Startseite / Aufwärts / Neue Seiten / Impressum / Über uns / Danksagung


Startseite
Aufwärts

1618, Vom dreißigjährigen Krieg

Der damalige Herrscher, militärisch völlig hilflos, hatte sich bald der Kaiserlich-Habsburgischen, bald der Schwedischen, bald überhaupt keiner Politik angeschlossen, und so zählte die Mark Brandenburg und insbesondere auch der Barnim nach dem Krieg zu den am meisten verwüsteten Gebieten Deutschlands. Brandenburg wurde als Folge seiner unentschlossenen Politik von befreundeten und feindlichen Truppen gleichermaßen geplündert und gebrandschatzt.

Als der brandenburgische Kurfürst Johann Sigismund in Berlin im Sterben lag, übernahm sein Sohn Georg Wilhelm 1619 die Regierung des Kurfürstentums Brandenburg und des von seinem Vater neugewonnenen Herzogtums Preußen. Ein Jahr später heiratet seine Schwester Maria Eleonora von Brandenburg am 25. November 1620 den Schwedenkönig Gustav II. Adolf. (Seine Mutter stammte aus Kiel und sprach deshalb deutsch.) Doch damit geriet er bald mehrfach in Schwierigkeiten, denn sie war eigentlich zur Heirat für den polnischen König Sigismund bestimmt, der gleichzeitig Lehnsherr des Herzogtums Preußen war. Sein Bekenntnis und seine verwandtschaftlichen Beziehungen zu dem protestantischen König Gustav Adolf hätten ihn auf die evangelische Seite ziehen müssen, persönlich stand er aber unter dem Einfluss seines kaiserlich gesinnten, katholischen Ministers Fürst Adam von Schwarzenberg.

So war Kurfürst Georg Wilhelm (1619-1640) bestrebt, sich „dem Kriege fernzuhalten“ und „neutral zu bleiben“, denn seine geldlichen und soldatischen Hilfsmittel, so seine Überlegung, waren zu aussichtsvoller Mitbeteiligung unzureichend. Diese Unentschlossenheit und schwankende Haltung wurde ihm und dem Lande jedoch bald besonders verhängnisvoll, da nun die Mark Brandenburg erst recht den Krieg zu spüren und seine Kosten für beide Seiten mitzutragen bekam.

Vom ersten Abschnitt des drei9ßigjährigen Krieges, dem Böhmisch-Pfälzischen Krieg  (1618-1624), blieb zwar die Mark wegen der räumlichen Entfernung noch unberührt, aber im weiteren Verlauf, dem Niedersächsisch-Dänischen Krieg (1625-1629), dem schwedischen Krieg (1630-1638) und dem schwedisch-französischen Krieg (1632-1648), war die Mark vom Jahre 1626 an bis 1640 den Kriegsstürmen ununterbrochen ausgesetzt und den Kriegsgräueln einfallender, verweilender oder durchziehender Truppen gleichermaßen preisgegeben, ob sie als Feinde oder als angebliche Freunde des schwachen Kurfürsten erschienen.

Der Niedersächsisch-Dänische Krieg (1625-1629)

