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1817, Kriegsleistungen und Bürgermeistersorgen

Von 1813 bis 1814 betrugen die Kriegsleistungen Werneuchens für das königlich preussische Magazin an Geld 1.316 Thaler, 9 Silbergroschen, an Naturalien 508 Thaler, 13 Sgr., 6 dn. Der Bürgermeister Held soll 1816 in öffentlicher Sitzung die Gesamtkontributionen auf über 80.000 Thaler veranschlagt haben, eine Summe, die bei dem damaligen Geldeswert doch wohl reichlich hoch gegriffen erscheint. Tatsache ist, daß noch Jahre lang die Schulden auf der Bürgerschaft lasteten und die Tilgung sich hinzog. Auch wurde die Neuentfaltung schwer gehemmt durch zwei große Feuersbrünste. (Am 24. Februar 1816, 9¾ Uhr abends wurden 17 Gebäude, einen großer Teil des Pfarrgehöftes, die Kirchenscheune, die Schmiede, der Gasthof Richter, 1 Hüfnergut und 4 Büdnerstellen vernichtet. Am 20. August 1817 wütete ein Brand der 6 Gehöfte einäscherte.)

So verblieb auch die Einwohnerzahl ziemlich gleichlaufend.

In diesen Zeiten brachte das Amt des Bürgermeisters gewiss mehr Sorgen als Genuss, mehr schlaflose Nächte als geruhsame Stunden, und es war wohl berechtigt, dass er seit 1795 eine feststehende Vergütung, auf jede abfuhrbelastete Hufe jährlich 12 Sgr. Zusammen ein Jahresgehalt von 50 Thalern 12 Sgr. Bezog. Aber das Amt wurde dadurch auch zum „Posten“ , um den sich im weiteren Verlauf weniger Einheimische der Ehre wegen als Nichtbodenständige des Einkommens wegen bemühten und die fernere Entwicklung zeigte viel unerfreuliche Erscheinungen. Werneuchen büßte im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts einen beträchtlichen Teil seiner städtischen Gerechtsame ein, ging der Jahrmärkte verlustig, sank mehr und mehr zum Dorf herab, ja der Bürgermeister Friedrich Gottlieb Held, der sonst in den Kriegsjahren sich um die Stadt recht verdient gemacht hat, brachte es fertig, sich selbst nur „Ortsvorsteher“ zu nennen. Die Uneinigkeit und Streitigkeiten der Einwohnergruppen häuften sich, die Bürgermeister waren ihnen gegenüber machtlos, oft sogar selbst Angriffen, schwerwiegenden Verdächtigungen und vielleicht manchmal nicht unbegründeten Anschuldigungen ausgesetzt, zum mindesten ihrer Stellung und ihrer Aufgaben nicht vollauf gewachsen und legten meist freiwillig, des Ärgers und der Misshelligkeiten überdrüssig, ihr Amt vorzeitig nieder.

1819 erklärte bei Erneuerung der Kirchhofsmauer dagegen, dass sie den Ackerbürgern nicht die Arbeitsleute ersetzen wollten. 1821 weigerten sie sich bei Schulgebäudereparaturen sogar richten zu helfen. Die beiden zu Wohlstand gelangten „Etablissement-Besitzer“ Petijean und Richter schlossen sich den Büdnern in ihren Klagen an, da sie weder zu den Büdnern noch zu den Gärtnern gehörten und wollten von allen öffentlichen Leistungen, Geldbeträgen und Handreichungen zu Kirchen– und Schulbauten, Dammsetzen, Boten– und Reisediensten, selbst Einquartierungen befreit sein. Auch die Gärtner, die sonst mit der Lastenverteilung mit den Ackerbürgern gut ausgekommen waren, erhoben 1826 Einspruch, dass ihnen über ihre Kräfte Reisen in Gemeinde– und Polizeisachen zugemutet würden, während die Hüfner und Büdner davon unbehelligt blieben. Um diesen ständigen Kämpfen vorzubeugen, beantragte schließlich Bürgermeister Lorenz bei der Behörde die Einführung von Kommunalsteuern, dann dankte auch er nach Jahre währenden Verhandlungen verzweifelnd ab.

Dabei wurde Werneuchen in jenen Jahren eine besondere Entwicklungsmöglichkeit geboten. Seine Lage an der Hauptstraße nach Berlin, hatte sich zwar stets in Kriegsverläufen als verhängnisvoll erwiesen, wirkte sich aber  in Friedenszeiten recht bedeutungsvoll aus.

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014