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1648, Nach dem dreißigjährigen Krieg

Auch trotz der Beendigung des dreißigjährigen Krieges durch den Westfälischen Frieden 1648 blieben es schwere Zeiten. Beste Kräfte waren verblutet, jedes Vermögen geschwunden, geistiges und kulturelles Leben völlig verkümmert und die Moral tief gesunken. Ungezählte und oft nicht die Schlechtesten suchten, der Heimat und solcher Zustände überdrüssig, ihr Glück im Dienst ausländischer Mächte oder in abenteuerlicher Ferne. Die Zerstückelung Deutschlands war noch schlimmer geworden und unbefriedigte Ansprüche kriegsbeteiligter Staaten, Erfolge auf der einen Seite, Benachteiligungen auf der anderen, reizten zu frischen Waffengängen. So drangen, während Friedrich Wilhelm selbst im Westen an der Durchführung von neuen Reichskriegen verstrickt lag, bei uns die mit Frankreich verbündeten Schweden vor, bis ihnen der  in Gewaltmärschen zurückgeeilte Kurfürst durch den Sieg bei Fehrbellin Juni 1675 Halt gebot. Auf die bedenkliche Lage und Sorgenstimmung der Heimat zu jener Zeit wirft es ein besonderes Schlaglicht, wenn das Werneuchner Taufregister von 1675 schreibt, dass am Pfingsttage, dem 27. Mai, des hiesigen Pastors Samuel Fabrizius eigenes „Söhnlein wegen der Schweden Einfall in Berlin geboren“ wurde.

 

Abgaben nach dem dreißigjährigem Krieg

Nach dem großen Kriege hatte die Einwohnerschaft zweifellos ihre gewaltigen Sorgen und Mühen gehabt, wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen. Die Verpflichtungen dagegen, denen sie damals genügen musste, sind auf heutige Maßstäbe umgerechnet und mit den Verhältnissen unserer Zeit verglichen nur geringfügig zu nennen. So waren laut Nachweisungen von 1660 und 1670 an die Herrschaft jährlich als Abgaben zu liefern: von den Hüfnern auf jede Hufe 1/4 Thaler, 3/4 Scheffel Roggen, 3/4 Scheffel Gerste, 2 1/16 Scheffel Hafer, von den Gärtnern nichts. Von dem Müller 1/3 Thaler und 12 Scheffel Roggen (660 Liter), vom Krüger 1/2 Thaler, vom Hirten jedes sechste Lamm. Wunderlich muten uns die „Hochzeitsbeihilfen“  zu der „nur selten geschehenden“ Vermählung der Herrschaftstöchter an: auf jede Hufe (rund 55 Morgen): ein Metzen Hafer (7 Liter) 1 Huhn, 3 Eier, 1/4 Gans, dazu von der Gesamtbürgerschaft vereint 1 Ochse, 5 Hammel und für 2 2/3 Thaler Gewürz. Auch die persönlichen Leistungen waren erträglich: Die Hüfner hatten zu den Prediger– und Küster-, Schmied– und Hirtenhäusern außer anteiligen Kosten alle Fuhren zu stellen und das Dachstroh zu liefern. Die Gärtner mussten für die Herrschaft Botengänge und Reisen übernehmen, Briefe austragen, „Hunde leiten“ und Jagdtreiberdienste versehen, für den Ort zu den aufgezählten Bauten Handdienste tun, den Mist aus den Hirtenställen ausräumen, Dämme setzen und Felder einzäunen. Die Büdner und Stäbe waren zu solchen Arbeiten höchstens im selben Maße der Gärtner anzusetzen, von den meisten, ganz entbunden und von Einquartierung befreit. Zum Hofdienst bei der Grundherrschaft konnten nur die Töchter von Einwohnern, die nicht das Bürgerrecht erworben hatten, herangezogen werden. Fuhren für die kurfürstliche und königliche Obrigkeit waren je nach Notwendigkeit von den Gespannhaltern zu leisten. Die „Leibeigenschaft“ der Bauern erscheint nicht so drückend und der Weg zu neuem Aufstieg nach dem dreißigjährigen Krieg war geebnet, geöffnet und betreten worden. Die Werneuchner, dem Landbau zugetane Bevölkerung war abhängig von ihrer Grundherrschaft, hatte aber, soweit es sich verfolgen lässt, sowohl in zurückliegenden Zeiten, als auch besonders in den Jahren der Neugestaltung, einsichtige Lehnsherren gefunden, die ihre Hoheit nicht zur Aussaugung der ihnen Unterstellten missbrauchten, sondern um Widererstarkung der Ortschaften bemüht waren. Doch der große Kurfürst Friedrich Wilhelm hatte andere Pläne.

