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Der Niedergang  Preußens  und die Franzosenzeit

1800, Die Wende zum 19. Jahrhundert

DDer Ausgang des 18. Jh. war unter Friedrich des Großen, Nachfolger König Friedrich Wilhelm II. (1786-1797) für die Mark Brandenburg und Werneuchen im Gegensatz zu Frankreich, wo die unbeschränkte Herrschergewalt des Königs zu Misswirtschaft und Willkür und schließlich 1789 zur Revolution führte eine geruhsame Zeit, aus der nichts sonderliches zu berichten ist.

Werneuchen hatte mit sich selbst zu tun und die Büdner beschwerten sich 1801 nach Pfarrgehöftsausbesserungen bei ihrem Bürgermeister, dass sie zu Geldbeträgen, statt zu den ihnen üblichen Handdiensten herangezogen worden seien.

Bald schon  aber zogen größere Wolken am Himmel auf, entbrannte aufs Neue die Kriegsfackel, wehten die Kriegsstürme vom Süden des Mittelmeeres (Ägypten) bis zur Nordsee (England), von der Küste des Atlantischen Ozeans (Frankreich) bis tief nach Russland hinein. Und wieder bekam auch die Mark Brandenburg, der Barnim und Werneuchen persönlich den Krieg zu spüren. Napoleon Bonaparte, auf der Insel Korsika gebürtig, Artillerieoffizier, bald Armeeführer, 1799 erster Konsul der Republik und 1804 Kaiser der Franzosen, zeigte sich als Feldherr und Staatsmann allen Gegnern überlegen. Bisherige Fürstentümer wurden mit einem Federstrich von der Landkarte getilgt und neue Staatengebilde geschaffen. Im August 1806 legte Kaiser Franz die deutsche Kaiserkrone nieder und das damalige deutsche Reich, das so genannte „Heilige römische Reich deutscher Nation“ hatte damit zu bestehen aufgehört. Zwei Monate später Mitte Oktober 1806, nach kaum ausgesprochener Kriegserklärung, wurde Preußen bei Jena und Auerstädt vernichtend geschlagen. Ein dreiviertel Jahr währte noch der Kampf, dann musste im Frieden zu Tilsit (Juli 1807) Friedrich Wilhelm III. (1797-1840) sich allen Forderungen Napoleon unterwerfen.

Es war gewiss für die Werneuchner Bevölkerung ein schmerzliches Erwachen von ihren Träumen, als unerwartet Ende Oktober 1806 die allbeliebte Königin Luise hier flüchtend eintraf. Es blieb daher eine unauslöschliche Ortserinnerung, dass sie in der Linden-Naturlaube Altstadt– Mühlenstraße rastete, während die Pferde für ihre Weiterfahrt nach Königsberg (Preußen) gewechselt wurden und dann eine bittere Überraschung über die andere kam.  

Die Franzosenzeit

Am 25. Oktober 1806 hatten französische Truppen Berlin besetzt und zwei Tage später zog Napoleon ein. Bald darauf gab er der Stadt durch das gewählte 'Comiti administrativ' eine Art Selbstverwaltung wieder. Auf seine Anordnung hin wurde eine Bürgergarde ins Leben gerufen, die 2.000 Mann stark war, den Auftrag hatte, Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten und sogar das Recht, französische Soldaten zu verhaften, wenn sie sich ungebührlich aufgeführt hatten. Junge Leute aus den besten Familien drängten sich zur Bürgergarde und paradierten in den prächtigsten Uniformen aus blaurotem und hellgrünem Tuch. Die Gefühle der Bevölkerung waren geteilt, welche sie den Franzosen entgegenbrachte. Doch freuten sich die meisten Berliner über die Niederlage der anmaßenden Junker. Auch atmeten die Bürger auf, weil da keine racheschnaubenden Plünderer gekommen waren, sondern wohlgeordnete, muntere Soldaten, die man durch Französischreden für sich einnehmen konnte. Die Sympathien nahmen erst ab, als die Bedrückung durch die Fremdherrschaft deutlich spürbar wurde, Handel und Wandel erlahmten und selbst bisher gutgestellte Familien verarmten.