Nach einem für die katholische Seite erfolgreich abgeschlossenen ersten Kriegsabschnitt, hatte sich das protestantische Norddeutschland, besonders Niedersachsen, unter Führung des Dänenkönigs Christian IV. zur Abwehr gesammelt, aber ebenso der Kaiser 1625 in Albrecht von Wallenstein (richtig: Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein) mit der Beauftragung eine eigene Armee aufzustellen, einen allen damaligen Feldherren überlegenen Generalissimus gewonnen, durch den der dreißigjährige Krieg sich aus zerstreuten örtlichen Unternehmungen  in einen nun von zielbewusstem Willen gelenkten Reichskrieg wandelte. Dem von Süden heranrückenden Wallenstein zog der evangelische Heerführer Herzog Ernst von Mansfeld entgegen, wurde jedoch an der Dessauer Elbbrücke (April 1626) geschlagen und jetzt waren flüchtige Mansfeldische Söldner die ersten Truppen, die den Barnim betraten. Am 5. Mai 1626 kamen sie nach Strausberg, fanden die Stadt verbarrikadiert und nahmen dann in Altlandsberg Quartier. Ihnen rückten alsbald kaiserliche, unter Befehl des Feldherrn Tilly stehende Truppen nach und besetzten nun ihrerseits Altlandsberg. Ein Jahr später durchzogen Wallensteinsche Truppen im August 1627 Strausberg und vom 7. bis 9. November 1627 und 13. bis 15. Juni 1628 hielt sich Wallenstein persönlich in Strausberg auf, unsere Gegend zunächst dem Regiment Torquato Tasso, insbesondere aber den Barnim vom Herbst 1628 bis 1629 dem Regiment St. Julian zur Aussaugung preisgebend, während er selbst sich des Landes Mecklenburg bemächtigte.

Obwohl sich die kaiserlichen Truppen in der Mark vom Markgrafen unterstützt fühlten, benahmen sich entsetzlich. Ritterschaft und Städte im Oberbarnimschen Kreise klagten am 27. Oktober 1628 in einen Brief an den Landesherren „ das dieser Greys der Oberbarnim, für allen anderen Greysen mit dem Durchzuge dermaßen bisher beschweert, dass alles Volk so von Guben, Frankfurt, Fürstenwalde und denen Oerter herunterkommt, allzeit durch diesen Greys passiret, also dass über 60.000 Mann allbereit durch den Neustädtischen Paß durchgezogen, darüber sowohl  s.e.D. Dörfer wie auch Städte fast aufs äußerste erschöpfet und verwüstet und finden sich in etzlichen Dörfern nicht über 5 Einwohner mehr, wie ja auch bei der negsten mars zur Newstadt nicht über 40 Einwohner mehr vorhanden gewesen. Und wird man überdas noch mit den Contribuiren vollends erschöpfet“.

Der schwedische Krieg (1630-1638)

Der Schwedenkönig Gustav Adolf, ein erklärter Protestant der sich nun durch die Gebietsgewinne des katholischen  Wallensteins  bedroht fühlte, hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht in den Krieg eingegriffen. Doch als die Situation der deutschen Protestanten auf Grund der Niederlagen gegen die von Wallenstein geführten kaiserlichen Truppen mittlerweile hoffnungslos zu sein schien, landete Gustav Adolf von Glaubenseifer gepackt, am 6. Juli 1630 mit einer 13.000 Mann starken Armee in Pommern und wurde nun überall als Befreier begrüßt. Danach zogen die Schweden unter Gustav Adolf befreiend nach Brandenburg und durch den Barnim und trieben die verrotteten Haufen des kaiserlichen Generals von Schaumburg vor sich her. Am 20. Januar 1630 erschien sein Quartiermeister Münch in Strausberg um den Durchzug von 13.000 Mann vorzubereiten. Aber der Rat der Stadt klagte ihm  beweglich die Not der Bürgerschaft und gab ihm einen „günstigeren Weg“ an. Nach Zahlung einer beträchtlichen Abstandssumme erklärte er sich dann auch bereit diesen anderen Weg zu nehmen. Am Abend des gleichen Tages drangen noch 300 in kaiserlichen Diensten stehende kroatische Söldner  in Strausberg ein um für eine Nacht Quartier zu nehmen. Kurze Zeit später quartierten sich nochmals 80 Kroaten für zwei Nächte in der Stadt und requirierten 4.000 Pfund Brot und 4.000 Quart Bier, die nach Müncheberg und Wriezen geliefert werden mussten., sowie 115 Taler Bargeld.

In der nachfolgenden Zeit besetzten dann Schweden die Gegend und machten dann Werneuchen, das benachbarte Altlandsberg und Strausberg im März 1631 zu Musterungsplätzen für „Kriegsfrei-willige“. Viele Bürger sollen damals der Werbetrommel gefolgt sein und überhaupt sich seine Armeestärke bald auf 40.000 Mann erhöht haben. Kurfürst Georg Wilhelm ging trotz der durch die Kaiserlichen erlittenen Drangsalierungen nur zögernd und gelindem Druck nachgebend nun endlich  ein Bündnis mit den Schweden ein.

