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1666, Die Herrschaft des "von Schwerin"

Otto Freiherr von Schwerin der Ältere

Otto von Schwerin wurde am 18. März 1616 bei Greifenhagen geboren und entstammte einer pommerschen Adelsfamilie. Am 22. April 1642 heiratete er in Königsberg Elisabeth Sophie von Schlabrendorf und siedelte mit ihr nach Berlin über. Sie entstammte einem alten märkischen Adelsgeschlecht deren Wappen u.a. auch in der Löhmer Dorfkirche zu sehen ist. Otto von Schwerin fand Aufnahme am Hofe des Kurfürsten und wurde 1638 Kammerjunker. Vier Jahre später steigt er zum Mitglied des Geheimen Rathes und Direktor des Lehnhofes auf.

Schwerin kauft Werneuchen

Diese Stellung als Lehns- Direktor, benutzte er nun für eigene Güter- Erwerbungen in konsequenter Weise. Wo im Laufe des verwüstenden 30-jährigen Krieges und des darauf folgenden Schwedenkrieges Schwierigkeiten bei irgend einem Lehngute auftraten, erfolgte die Einziehung ungeachtet vorhandener Lehnspardone, wenn die Güter dem Herrn von Schwerin bequem lagen. So ließ er nach geschehener Heimfallerklärung sich einige schöne Güter in der Uckermark verleihen. In der Mittelmark erwarb er zunächst Wegendorf für 12.000 Taler und von den 1656 in Finanznöten steckenden Familie von Krummensee unter anderem die kleine Stadt Altlandsberg und Krummensee, 1666 den Marktflecken Werneuchen und u.a. die Dörfer Krummensee, Buchholz, Seefeld, Tiefensee und Freudenberg, d.h. er kaufte die darauf haftenden Lehnschulden und ließ sich die Belehnung erteilen auf welche er dann die Herrschaft Alt- Landsberg bildete. Die alte Brandenburgische Landesconstitution, welche zur Zeit der Kurfürsten Joachim II. und Johann Georg unter Leitung des berühmten Kanzlers Lambert Diestelmeier zum wahren Wohle des Landes eingerichtet war, hatte in den § 18 und 19 den Zweck, den Grundbesitz fest bei den alten Eigentümern zu belassen. Diese setzte von Schwerin außer Anwendung und bewirkte, dass der am 26. Juli 1653 abgehaltene allgemeine Brandenburgische Landtag der letzte war, weil der Oberpräsident sich durch die alten ständischen Gerechtsame beschränkt fand, indem er bei den vielen Abwesenheiten des Kurfürsten im Kriege das Land selbstständig regieren wollte. Zwischen 1664 und 1670 vergrößerte er das erwähnte weitläufige und zusammenhängende Besitztum noch durch die angrenzenden Predikower Güter, indem er von Gläubigern der im Kriege abwesenden Besitzer die Lehnschulden an sich brachte und die Güter ebenfalls mit seiner Herrschaft Alt- Landsberg vereinigte. Am 9. September 1658 wurde Schwerin vom Kurfürsten zum Ersten Minister und Oberpräsidenten des Geheimen Rates und aller Zivilbehörden ernannt. Im folgenden begleitete Otto von Schwerin den Kurfürsten auf dessen Feldzügen nach Jütland und Vorpommern. Ende Sommer 1662 wurde er auf eigenen Wunsch nach Berlin zurück beordert. Dort ernannte ihn Friedrich Wilhelm I. zum Erzieher des siebenjährigen Kurprinzen Karl Emil und ab 1665 auch des zwei Jahre jüngeren Friedrich. Der Oberpräsident Otto, Freiherr von Schwerin hing der reformierten Religion mit übertriebenem Eifer an und er schloss alle seine Kinder von der Erbschaft aus, welche den Schoss der reformierten Kirche verlassen würden. Er erbaute auch zu Altlandsberg, seinem Wohnort und seiner Besitzung, ein reiches, reformiertes Gotteshaus auf eigene Kosten. Es verdient bemerkt zu werden, dass der Graf mit Prinz Friedrich, nicht bloß alle Sonntage, sondern überhaupt jedem öffentlichen Gottesdienste, welcher in Alt Landsberg gehalten wurde, beiwohnte. Friedrich behielt diese Gewohnheit auch in späteren Jahren als regierender Fürst immer noch bei, und nur Krankheit konnte ihn abhalten, nicht aber weltliche Geschäfte. Reformationsgegner beobachteten mit Sorge wie Schwerin den Prinzen Friedrich, der sich in Alt Landsberg oft aufhielt "nötigte, alle reformierten Gebräuche von Kindheit an mit äußersten Pünktlichkeit zu beobachten. Er weihte ihn in alle gelehrten Spitzfindigkeiten, Grillen und Sophistereien der reformierten Theologie ein" und daher ist es denn gar nicht zu verwundern, dass Friedrich später als König "so streng reformiert war, dass er am liebsten die ganze Welt reformiert hätte".

