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Die märkischen Erbhöfe

Die Bauernhöfe unserer Region bestanden seit ihrer Gründung, doch spätestens von Beginn des 18 Jahrhunderts an, meist aus Gefügen von Wohnhaus, Stall, Scheune, Gartenland und überwiegend außerhalb der Stadtgrenzen gelegenen Wald- und Ackerflächen. Die Bauernhöfe der Region waren somit selbst- bzw. eigenständige Wirtschaftsgefüge. Um die Zersplitterung und Aufteilung solcher funktionierenen Wirtschaftseinheiten zu vermeiden, wurden traditionell die märkischen Höfe in der Erbfolge nur an den jüngsten Sohn des Bauern vererbt.
Diese altergebrachten Sitten wurden mit Gesetz vom 29. September 1933 erneut als unveräußerliches, unbelastbares und unteilbar auf den Anerben übergehendes land- und forstwirtschaftlicher Besitz eines Bauern, definiert. Um diese deutschen Erbsitten zu sichern und zu erhalten, wurden mit diesem Gesetz zusätzlich auch noch etwa 35 % weiterer land- und forstwirtschaftlich genutzter Besitzungen im Deutschen Reich zu Erbhöfen erklärt.
Ein Erbhof durfte jetzt nicht kleiner als 7,5 und nicht größer als 125 Hektar sein. Die Größe von 7,5 Hektar (ein Hektar sind 10000 Quadratmeter) – entsprach laut diesem Gesetz einer "Ackernahrung", das war "... diejenige Menge Landes ..., welche notwendig ist, um eine Familie unabhängig vom Markt und der allgemeinen Wirtschaftslage zu ernähren und zu bekleiden sowie den Wirtschaftsablauf des Erbhofes zu erhalten ..." Zum Erbhof konnte nur Grundeigentum erklärt werden, das sich im Alleineigentum einer "... bauernfähigen Person ...") befand; die Befähigung war im Gesetz erklärt: "... Er muss fähig sein, den Hof ordnungsgemäß zu bewirtschaften. mangelnde Altersreife allein bildet keinen Hinderungsgrund ..." Der Eigentümer eines Erbhofes heißt Bauer: "... Nur der Eigentümer eines Erbhofes heißt Bauer. der Eigentümer anderer land- oder forstwirtschaftlich genutzten Grundeigentums heißt Landwirt ..."
Im Paragraph 13 bestimmte das unter Einfluss der Nationalsozialisten erlassene Gesetz von 1933 auch dass: "... Bauer kann nur sein, wer deutschen oder stammesgleichen Blutes ist. Deutschen oder stammesgleichen Blutes ist nicht, wer unter seinen Vorfahren väterlicher- oder mütterlicherseits jüdisches oder farbiges Blut hat ..." Stichtag für den geforderten Nachweis der Vorfahren war der 1. Januar 1800.
Die wirtschaftlichen Bestimmungen des Reichserbhofgesetzes brachten für die betroffenen Bauern nicht nur Vorteile: Der Erbhof musste ungeteilt auf den Anerben, im allgemeinen einen Sohn des Bauern übergehen; der Erbhof war unveräußerlich und unbelastbar: das heißt, der Erbhof durfte nicht verkauft und nicht verschuldet werden.
"Zur Erhaltung der bäuerlichen Lebensordnung" wurden "Bauerngerichte" gebildet, in denen neben den Richtern mit "gleicher Richtermacht" ausgestattete Bauern saßen. Sie hatten über alle den Erbhof und seine Sippe" - das bedeutet in diesem Fall Familie - betreffenden Belange zu entscheiden.
Zusammen mit dem Gesetz über den Reichsnährstand war das Reichserbhofgesetz wichtigster Inhalt der nationalsozialistischen Landwirtschaftspolitik.
Für unsere moderne Gesellschaft ist die hiesige jahrhunderte alte Praxis kaum noch nach zu vollziehen. So werden heute mehr und mehr alte große Bauernhöfe zerteilt, zersiedelt. Wald- und Ackerflächen werden zur Verwertung des Nachlasses an verschiedene andere Käufer veräußert. Heute wollen eben alle Nachkommen gleichermaßen erben.
Uns ist ein einzigartiges Schriftstück aus dem Umfeld des Erbhofes der Fam. Schmiedicke aus der Altstadt 12- 13 erhalten geblieben, welches es eigentlich gar nicht geben dürfte. Bat doch der Verfasser den Empfänger ausdrücklich und eindringlich um seine Vernichtung. Für den Interessierten gibt heute dieses Schriftstück ungeahnte Einblicke in die Entwicklung eines wichtigen ehemaligen Erbhofes der Stadt Werneuchen. Doch, um die Zusammenhänge zu verstehen, empfiehlt sich auch die Geschichte des Erbhofes Altstadt 12-13 der Schmiedickes zu lesen.

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014