 

Friedrich Wilhelm

Nicht nur die Lehnsherren auch Friedrich Wilhelm, (* 16. 2. 1620 in Berlin, † 9. Mai 1688 in Potsdam) hohenzollernscher Erbe überlegte angesichts der Landeslage: „wie Unsere durch bisherige langwierige Kriegsunruhen an Einwohnern und Mannschaft sehr entblösete und desolierte Lande hinwieder mit Volk besetzet und selbige dadurch in mehreren Aufnehmen gebracht werden könnten“. Passives Bewahren des Ererbten war nicht das Ziel des gedrungenen aber ehrgeizigen Mannes. Aber selbst das war eine schwierige Aufgabe. Nur Soldaten, in einem stehenden Heer konnten den von der Memel bis zum Rhein zerfaserten Besitzstand der Hohenzollern noch schützen. Für Soldaten brauchte er Menschen, Produzenten und Steuerzahler. Menschen waren der wirkliche Reichtum eines Landes. Seine Berater rechneten ihm vor, dass selbst bei weitgehender Förderung von Heiraten und Geburten, es mindestens zweier Generationen bedürfe, bis die Mark Brandenburg wieder die alte Zahl an Einwohnern haben könnte, und Sachsen beispielsweise immer noch dreimal mehr Menschen pro Quadratmeile und Frankreich gar viermal so viel haben würde. Seine aus Holland stammende Gemahlin Luise Henriette gibt ihm entscheidenden Impulse.

Friedrich lud holländische Handwerker, Baumeister, Landwirte und Kaufleute ein, die moderne Techniken und Produktionsmethoden mitbzuringen und bald machte tatsächlich das Wort der „Verholländerung“ der Mark Brandenburg die Runde. Doch Friedrich ging noch weiter. Er übersprang das einhundertjährige Siedlungsverbot für Juden und bot 20.000 verfolgten Hugenotten eine neue Heimstatt. Die Hälfte dieser Zuwanderer waren Textilproduzenten, Garner und Zwirner, Weber und Wirker, Sticker und Schneider. Diese Gewerke gehörten seit langem zu den wichtigsten der Mark.

Für die ländliche Bevölkerung hatte der enorme Zuzug aus dem Westen aber keine Vorteile. Zur Finanzierung des Aufbaus eines stehenden Heeres als Fundament für eine eigenständige Außenpolitik erreicht der Kurfürst nach langen Verhandlungen während der Landtage (Ständeversammlungen) 1653, die Zusage der Stände, 530.000 Taler Steuern innerhalb der nächsten fünf Jahre aufzubringen. Vom Landadel mussten 41 % der Steuern, von den Städten 59 % der Summe aufgebracht werden. Im Gegenzug bestätigte der Kurfürst den Ständen Privilegien, die vor allem zu Lasten der Bauern gingen. Unerträgliche Frondienste, eine Verschärfung der Leibeigenschaft und das Ausplündern und das anschließende Aufkaufen von Bauernhöfen waren die Folge. Die Zeit eines Otto von Schwerin war gekommen.

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014