 

Otto Graf von Schwerin der Jüngere

Sein Sohn Otto Graf von Schwerin der Jüngere (* 21. April 1645 zu Cöln an der Spree; † 8. Mai 1705 in Alt Landsberg) gehörte ebenfalls zu den ausgezeichneten Staatsmännern der deutschen Geschichte. Bis zu seinem 10-ten Lebensjahr beschäftigte sich fast ausschließlich seine Mutter Elisabeth Sophie von Schlabrendorf mit seiner Erziehung. Doch er verlor seine Mutter am 26. Januar 1656. Im Oktober desselben Jahres 1656 vermählte sich der Vater mit der verwitweten Frau von Waldburg-Truchsess, die nun seine weitere Erziehung übernahm bis er in Begleitung eines Erziehers nach kaum vollendeten 13-ten Lebensjahr 1658 nach Halle ging, um dort zu studieren. 1660 ging er nach Heidelberg und im August des folgenden Jahres berief ihn der Vater wieder zu sich nach Preußen und schickte ihn nach Frankreich. Hier in Paris, der Schule für angehende Diplomaten in jener Zeit, sollte er sich das ihm hierzu noch fehlende Geschick aneignen, und besonders sich der französischen Sprache befleißigen. Als der junge von Schwerin Paris wieder verließ, traf er kurz nach dem Tode der Kurfürstin Luise in Berlin ein. 1667 wurde er Hauptmann der Grafschaft Ruppin und am 14. Januar 1668 leistete er dem Kurfürsten den Eid als Hof- und Kammergerichtsrat, und wurde als solcher den 23. desselben Monats vom Vizekanzler von Rhaden eingeführt. (Von Rhaden hatte ebenfalls Güter im Barnim erworben. Das vorher zwischen 1662-1671 in Konkurs und anschließend in Zwangsverwaltung gekommene Gut Löhme und den Ort Weesow für zusammen 6.500 Taler.) Am 2. April 1668 heiratete er das Fräulein Ermgard Marie von Quadt (deren Vater der Ort Wickradt gehörte).

 

Die Anerkennung der Stadtprivilegien 

Ein besonderer, wenn auch wieder nicht uneigennütziger Verdienst des Otto I. ist die Anerkennung der  Stadtprivilegien Werneuchens auf einer Pergamenturkunde vom 10. Oktober 1670. An ihr hängt auch das älteste Stadtsiegel aus Wachs der Civitatis Wernowichensis. (Cívitatis heißt wörtlich „Bürgerschaft“ und ist das lateinische Wort für eine halbautonome Verwaltungseinheit der mittleren Ebene und ist als Gemeinde zu übersetzen. Die Civitates bestanden stets aus einem städtischen Zentrum nebst Umland und wurden meistens nach ihrem Hauptort oder dem zugehörigen Stamm benannt.)

Mit dem Kauf ging auch der Besitz des alten Kruges (später Gasthof Schwarzer Adler) mit seinem privilegierten Schank- und Brauereirecht auf von Schwerin über. Als 1672 der „Krug“ abbrannte, ließ ihn von Schwerin mit einem Geldaufwand von 800 Talern völlig neu errichten und „ wegen der allhier fallenden starken Passage mit „bequemen Logementen“ und „weitläufiger Stallung“  ausstatten. Mit dem Pächter dem Krüger Jacob Andreas wurde nun allerdings vereinbart, „dass das frühere Eigenbrauen ganz aufzuhören habe" und alles Bier nun von seiner Besitzung aus Altlandsberg "zu holen sei".