Nach einem Schreiben des Königs vom 31. Julius 1631, mussten die Städte Bötzow (Oranienburg), Biesenthal, Bernau, Vernöwichen (Werneuchen), Alten Landsberg (Altlandsberg), Strausberg, Cöpenick, Spandau, Wriezen, Buckow und Friedland nun zusammen monatlich 4.520 Reichsthaler Kontribution für die Schweden aufbringen.

Die Mark hatte jetzt auch Kriegszahlungen zu leisten, konnte sich aber immerhin nun Zeiten leidlicher Ruhe erfreuen. (Nur war der Siegeslauf des Schwedenkönigs sehr kurz bemessen: Er fiel bereits am 16. November 1632 in der für die Schweden siegreichen Schlacht bei Lützen.)

Die Leiche des Schwedenkönigs wird überführt

Am 16. November 1632 kam es bei Lützen zu einer großen Schlacht zwischen dem schwedischen und dem  kaiserlichen Heer. König Gustav Adolf führte selbst einen Angriff auf dem rechten Flügel durch und wurde verwundet. Bei dem Versuch sich selbst zurückzuziehen geriet er in ein kaiserliches Kürassierregiment unter Oberstleutnant von Falkenberg. Bei dem Scharmützel wurden sowohl Falkenberg als auch Gustav Adolf von Kugeln tödlich getroffen.  Am Abend des Schlachttages zogen sich die kaiserlichen Truppen nach Leipzig zurück. Am Morgen des nächsten Tages am 17. November 1632 fand man auf dem Schlachtfeld seine teilweise entkleidete und ausgeraubte Leiche. Auf direktem Weg wurde der geborgene Leichnam nun nach Werneuchen gebracht und angeblich noch am „Abend desselben Tages in Werneuchen, in der Kirche aufgebahrt“ (Gustav Adolf Gedächtnisbuch, Bernh. Rogge, Königl. Hofprediger zu Potsdam, 1894). Der Bürgermeister von Werneuchen Kogge musste dazu aus der Stadtkasse zu dem “Comitat (für Transport und Begleitung) ein Gewisses liefern” (Heimatkundliche Mitteilungen, Rudolf Schmidt, S.23). Von da wird der Leichnam in einem einfachen Sarge auf das Schloss  Weißenfels gebracht und von dort erst im Frühjahr 1631 nach Schweden überführt.

Die Pest wütet

Während dessen wütete die Pest in Nachbarstädten und Dörfern und erreichte im Jahre 1632 auch Werneuchen. Der damalige Ortspfarrer Matthäus Rosenthal bewies sich in dieses Zeit als wackerer Seelenhirte und war Arzt, Apotheker und Totengräber in einer Person. Das noch in den 30-ziger Jahren in der Beiersdorfer Pfarre aufbewahrte Kirchenbuch berichtet dazu: „Weil der Pfarrherr getreulich bei seinen Pfarrkindern ausgehalten, dass er Infectione pestis nicht gefürchtet, wurden ihm 10 Taler erwiesen“. Er erhielt den Ehrentitel Pestilenziarius und wurde mit 10 Thalern für seine Treue besonders vergütet. Dazu kam die Kirchenkasse für die von ihm beschafften Arzneien auf.

Der schwedisch-französische Krieg (1632-1648)

Der letzte Kriegsabschnitt war dadurch gekennzeichnet, dass sich nunmehr auch Frankreich beteiligte. Erst, den kämpfenden Protestanten „unter der Hand helfend“, dann „offen zur Seite tretend“, ging es aber kaum um die Glaubensfrage, sondern fast ganz um die Auseinandersetzung über die Vormachtsstellung der drei Reiche: Österreich-Spanien, Schweden und Frankreich.

