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Die Typhusbaracke

In der Landsberger Straße stand eine rechteckige geräumige Holzbaracke- die Typhusbaracke. Diese Baracke war Teil eines ganzen Barackenkomplexes, in dem während des Krieges Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter interniert bzw. gefangen gehalten worden sein wollen. Auf jeden Fall aber wurde der Komplex von der deutschen Wehrmacht genutzt.
In den Apriltagen des Jahres 1945 wurde eine der Baracke offensichtlich für verwundete deutsche Soldaten genutzt, denn die Baracke war etwa am 23. April 1945 mit Stroh ausgelegt und stark durch Blut, Dreck usw.. verschmutzt . Von den sowjetischen Soldaten aufgegriffene Einwohnern Werneuchens, die am 22. April (siehe unser Tagebuch der Befreiung) in den Häusern der Landsberger Straße für ein paar Tage interniert waren, mußten diese Baracke auf Befehl der Sowjets säubern. Möglicherweise wurden hier kurzzeitig dann auch zwischenzeitlich verwundete russische Soldaten versorgt.
Doch im Juli 1945 befanden sich hier verbürgt die Typhuskranken aus der Stadt und der Umgebung. D.h. nach Ausbruch einer Typhusepidemie 1945/1946 wurden hier die Erkrankten aus Werneuchen und der umliegenden Dörfer untergebracht. Darunter heute viele namenlose Flüchtlinge. Es gab keinerlei medizinische Versorgung oder Medikamente. Es war ganz einfach: Wer durchkam, kam durch. Zu essen gab es lediglich Brotsuppe aus verschimmelten Brot und Wasser.
Leitende Schwester war Liselotte Kirschbaum aus der Freienwalder Straße (damals Chausseestraße) in Werneuchen. Sie war jeden Tag von morgens bis abends für die Kranken da. Sie arbeitete furchtlos und aufopfernd ohne jegliche Angst vor der Krankheit. Sie war etwa 38 Jahre alt und tat was sie konnte. Eine Heldin, die in der schlimmsten und schwersten Zeit, die unsere Menschen in Werneuchen in der neueren Geschichte erleben mussten, sich selbstlos aufopferte, anderen zu helfen, Trost zu geben und Leben zu retten.
Liselotte Kirschbaum war eine große, schöne und stattliche Frau und diplomierte Krankenschwester. Die Tochter eines großen Bauern der Stadt Werneuchen. Die Arbeitsbedingungen, wie auch die Situation der Kranken war katastrophal. Es war der Herbst 1945/46. Die Baracke war voll belegt. Die Fenster waren einfach verglast, ein Ofen spendete etwas Wärme. In dieser Zeit starben in der Baracke täglich Menschen. Ein furchtbarer Platz, vor dem die Einwohner der Stadt einen großen Bogen machten. Von dem furchtbaren Sterben und von den Toten wurde inzwischen keinerlei Notiz mehr genommen. Nicht von außen und auch nicht von den Kranken in der Baracke. Thea Schulz (später verheiratet Jaeger) ein Flüchtlingsmädchen aus Wischen kam im Juli in die Typhusbaracke. Etwa 3 Monate später am 29. Oktober 1945 beobachtet sie, wie sich 2 Betten weiter eine Frau noch einmal kurz in ihrem bett aufbäumt. Liselotte Kirschbaum die Leiterin der Typhusbaracke (eine gute Freundin auch von Frieda Wiese des Ehefrau von Ernst Wiese von der Freienwalder Straße 46)) beobachtet den Vorgang ebenfalls und schreit darauf laut mehrere Male: Frau Wiese ist tot, Frau Wiese ist tot. Thea Schulz ist sehr über diesen Gefühlsausbruch verwundert. Starben doch hier täglich die Menschen und niemand nahm von ihnen Notiz. Sie ahnte noch nicht, dass einmal die Schwester ihres späteren Ehemannes den Witwer Ernst Wiese heiraten würde und also der Ehemann der Verstorbenen ihr Schwager werden würde. Später als Thea Schulz länger in Werneuchen lebte, lernte sie noch viel über Frieda Wiese, die eine "sehr bemerkenswerte Persönlichkeit und eine wunderschöne Frau" gewesen sein sollte kennen. Liselotte Kirschbaum war eng befreundet mit Frieda Wiese, geb. Wittstock aus Weesow. Die Toten wurden immer sehr schnell aus der Baracke gebracht und am gleichen oder am nächsten Tag auf einer Freifläche des Friedhofes vergraben. Die Zeremonien, wenn sie stattfanden, waren sehr kurz.
 

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014