 

Die Karriere des  Grafen von Schwerin der Jüngere

1671 wurde der junge Schwerin am 27. April zum Ritter geschlagen. Während dieser Zeit war der Krieg gegen Frankreich erklärt, und der Kurfürst befand sich mit der Armee in Halberstadt. Hier stellte sich der „Ritter Schwerin“ bei ihm vor und im Januar 1673, wurde er vom Kurfürsten zum Mitglied des Geheimen Rat ernannt, und ihm anbefohlen, den Sitzungen desselben beizuwohnen. Indessen war zwischen den kriegführenden Parteien die friedliche Stimmung die Vorherrschende geworden. Karl II. König von England, hatte den zu Gunsten Ludwigs XIV. gegen Holland begonnenen Krieg wegen Mangel an Unterstützung seines Parlaments aufgeben müssen. Frankreich, nicht vorbereitet genug, nach dem Abgange dieses Bundesgenossen allein gegen Holland und dessen Verbündeten den Krieg fortzusetzen, zeigte sich bereit, zu Cöln die Friedensbedingungen festzustellen. Da bevollmächtigte Friedrich Wilhelm den nun 28-jährigen Schwerin, diesen Verhandlungen in der Eigenschaft eines außerordentlichen Gesandten beizuwohnen. In den folgenden Jahren ab 1674 wurde er mehrmals in diplomatischen Missionen nach London geschickt, doch Anfang 1678 ersuchte Schwerin den Kurfürsten Friedrich II. um seine Abberufung von seinem politischen Amt in England um sich "ferneren nützlichen Diensten fähig zu machen" und vor allem um Gelegenheit zu bekommen von seinem in Alt Landsberg wohnenden Vater "etwas angeleitet zu werden, und durch Übertragung der ihm bei so hohem Alter und schwerer Betrübnis hart fallenden Arbeit dasjenige zugewiesen zu bekommen, um der "Landen und Nachkommenschaft nützlich werden zu können". Es dauerte seine Zeit bis der Kurfürst unterm 24. November 1678 ihm widerwillig sein Abberufungsschreiben schickte. Noch in demselben Monat, in der ungünstigsten Jahreszeit, trat er die Schiffsreise nach dem Kontinent an. Hier erfuhr Schwerin, dass Friedrich Wilhelm bereits seiner Armee nach Preußen gefolgt sei, um jenen merkwürdigen Kriegszug gegen die dort eingefallenen Schweden selbst zu leiten. Während dieser Zeit blieb Schwerin zunächst einige Wochen auf seinen Gütern im Cleveschen, und traf erst den 26. März 1679 in Berlin ein. Gleich nach der Audienz beim Kurfürsten eilte er, sich nach Alt-Landsberg zu begeben, wo eben sein Vater die dritte Heirat mit Dorothea von Flemming, verwitweten von Schlieben, vollzog.

 

Das Ende der von Schwerins

Doch nur wenige Monate erfreute sich derselbe dieses neuen häuslichen Glücks; denn bereits am 14. November 1679 starb Otto von Schwerin der Ältere im kurfürstlichen Schloss in Berlin mit dem herrlichen Gefühle, ein durchaus verdienstvolles, reiches und glückliches Leben geführt zu haben. Obwohl er sich für die Einen in schamloser Weise des Besitzes vieler alteingesessenen adligen Familien der Mittelmark gesetzt hat darf man bis auf den heutigen Tag bei Anderen und besonders den Brandenburgern den Namen von Schwerin nur nennen, um teuere Erinnerungen, es sei nun, dass sie sich an frühere oder spätere Jahre knüpfen, hervorzurufen.