Für die Mark Brandenburg und Werneuchen hatte dieser Kriegsabschnitt die größte schmerzliche Bedeutung, denn Georg Wilhelm, der 1631 von der Kaiserlichen auf die schwedische Seite wechselte und noch auf Seite der Schweden stand, wechselte 1635 wiederum zurück auf die kaiserliche Seite und beschwor damit bald die Feindschaft der als „Befreier“ gefeierten Schweden herauf.

Der grassierenden Pest mit ihren vielen Opfern, folgte also nicht minder schrecklich wieder der Krieg auf den Fuß.  Gustav Adolf war gefallen, Wallenstein hatte bei Steinau in Schlesien das verbündete Heer der Schweden, Sachsen und Brandenburger zersprengt und war in schnellen Märschen bis Frankfurt und Landsberg gelangt. In Werneuchen, Strausberg und Altlandsberg sollten noch einmal Männer angeworben werden, aber „feindliche“ kaiserliche Truppen waren bereits im Anmarsch. Und im Barnim streiften schon kroatische Haufen. Am 16. November 1632 erhielt der Rat von Strausberg einen Befehl des kaiserlichen Kommandanten in Frankfurt Oberst von Manteuffel, Proviant bereitzuhalten. In der Nacht zum 17. November 1632 war „ ein übel Haufen auf dem Lande in den Dörfern“ und am 18. November 1632 erschienen 30 Reiter in Strausberg, welche jedoch wieder abzogen, als man ihnen das Schreiben Manteuffels vorlegte.

Am 22. November 1632 erschienen wieder Kroaten, besonders vom Regiment Wins, eines Brandenburgers aus Birkenwerder und fielen in Strausberg ein. Unmenschlich hauste dann die vertierte Soldateska. Frauen und Jungfrauen wurden geschändet, viele Leute verletzt oder getötet, Kirche und Schule ausgeraubt, verdorben was nicht des Mitnehmens wert schien oder nicht fortgeschleppt werden konnte. Diese Truppen unternahmen anschließend noch Streifzüge in der Umgebung, um von den Landbewohnern Lebensmittel zu erpressen. Nach zwei Tagen verließen die Kroaten Strausberg und ließen einen Wachtmeister, einen Korporal und 10 Soldaten als Wachmannschaft zurück, die auf die Zahlung von 500 Taler warten sollten, welche die Bürgerschaft in zwei Raten am 25. und 26. November 1932 erstatten sollte.

Doch die Kunde von der Plünderung Strausbergs war schon nach Müncheberg gedrungen, wo die „befreundeten“ Schweden ein Lager bezogen hatten. Am Morgen des 26. November  1632 erreichten 16 schwedische Reiter die Stadt   und machten zehn der Kroaten nieder und nahmen zwei gefangen.

Wechselnd an Erfolgen vergingen die nächsten zwei Jahre, doch gleich blieb das jammervolle Schicksal der gequälten Kriegsgebiete und nun seufzte besonders das bisher noch relativ verschont gebliebene Werneuchen unter Kontributionslasten. Der kaiserliche Generalfeldwachtmeister von Götzen sammelte seine bunten Haufen in der Mark und kaiserliche Truppen, requirierten nun auch wieder in Werneuchen auf das Erbärmlichste. 1633 wurde dann auch wieder Strausberg von „feindlichen“ Kaiserlichen geplündert und nur noch 80 Bürger blieben übrig.

Wie das Protokoll über die Kontributionen und Kriegskosten des Oberbarnimschen Kreises von 1634 besagt, beanspruchte außer den kaiserlichen Feinden auch noch der Kurfürst selbst für sein eigenes Militär dauernd Steuern, so Geldabgaben aus den Ortschaften des Kreises für das Regiment Oberst Volkmann zu Berlin, das Regiment Herzog Franz Carl v. Sachsen-Leuenburg zu Neustadt (Eberswalde), das Regiment Oberst Georg Ehrenreich v. Burgsdorf, für die Musterplätze der beiden Rittmeister Bernd und Henning v. Arnim zu Wriezen und Getreideabgaben für die Festung Spandau. An einem Tage wurden aus Werneuchen 20 Wispel Getreide, 14 Ochsen, 3 Kälber, 22 Hammel, 15 Fuder Heu erpresst und an einem anderen Tage mussten, nicht an die Kaiserlichen, sondern an den in schwedischen Diensten stehenden „Herzog Franz Carls Reiter“ über 250 Schafe, 8 Stück Rindvieh, alle Hühner, Gänse, Schweine und 20 Wispel Getreide ausgeliefert werden.

