenresidenz in der Stadt Brandenburg ein und unterwarf sich praktisch alle slawischen Stämme zwischen Elbe und Oder. Heinrichs Nachfolger sein Sohn Otto I. wollte die Slawen stärker ins Reich einbeziehen. Dazu ernannte er Markgrafen und bildete schließlich für unseren Raum die Nordmark. Er drang nun weiter östlich bis in den Barnim militärisch ein, ohne jedoch hier festen Fuß fassen zu können. Der slawische Barnim war damals den Pommern hörig, die ihrerseits wieder unter dänischer Botmäßigkeit standen und den askanischen Eroberungsbestrebungen ebenfalls in einem Aufstand 932 starken militärischen Widerstand entgegensetzten. Unter Otto I. folgte 936 die Einrichtung von Marken, deutschen Grenzregionen zum  Slawenland. Er bemühte sich nun die deutsche Herrschaft mit Hilfe der Kirche zu festigen und gründete mehrere Missionsbistümer im noch heidnischen Grenzland. So wurde 946 das Bistum Havelberg und 948 das Bistum Brandenburg gestiftet. In letzterer Urkunde wurde Brandenburg in der Schreibweise Brendanburg und der Barnim erstmalig erwähnt. Im selben Jahr 948 wird das Bistum Havelberg von den Slawen überfallen und zerstört. Brandenburg wurde wieder "Brennabor" und zum Zentrum slawischer Stämme.  Um 965 erobert Otto I. die Bistümer Brandenburg/Havel zurück und stattet sie nun u.a. stärker militäridsch aus. König Otto I. nennt, in einem Stiftungsbrief des bischöflichen Sitzes Brandenburg, vom Jahre 949 und in der Urkunde vom Jahre 965 (nach welcher er dem Erzstifte Magdeburg die Honigzehnten in verschiedenen slawischen Provinzen schenkt) eine Gau Zpriavani, Sprewa (Spreegau). Nach einer Überlieferung stiftet er 968 das Erzbistum Magdeburg als kirchliches Zentrum für die Gebiete östlich der Elbe, welches zuvor dem Erzbistum Mainz unterstellt war.


Der Wendenaufstand (983)

Nach den anfänglichen militärischen Erfolgen zur Eroberung erst durch Heinrich I. und dann von seinem Sohn Otto I. kam der große Rückschlag durch einen organisierten Aufstand der Slawen im Lutizenaufstand von 983. Veranlasst durch die Bedrückungen des vom Kaiser über sie gesetzten Herzogs Dietrich, verhinderten die Slawen jedes weitere Vordringen, zerstörten die Kirchen und Klöster, die Bischofssitze Havelberg und Brandenburg, vertrieben die Geistlichen und kehrten gänzlich in ihre bisherige Verfassung zurück. Das Land östlich der Elbe ging dem Christentum und der deutschen Herrschaft wieder verloren. Am Anspruch auf das Gebiet zwischen Elbe und Oder hielt das deutsche Königreich jedoch fest, wovon unter anderem die Weiterbesetzung der  Markgrafen- und Bischofsämter zeugt. Ab 993 gab es dann erste Rückeroberungsversuche und Potsdam erscheint zum ersten Mal in den Quellen. Weitere schwere für die Germanen erfolgreiche aber blutige Kriege (1055-1056) folgten bis das Bündnis der slawischen Stämme zerfiel.

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014