Nach dem Tod seines Vaters ging die Erbkämmererwürde der Kurmark auf den Sohn Schwerin der Jüngere über. Außerdem erbte er die väterlichen Ländereien. Die folgenden Jahre verlebte Schwerin nun größtenteils auf den neu ererbten Besitztümern Alt Landsberg und Werneuchen, wobei sich in Alt Landsberg der vom Vater übernommene Hauptwohnsitz befand.

Dabei lag das Land noch in Trümmern. Einen Einblick in die Zustände gibt das Revisionsprotokoll aus dem Jahre 1678., das auch die landwirtschaftlichen Verhältnisse aufs genaueste berücksichtigt. Vielfach muss es feststellen, dass „die Äcker noch gänzlich wüste liegen, ja dass manche auch nicht mehr die geringsten Spuren einer ehemaligen Kultur tragen“.

Otto II. von Schwerin empfand dabei als besonders schmerzlich, die aus der Notlage der Bevölkerung heraus begründete Langsamkeit und Schwerfälligkeit der örtlichen Bautätigkeit und traf daher 1692 die achtungswerte Anordnung für sein Herrschaftsgebiet, dass „bei allen Bauten, namentlich nach Bränden, die jeweiligen Einwohner und Ortschaften gruppenweise zu nachbarlichen Beistand zusammenträten, sei es doch Christenpflicht und der Wille Gottes, der schon der ersten Gehilfin und jedem Menschen zwei Hände gegeben habe, dass einer dem anderen helfe, … und diese nachbarliche Hilfe werde hoffentlich ein jeder um so lieber über sich nehmen, als einem jeden unbewusst sei, wen es nach Gottes Willen am ersten treffen werde, der anderen Hilfe zu bedürfen“.

Nach seiner Anweisung hatten Werneuchen, Seefeld und Krummensee zusammenzustehen, und zwar sollten dem Anbauenden: 1.) die Nachbarn das in der Heide gefällte Holz unentgeltlich anfahren, 2.) von jeder Hufe der Ortsgemeinschaften 2 Bund Stroh unentgeltlich zugewiesen werden, 3.) die betreffenden Ortschaften die Gebäude richten helfen, 4.) jeder Wirt (Hüfner) 2 Tage, jeder Kossät 1 Tag beim Staken und Lehmen helfen. Dazu erbot sich die Herrschaft selbst die Ziegelsteine zum Schornstein zu liefern.

Bürgermeister und Ratsherren hatten zusammen die „Regierung in Werneuchen“ zu führen und die Gemeinde zu den „Dingetagen“ vor dem Kirchhofe (an der Wröhlinde) einzuberufen, damit dort die schwerinschen und kurfürstlichen Dienste und andere Nachbarschaftssachen beraten und geregelt, der Grundzins und andere Abgaben entrichtet, sowie „die anziehenden Nachbarn, Schmiede und Hirten“ nach Anmeldung beim Rat und Zustimmung des Grundherrn vereidigt werden. Ein Stimmungsbild gibt dazu eine Beschwerde des Rates 1694 an den Grafen von Schwerin, dass „nach gezogenem Glockenklang unsere Bürger– und Nachbarschaft nicht vor diesem Geschehen, gar langsam oder gar nicht erscheinen– hinfür sich besser und bald einfinden, damit wir, wenn was vorzutragen ist, mögen gehört und unser Respekt (Ansehen) mehr gelte als vorhin“.

Diese wenigen Jahre, welche sich Schwerin ungestört seiner Herrschaft, dem Familien- und Staatsleben widmen konnte, erhielten durch die, zu bedeutenden Veränderungen sich neigende politische Lage Europas bald eine andere Richtung. Friedrich Wilhelm der Große sandte Otto v. Schwerin nach Wien. In den Jahren 1696 bis 1698 stand er bei Abwesenheit des Kurfürsten Friedrich III. (1688-1713) mehrmals an der Spitze des Geheimen Rates. Am 11. September 1700 wurde er von Kaiser in den Reichsgrafenstand erhoben und seit dem 12. Juli 1701 war er Ritter des schwarzen Adlerordens.  Otto Graf von Schwerin starb am 8. Mai 1705 in Alt Landsberg.

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014