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Scherbenfunde in der Altstadt Werneuchen von 1772

Bei Grabungsarbeiten in der Altstadt wurden 1998 haufenweise Glasscherben gefunden. Dies ist nicht verwunderlich. War doch mal jedes fünfte Haus in Werneuchen eine Kneipe und wurden doch  früher gern Abfälle am Hofrand und in Löchern und Senken verkippt.

Doch etwas, was viele nicht wissen.

Der nördliche Barnim ist ein jahrhundertealtes Glasland. Glasflaschen, gemacht aus Quarzsand, Pottasche und Schwarzsalz. Mit primitiven und einfachen Werkzeugen und Hilfsmitteln arbeiteten die „Glasmacher" bei höllischer Glut an den Brennöfen. Zum Erreichen der Schmelztemperaturen waren damals enorme Mengen an Brennholz notwendig. Die Schorfheide bot aufgrund ihres immensen Baumbestandes gute Bedingungen für die Errichtung von Glashütten. So folgte dann auch ein radikaler Kahlschlag in der Wäldern. Allein zwischen 1575 und 1792 gab es im Barnim  neun Glasbrennereien. Man brauchte feinen Sand in sehr guter Qualität, fürs Glas und in ausreichender  Menge. Dies war hier nebst Holz an Brennmaterial in den Endmoränengebieten reichlich vorhanden.

Per handschriftlichen Erlass des Königs war auf allen Bouteillen, wie die Flaschen seinerzeit genannt wurden mit genau 1,17 Litern die Jahreszahl und die Herstellerhütte aufzudrucken. Diese "Siegelmarken" galten fortan als Qualitäts- und Gütesiegel gegen die Einführung fremder Produkte. Die Flaschen waren also damals gestempelt. Zum anderen wurden die Glasmarken auch mit einer Nummer der jeweiligen Glasbläsers für die nachfolgende "Lohnabrechnung" versehen.

Denn die Glasöfen hatten damals 6 Öffnungen und ein Glasbläserteam bestand aus 3 bis 4 Mann.

Genau diese Glasmarken geben uns heute Auskunft über das Alter der Flaschenscherben und zeugen von der jahrhunderten alten Geschichte der Glasbrennerei in unserem Lande.

Besuchen sie doch mal das Museum:

Die Glasmarkenfunde der Altstadt geben uns heute also Auskunft über die Trinkgewohnheiten unser Schmiedickes.

1.       NO ? NEU GRIMNITZ 1772

Ein Glasofen hatte damals 6 Öffnungen. Jedes Arbeitsteam bestand aus etwa 3 Mann. Diese bliesen das Glas zu Flaschen aus.

Bezahlt wurde nach Anzahl der sauber und heil aus dem Kühlofen heraus gebrachten Flaschen. Gekennzeichnet wurde für die spätere Entlohnung.

In Gimmnitz arbeiteten sogar 18 Glasmacher, das heißt es wurde sorgar in drei schichten gearbeitet.

 

2.       Bo4 ANNENwALDe  1. schicht, zwischen templin und lychen

In Annenwalde gibt es heute übrigens wieder eine Schauglashütte.

3.       1800 ??NE  ?ALT    O

4.       ¾ BERLIN QUART  (mit geprägtem Drache mit 2 Schwertern in den krallen)

 

5.       ein großes „S“ mit einer Königskrone darüber, apothekenflaschen, gibt es von a bis z mit allen Buchstaben und mit einer Krone. Die Buchstaben sind die Kennzeichnung für Apothekengefäße, die Krone steht für kgl. Priviligiert.

(gräfliche Kronen kennzeichnen übrigens Privathütten. Diese haben auf eigene Rechnung gearbeitet)

6.       neu GLOBSOU  No12  1801 beim stechlinsee

  7.       ein großes „A“ wieder mit einer Königskrone darüber

8.       KRALER GR?NTHAL (in der Mitte eine Wappen mit 2 Schwertern gekreuzt von einem dritten Schwert)

Diese Flasche enthielt bayrisches Lagerbier, gebraut in der Mark Brandenburg. Also kein Weißbier, welches nach Art der Berliner Weiße verbreitet war, sondern Gerstenbier. Dieses bayrische Bier musste ablagern.

 

Frau Karin Friese aus Eberswalde gehört zum Vorstand des Museums. Sie hat bereits ein Buch veröffentlicht: Glashütten in Brandenburg.

 

(Bemerkung: ab 1820 geht nicht mehr hütte bürge für qualität, sondern befüller

markierung war qualitätssiegfel das 34 quart druin sind, nie beschwerden über zu große flaschen)

 

Grimnitzer Glasstube

Dorfstraße 3

16247 Neugrimnitz

Tel: 033361-70815

geöffnet: Sa und So von 11.00 Uhr bis 17:00 Uhr

 

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014