Werneuchen muss Kontributionen zahlen

Im Jahre 1807 besetzte das 1. französische Armeekorps die Mark Brandenburg. Ob nun Anfangs die Truppen nur durchmarschierten oder später Standquartier nahmen, überall bot sich das gleiche Bild: die für Mann und Pferd benötigten Lebensmittel wurden der Bevölkerung genommen. Als Brennholz zum kochen und Wärme dienten nicht nur alle greifbaren Vorräte, sondern auch die Garten– und Hofzäune, selbst Schuppen und Stallgebäude wurden nach zeitgenössischen Berichten dazu abgebrochen. Wagen  und Pferde wurden zum Weitertransport auf Nimmerwiedersehen beschlagnahmt und die im späteren Verlauf auferlegten Naturalabgaben und Kriegssteuern zwangen Dörfer und Städte zu Boden. Das an der Verkehrsstraße nach Berlin legende Werneuchen hatte an stetigem Wechsel von Durchmärschen und Einquartierungen, an dauernden Requirierungen  von Getreide und Vieh, an fortwährender Verpflichtung zu verschiedensten Dienstleistungen, schließlich an der Aufbringung gewaltiger Kontributionen unsäglich zu leiden. Von dem damaligen Pastor F.W.A. Schmidt hören wir, dass noch 1809 gerade beim Tode seiner (ersten) Frau am 1. November „feindliche Horden in der Pfarre gehaust“ hätten, bei der Sterbeeintragung eines nur 12 Tage alt gewordenen Kindes am 12. Oktober 1808 vermerkt er schamhaft in lateinischer Sprache „pater dicitur fuisse Franco-Callus guidam miles tuni temporis in oppi into nostro degens vitam“ (der Vater soll ein französischer Soldat … gewesen sein)(KB15).

Bereits zum ersten Kontributionsausschreiben für Lieferungen an die französische Armee 1806 wurde Werneuchen vom Kreis Oberbarnim mit 683 Thl. 6 sgr. 3 dn. veranlagt, konnte aber nur 568 Thl. 18. sgr. und 10 dn. aufbringen und musste den Rest noch  1817 nachzahlen. Inzwischen ergingen jedoch schon weitere Zahlungsaufforderungen von 170 Thl. 19 sgr. 4 dn Zur Ablösung von Remontepferden für die kaiserliche Administration, von 76 Thl. 3 sgr. 6 dn. Am 1. Februar 1807, zahlbar am 9. Februar, zu Kontributionszwecken, von 37 Thl. 7 sgr. Am 20. Juli 1808, zahlbar sofort, abermals zur Lieferung von Remonten, von 97 Thl. 20 sgr.., zahlbar binnen 3 Tagen, als Küstrin`sche Festungsgelder.

Krankheiten und Seuche brechen aus

Krankheiten und Seuchen waren da unausbleiblich, teils eingeschleppt, teils durch die Entbehrungen hervorgerufen, allgemeine Hungersnot trat Frühjahr 1808 ein und die Sterblichkeit schnellte in Werneuchen auf das Doppelte der sonstigen Jahre, von durchschnittlich 15 auf 33 hoch, die Ruhr forderte 1808: 10 Opfer, der Typus: 7 Opfer. Dazu griffen die Pocken um sich und 6 Kinder starben in Werneuchen 1809 daran, weil die damals schon eingeführte Impfung versäumt war. Pastor Schmidt kann sich des Urteils bei der Sterbeeintragung eines 9-jährigen Mädchens nicht erwehren „ pudeat omnino parentes saluti liberorum tam negligenter consulisse“ ( die Eltern sollten sich schämen, so nachlässig für die Gesundheit ihrer Kinder gesorgt zu haben). Indes war die Wendung nicht fern: Preussen gesundete allmählich; die Stein-Hardenberg`schen Refornmen, Aufhebung der Erbuntertänigkeit der bauern, Städteordnung, Gewerbefreiheit, gaben neuen Auftrieb; durch das „Krümpersystem“ wurden mehr waffenfähige Mannschaften ausgebildet, als der Tilsiter Frieden vorsah, der Geist der Zeit wandelte sich zu neuem Nationalgefühl und Pflichtbegriff. Andererseits überspannte Napoleon auf der Höhe seiner Macht den Bogen. Er nahm, seine Armee durch Hilfskräfte aller deutschen Gaue und anderer Länder verstärkend, 1812 den Kampf mit Russland auf, drang Bis Moskau vor, musste aber dann im Oktober den Rückzug antreten und Preußen, Russland, Österreich, schließlich auch England vereinigten sich zu gemeinsamer Niederwerfung Napoleons, 1814-14 zum Deutschen Befreiungskrieg, nach Napoleons Wiederkehr 1815 zu dessen Endbezwingung und Verbannung auf die Insel St. Helena. Werneuchen selbst wurde abermals Zeuge der geschichtlichen Ereignisse und musste die Kriegssorgen aufs Neue teilen

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014