In Werneuchen bricht  darauf eine Hungersnot aus. Der geplünderte und durch Pest entvölkerte Ort kann 1635 nun weiteren Quartier nehmenden Exekutionstruppen keine Kontributionen mehr leisten.

Unter diesem verderblichen Einfluss steigerten sich nun noch einmal die furchtbaren Auswirkungen auf die persönliche Sicherheit der Bürger und Landmänner. Doch für den Verfall jeglicher Moral ist besonders das Herbeischaffen von ausländischen Kriegsvolk, dem „Werben“ der Söldner zu suchen. Schlimm und gefährlich waren alle Arten der Söldner, am gefürchtetsten aber die aus Kroatien kommenden. Die „Krabbaten“, wie man sie allgemein bezeichnete waren auf Raub und Mord dressiert. Ihnen war die Lust zum Sengen und Morden zur Natur geworden und die Erinnerung an ihre noch kommende Gräueltaten sollten noch in den Enkeln der Männer nachbeben, die sie am eigenen Leib erfahren haben.

Georg Wilhelm wechselt die Seite

Als der Krieg in der Mark immer mehr den Charakter einer planmäßigen Länderverheerung annimmt tritt Georg Wilhelm im Jahr 1635 erneut zum Kaiser über und beschwört nun die Feindschaft der Schweden herauf, die nach Gustav Adolfs Tod ganz verwahrlost waren und die nun ihrerseits bis 1640 aufs Schlimmste hausen sollten. Im Dezember 1636 langt ein, in schwedischen Diensten stehendes, nun „Feindliches“, schottisches Söldnerregiment im ausgeplünderten Strausberg ein und will nun in der Umgebung Altlandsberg und Werneuchen Naturalbezüge requirieren. Das ausgeblutete „offene Städtlein Vernoike“ (Werneuchen) kann keine Abgaben mehr leisten und sich auch nicht durch eine Bargeldsumme freikaufen und wird von den vermutlich aus Straußberg kommenden „Schotten“ in Brand gesteckt und dabei völlig vernichtet.

Der große Stadtbrand

Am 14. Juli 1637 berichten die Gebrüder von Krummensee, dass „bei den damaligen großen Durchzügen eine schreckliche große Feuerbrunst im  Städtlein Vernoike entstanden, darin nicht allein alle Häuser und Gebäude, sondern allermeist, welches mit blutigen Zäh(r)nen und Thränen zu beweinen, die schöne wohlerbaute Kirche und Pfarre samt Verschmelzung fünf wohlklingender Glocken mit aufgegangen und eingeäschert worden" ist.

Es erscheint uns heute noch furchtbarer und jammernswerter, wenn wir uns ins Gedächtnis rufen, welche Saaten da in Werneuchen und der ganzen Mark zertreten, welche Fruchtgärten und Wälder zerstört und wie der Fleiß von zwei Jahrhunderten, die Früchte der Hohenzollernherrschaft vernichtet wurden, als wär`s die Arbeit von zwei Tagen gewesen, die man vernichtete in einer Stunde.

