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1813, Befreiung von den Franzosen

Anfang 1813 fluteten die französischen Truppen unter Napoleon nachdem sie in Russland geschlagen worden waren, aufgerieben nach Preußen über die Oder zurück. Leichte Reiter der Russen unter Tschernitscheff, Tettenborn und Dörnberg folgten ihnen auf den Fuß und kamen schon im Januar an die Oder. In den ersten Tagen des Februars erreichten dann auch Kosakenschwärme die Grenzen der Neumark. Noch immer wären die Franzosen stark genug gewesen sich auf Küstrin und Stettin zu stützen, die untere Oder gegen diese Reitertruppen zu behaupten, aber die hatten inmitten einer Bevölkerung, deren Hass sich mit jedem Tage unverholener kundgab, ihr altes Selbstvertrauen verloren. Sie räumten erst die Oder dann die Spree. Die russischen Streifcorps überschritten die Oder und näherten sich über Werneuchen, Alt Landsberg und Bernau der preußischen Hauptstadt Berlin. In den Reihen des nachrückenden russischen Heeres kämpften dabei viele preußische Freiheitskämpfer mit. Unter ihnen der Offizier Otto von Arnim. Die ganze Situation wird uns zeitgenössisch geschildert:

Am 16. Februar, Morgens 6 Uhr erschien Major v. Benkendorf mit etwa 200 Kosaken vor Wriezen und lieferte sich ein Scharmützel mit dem in Wriezen Quartier nehmenden 450 Mann starken Bataillon Westphalen. Dabei wurde eine Anzahl Gefangener gemacht, die nach Zellin gebracht wurden, wo eine stärkere Abteilung Russen stand. Am späten Nachmittag, einigen Stunden der Ruhe brach Major von Benkendorf wieder auf und zog am 17. Februar in Werneuchen ein. 

Am 17. Februar waren zunächst Kosaken, dann französische Truppen unter General Poincot in Werneuchen eingetroffen; letztere hielten den Ort einige Tage besetzt, auch die Pfarrwohnung war, wie Pastor Schmidt schreibt, wieder „ein Tummelplatz der Soldaten“,

Die Kosaken quartierten über Nacht in Seefeld in der dortigen Pfarre und mit ihnen der preußische Leutnant, jetzt kaiserlich russische Offizier Otto von Arnim (* 16. September 1787 in Succow/Uckermark).

Am 18. Februar, tags darauf, fand morgens um 4 Uhr unweit Blumberg zwischen würtembergischen Dragonern (in französischen Diensten) und diesen Kosaken ein Patrouillengefecht statt, und Otto von Arnim fiel dabei als erster Offizier im deutschen Befreiungskrieg. Andere zeitgenössische Quellen berichten: Hinter Werneuchen traf Arnim auf ein aus Berlin abgesandtes starkes französisches Detachement unter dem General Poinsot mit 2 Bataillonen und einer Schwadron Würzburger. Dabei kam es zu einem lebhaften Gefecht bei dem Otto von Arnim fiel.

Darüber erhalten wir weiter Mitteilung: „Die Russen waren im Anfange des Jahres 1813 schon bis in die Neu-Mark vorgedrungen und in der letzten Hälfte des Februars streiften sie schon über die Oder. Der Herr von Arnim ging mit leichten Truppen ebenfalls herüber. Bei Werneuchen stößt das Detachement, bei dem er sich befindet, auf einem starken Trupp Würzburger. Es fallen Schüsse und ohne dass sonst jemand getroffen wird, stürzt davon Herr von Arnim vom Pferde, und nach einigen Augenblicken ist er verschieden“.

Der Leichnam wird zurückgelassen und die Truppen von Major v. Benkendorf zogen sich über Werneuchen nach Hirschfelde zurück und Werneuchen wurde wieder von den Franzosen besetzt. Auch diese Situation wird  zeitgenössisch geschildert: "Im Raum Blumberg, Seefeld und Werneuchen kam es auch nach dem Tod des Otto von Arnim wiederholt zu kleineren Scharmützeln mit den nachrückenden in russischen Diensten stehenden Truppen. Hin und her tobte in diesen Tagen der Kampf. Mancher Ort wechselte innerhalb von Stunden die Besatzung. Bereits am 17. Februar 1813 waren Russen in Werneuchen eingezogen. Aber am selben Tag zog auch der französische General Poincot mit seinen Truppen wieder in Werneuchen ein und behielt den Ort wieder für ein paar Tage" .

Während dessen hatte sich Oberst von Tettenborn bereits am Morgen des 17ten zu Verstärkung Benkendorf`s mit 600 bis 700 Kosaken auf den Weg nach Wriezen gemacht. Dort hielt er sich einige Stunden auf und gelangte noch am Abend nach Hirschfelde, wo er sich mit Benkendorf vereinigte.

