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1710, Werneuchen kommt zum kgl. Amt Alt Landsberg

Nachdem Otto von Schwerin starb, kam sein Sohn Friedrich Wilhelm von Schwerin, geheimer Staatsminister und Oberhofmeister der Königin in den Besitz. Er willigte 1708 schweren Herzens in die dringende Bitte des Königs Friedrich I. ein, ihm den Gesamtbesitz mit Altlandsberg als dem ihm lieb gewordenen Ort seiner Jugenderziehung zu verkaufen. Damit wurde 1710 die „Schwerinsche Herrschaft“ in ein königliches Amt umgewandelt. Damit endete die dritte Lehnsherrschaft Werneuchens, insofern noch bedeutend, als seit ihrem Bestehen die beiden Kirchengemeinden Werneuchen und Freudenberg, dessen Grund– und Patronatsherrschaft ebenfalls die Familie von Schwerin innehatte, bis 1838 zu einem Pfarrsprengel vereinigt waren. Die ehemalige Baronie wurde nun zu einer preußischen Staatsdomäne, die Herrschaft 1710 in ein königliches Amt umgewandelt und Werneuchen, gleich den übrigen Dörfern, seiner gestrengen Aufsicht unterstellt, das persönliche Interesse eines Grundherren gegen den Bürokratismus einer Behörde eintauschend.

Werneuchen bot einen wechselhaften Anblick. Obwohl aus Lehm– und Fachwerk errichtete und mit Stroh gedeckte Ackerbürgerhäuser den allgemeinen Ortcharakter bestimmten, hatte Schwerin der Ältere den an exponierter Ortslage befindlichen Gasthof „Schwarzer Adler“ im Jahre 1672 für 800 Taler großzügig und mit komfortablen Nebengebäuden versehen, nach einem Brand wieder aufgebaut. Darauf entwickelte sich der gegenüber der Poststation der Petijean s liegende "Schwarze Adler" ebenfalls zu einer wichtigen Station für Reisende. Umso mehr die Krug- und Schankprivilegien des Gasthofes dem von Schwerin reiche Einnahmen bescherten, umso weniger profitierten die anderen Höfe der Stadt davon, denen Gastwirtschaft generell untersagt waren.

Unter der Zeit des Bürgermeister Johann Brederecke seit 1712 im Amt werden nun einige Projekte in Angriff genommen. Umso mehr sich Schwerin der Ältere auch lobenswert für den Kirchenbau in Alt Landsberg engagiert hatte, um so mehr war das, zuletzt unter den von Krummensee 1651 neu errichtete Kircheschiff mit älteren Chorraum und dem hölzernen Glockenturm vernachlässigt und inzwischen baufällig geworden. Obwohl es an Geld fehlte wurde nun 1712 ein Neubau des hölzernen Glockenturms in Angriff genommen. 1717 wird ein Taufengel (eine als Taufstein dienende an einem Seil hängende Engelsfigur, ein Taufbecken darbietend) zugelegt. 1739 wird der hölzerne Glockenturm durch einen steinernen Turm ersetzt. Im selben Jahr werden die Fenster vergrößert, in Mannshöhe vier Rundfenster ausgebrochen und eine Doppelempore von der Kanzel bis zur Turmtür eingefügt. Erst damit war der Kirchenbau zu gewissen Abschluss gekommen, aber auch ein Gotteshaus erstanden, von dem man seinerzeit erkannte, dass „wenig Kirchen ihresgleichen im Umkreis sind“. (Eine alte Glocke von 1330 wurde noch 1745/47 umgegossen und 1942 beschlagnahmt).

Nach dem Tod von Schwerin stritten die Bürger von Werneuchen nun immer heftiger mit dem Amt Alt Landsberg um die Lockerung der Schwerinschen Krugsprivilegien aus dem Jahre 1671. Einen ersten Erfolg hat die Werneuchner Bürgerschaft aber erst 1715 als das Amt Alt Landsberg erklärt: „dass die Bürger in Werneuchen Reisende wohl aufnehmen und bewirten dürften, das Bier dazu aber unbedingt aus dem Amtskrug zu holen ist". Dagegen können „Kindelbier, Hochzeitsbier und Begräbnisbier auch von anderswo geholt werden“.

 

 

 

 

 

 

 

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014