Am 19. Juli 1637, einem Sonntag dringen 600 Kroaten und Musketiere wieder einmal in Strausberg ein. Angeblich gegen Zahlung einer beträchtlichen Brandschatzungssumme wird die Stadt vor der Brandschatzung gerettet. Zeitgenössische Berichte erzählen aber: „Es ist in dieser Stadt eine solche noht und mangel an Brod und Bier gewesen, als woll in 100 Jahren nicht mag gewesen sein: in vielen Heusern in 3 tagen kein Brod gesehen, zumal man sich wegen der Soldaten nicht aus der Stadt trauen dürffen. Ingleichen die Leutte sich mit Eichel– und bolkaff-brod, welches sie mit einander gemahlen, behelffen müssen, das also viele leutte hungerß gestorben sind“.

Und als wäre es nicht Leid genug bricht 1638 von Bernau ausgehend noch einmal die Pest aus und erreicht wieder Werneuchen.

In dieser schlimmen Zeit im Sommer 1638 schickt Kurfürst Georg Wilhelm seinen Sohn Friedrich Wilhelm, der die letzten Jahre im sicheren Holland verbrachte, in das befestigte Berlin, obwohl hier und inder ganzen Mark praktisch die nun „feindlichen“ Schweden die Macht ausüben.

Trotz des andauernden Krieges bauen die verbliebenen Einwohner der 1636 völlig abgebrannten Stadt Werneuchen unter uns heute wahrscheinlich unvorstellbaren Anstrengungen einige Häuser wieder auf. Doch 1639 ziehen ungarischen Söldner durch Werneuchen und als nach diesem neuerlichen Überfall die Stadt Straußberg einen Erkundungsreiter nach Werneuchen schickt, überbringt er die schlimme Kunde: „Der Ort zählt nur noch ganze 40 Einwohner“.

Friedrich Wilhelm  wird Kurfürst und wechselt die Seite

Nach dem Tod, des Kurfürsten Georg Wilhelms I., am 1. Dezember 1640 tritt sein Sohn Friedrich Wilhelm II., später „ der große Kurfürst“ genannt, nun inmitten katastrophalster Verhältnisse offiziell die kurfürstliche Nachfolge an. Um Handlungsfreiheit in der Mark Brandenburg zu gewinnen, schließt Friedrich Wilhelm am 14. Juli 1641 mit dem schwedischen König einen Waffenstillstand ab. Die Mark bleibt dennoch weiter durch schwedische Truppen besetzt. Mitten im 30-jährigen Krieg, am  7. Dezember 1646 heiratet der märkische Kurfürst Friedrich Wilhelm in Den Haag die älteste Tochter des Statthalters Luise Henriette von Oranien.

Noch 9 Jahre wird der Krieg toben und erst 1648 sein offizielles Ende nehmen.

Vor dem dreißigjährigen Krieg zählte Berlin-Cölln zwölftausend Einwohner, 1648 waren es nur noch halb so viele. In Berlin standen noch 845 Häuser, wovon nur noch zweihundert bewohnt waren.

Der Land– bzw. Erkundungsreiter Sebastian Becker der 1652 im Auftrag des Kurfürsten Ort für Ort untersucht, findet in der Mark nur noch traurigste Zustände. „Dass nur noch 3 oder weniger Einwohner im ganzen Dorf anzutreffen werden ist nichts allzu seltenes“. Von Leuenberg, Prötzel und Möglin, berichtet der Landreiter, dass „darin niemand mehr wohne. Die Äcker bedeckten sich mit Wald, weil niemand mehr da war sie zu bewirtschaften“.

Werneuchen erbringt lt. Bericht nur noch „11 bewohnte Hausstellen“. In Strausberg waren nur noch ganze 20 Bürger verblieben. „Sie waren so arm, dass sich keiner ein Hemd an den Leib noch Schuhe an die Füße schaffen konnte.“ Die Straßen lagen verödet und nur selten wurde man einer lebendigen Seele ansichtig.

Neuangesetzte Bauern und Kossäten hielten es in vielen Fällen nicht lange aus, denn sie kamen trotz des größten Fleißes nicht auf ihre Rechnung und viele Beispiele sind nachzuweisen, dass sie heimlich in der Nacht Haus und Hof verließen, um auf und davon zu gehen.

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


© www.heimatheft.de Senden Sie ihre E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: M.Kuban@gmx.de 
Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014