Am 18. Februar beschäftigte nun Oberst v. Tettenborn weiter, von Hirschfelde aus, den Feind bei Werneuchen und ließ bis Bernau und Alt-Landsberg streifen. Dort fanden die Kosaken 80 preußische Rekruten, denen man später Gewehre gegeben hatte und sie aufgefordert hat, mit ihnen zu ziehen.

Wo die Kosaken auf französische Flüchtlinge stießen, wurde erbarmungslos auf die völlig Verwahrlosten eingeschlagen, wo sich Truppen der französischen Besatzungsarmee stellten, wurde in verwegenen Scharmützeln gekämpft und die Bevölkerung der heimgesuchten Ortschaften stand die Schrecken und Leiden der Kriegsführung, der Begegnung von Freund und Feind, der Belegungen und Drangsalierungen aus. Am 18. Februar 1813 wurde in Werneuchen, wie das Taufregister meldet, ein Kind „unter dem Donner der Kanonen, unter großer Angst der Mutter geboren, da die Franzosen mit den russischen Kosaken auf unserer Feldmark scharmutzierten“.

Der Pfarrer Gähde in Alt-Landsberg schreibt in seiner Stadtgeschichte vom Jahre 1857 über diese Tage: „Am 18. Februar 1813 um 10 Uhr früh, zeigten sich hier die ersten Kosaken, etwa 20 Mann stark, unter Führung eines Offiziers. Sie lagerten sich auf der Amtsfreiheit". Der Oberprediger Neumann schrieb als Zeitgenosse jener Ereignisse: „Die Freude der Einwohner war ohne Grenzen und alles strömte zum Thore hinaus, um diese mutvollen Retter zu sehen. Aber lustig war es anzuschauen, wie die französische Einquartierung, welche zur selbigen Zeit in der Stadt war, auf die Nachricht von der Erscheinung der Kosaken zum entgegen gesetzten, dem Berliner Thore, Reißaus nahm, während die Kosaken auf ihren kleinen schnellfüßigen Pferden die Straßen der Stadt durchjagten. Sie blieben indessen vor dem Amtsthore bis Mittag und wurden von dem Oberamtmann Baath mit Butterbrot und Branntwein hinlänglich bewirtet".

Währenddessen ging General Tschernitscheff am 18ten bei Zelllin mit starken Kräften noch über die zugefrorene Oder. Er hatte 2.000 Pferde, darunter ein Dragoner- und ein Husarenregiment, nebst einigen Kanonen bei sich, und blieb die Nacht in Cunnersdorf bei Wriezen und nächstgelegenen Dörfern.

Das Vordringen der Russen hatte die Folge, dass am 17ten und 18ten, besonders aus Berlin, viele höhere Offiziere und Beamte eiligst nach Leipzig abreisten und überhupt große Besorgnis in der Stadt herrschte.

Am 19. Februar blieb Oberst von Tettenborn noch mit seinen Hauptkräften in Hirschfelde während er kleinere Truppenteile südlich nach Alt- Landsberg und Dahlwitz schob. General Tschernitscheff rückte nun von Wriezen nach Strausberg und Gegend, sein Quartier in Closterdorf nehmend, vor.

Am 20. Februar vereinigte sich General Tschernitscheff mit dem Obersten von Tettenborn, und ging von Alt-Landsberg weiter gegen Berlin vor, während ein kleines Detachement Kosaken den General Poinsot in Werneuchen beobachten und festhalten musste.

An diesem Tag wird Otto von Arnim in Werneuchen beerdigt. Wie das Werneuchner Kirchenbuch berichtet, wurde „der als russisch–kaiserliche Offizier der Kosaken bezeichnete Offizier wurde nackt, entkleidet hierher nach Werneuchen gebracht und zwei Tage nach seinem Versterben auf dem Friedhof am 20. Februar 1813 beerdigt“ (KB23). Dichterpastor Schmidt von Werneuchen, ließ ihn, mit einem seiner Hemden bekleidet, vor der Kirche in Werneuchen ins Grab legen und hielt ihm die Grabrede.

Der Kommandeur des Otto von Arnim, der Oberst von Tettenborn schrieb wenige Tage später an den Freiherrn vom Stein: „Sehr bedaure ich, dass Herr von Arnim gefallen ist. Ich war mit ihm sehr zufrieden. Er starb den Heldentod".

In einer zeitgenössischen uckermärkischen Kirchenchronik heißt es über Otto von Arnim: „Herr August Otto Alexander von Arnim, Sohn des Herrn Kammerherrn Georg von Arnim, 1887, geboren den 16. November, trat, nachdem er im Ritter-Collegio zu Brandenburg gewesen, 1803 in Kriegsdienste und war 1806 als Cornet im Anspachschen Husaren Corps von Bila, mit welchem er in französische Kriegsgefangenschaft bei Anklam fiel. Er ging darauf mit königlicher Erlaubnis im Jahre 1808 in Österreichische Dienste und wurde Leutnant beim Ulanen Regiment Fürst Schwarzenberg. In dem 1812 zwischen Frankreich und Russland ausgebrochenen Kriege verließ er den Österreichischen Dienst und trat in Russische“.

Am 20. Februar drangen die Kosaken weiter über Weißensee auf Berlin vor, überraschten die Berliner französische Besatzung, und hierbei fiel am Königstor der ebenfalls in russischen Diensten stehende preußische Offizier Alexander Freiherr von Blomberg. Eine Gedenktafel in der Nähe des Märchenbrunnens bezeichnet ihn als „erstes Opfer im deutschen Befreiungskampf“. Das Denkmal mit der Tafel wurde von einem Verein aus dem Geburtsort Blombergs im Jahr 1913 gestiftet. (Das tatsächlich erste Zeugnis dieser mit Blut besiegelten preußisch-russischen Waffenbrüderschaft bleibt aber der 1913 errichtete Werneuchner Gedenkstein für Otto von Arnim.)

Am 11. März machten die Berlinischen Zeitungen bekannt, dass sich General Poinsot, aus Werneuchen kommend, am Abend des 10ten März mit einem Detachement von 1.500 Mann französischer Infanterie nach Köpenick. Geworfen hat.

Am 13. März traf das 1. Bataillon des 1. preußischen Infanterieregimentes in Werneuchen ein.

Am 14. März gingen sie weiter nach Seefeld.

Am 15. März trafen das 2. Bataillon und die Füsiliere des selben Regiments in Werneuchen ein. Die Füsiliere gingen dann ebenfalls weiter nach Seefeld, wo die Freude über das Wiedersehen mit den Kameraden des 1. Bat. groß gewesen sein dürfte.

Am 17. März trafen dann die beiden Bataillone in Berlin ein und hielten einen feierlichen Einzug.

Am 30. März traf das 3. Bataillon des 4. Ostpreußischen Infanterieregimentes unter Major von Gagern aus Nieder- Finow, Falkenberg kommend mit 832 Mann und 35 Pferden in Werneuchen und Seefeld ein.

Mittlerweile erschienen in Werneuchen auch Heimkehrer der in Russland geschlagenen Armee Napoleons. Mehrere fanden die letzte Ruhe auf dem Kirchhof: Bereits am 18. März „ein französischer Soldat und Kriegsgefangener, auf dem Transport in das Lazarett zu Berlin hier in der Kirche unter mehreren elenden Kranken gestorben, sein Name und Alter unbekannt, Nervenfieber (Typus)“, dann am 17. November ein Würtembergischer und am 18. November ein Sächsischer, aus der Gefangenschaft zurückkehrender Soldat, „beide 19 oder 20 Jahre alt an Entkräftung gestorben“. „Ein 30-jähriger Desateur, der sich hier auf der Durchreise befand ist am 26. August bettlägerich geworden und am 28. verschieden (KB S32).

Die Zahl der Werneuchner Mitkämpfer an den Freiheitskriegen lässt sich nicht mehr feststellen. Gefallen sind 4 Werneuchener (von rd. 400 Einwohnern = 1 v. H.): Grenadier Friedrich Wilhelm Beator, Füsilier Friedrich Samuel Beutner, Grenadier Johann Schultze und Füsilier Ludwig Thiele. Über Beutner liegen noch die genaueren Angaben vor, dass er „als preußischer Soldat im 18. Linien Infanterie-Regiment und angehender Büdner hier, 30 Jahre alt unter

Hinterlassung der Witwe und zweier minderjährigen Kinder am 18. Juni 1815 in der Schlacht bei la Belle- Alliance vor dem Feinde bei seinem Regiment geblieben ist“ (KB S34).

Bis zum Jahre 1913 fasste ein Holzgitter die letzte Ruhestätte Otto von Arnim vor der Stadtkirche Werneuchen ein. Anlässlich der Jahrhundertfeier 1913 zum Beginn des Befreiungskrieges gegen die Französische Besatzung wurde das Denkmal aus einem mächtigen aufrecht stehenden Findling umgeben von einer Gruppe auch mächtiger Granitsteine, die aus seinem Heimatort Sukow in der Uckermark stammen unter Mitwirkung des hiesigen Bildhauers Karl Christian Fürstenberg errichtet und am 15. Juni 1913 am Grabe des Kosakenleutnants Otto von Arnim neben der Kirche eingeweiht. Auf einer an dem Granitblock angebrachten Tafel stand: Otto von Arnim, 1. Gef. Preuss. Offizier, 18.2.1813. Es war von der Familie von Arnim und dem Verschönerungsverein Werneuchen gestiftet worden.

 

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014