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Rudolfshöhe
Ein findiger Makler und Landvermesser setzte sich mit den Werneuchner Grundbesitzern ins Benehmen, kaufte Grund und Boden, parzellierte das Land und verkaufte die einzelnen Stücke als Bauland. Der Landvermesser Rudolf Küchenmeister und die Gemeinde stellten Bebauungspläne auf. Die Grundstücksgrößen lagen zwischen 800 und 1200 qm pro Parzelle, Straßenführungen wurden geplant, selbst ein kurparkähnliches Gelände mit einem ausgebauten Seebad am Kesselsee war vorgesehen. In den zwanziger und dreißiger Jahren begann die Besiedlung. Die Makler warben vor allem im Nordosten von Berlin. Der Werbeslogan lautete u. a.: "Der Traum von allen Großstadtleuten ist ein Grundstück im schönen Werneuchen." Da die Grundstückspreise verhältnismäßig niedrig lagen (2.- Reichsmark pro Quadratmeter), war der Andrang der Käufer groß. Vor allem aus Berliner Bezirken bewarben sich die Berliner um das Bauland. Auf dem erworbenen Grundstück errichtete man zuerst eine Laube oder ein Sommerhaus, bohrte einen Brunnen und legte eine Fäkaliengrube an. Nach einigen Jahren suchte man zumeist um die Baugenehmigung für ein Einfamilienhaus nach (seltener Zweifamilienhaus). Da die finanzielle Lage bei den meisten nicht rosig war, entstanden Häuser von bescheidenem Äußeren, die auch heute noch den Siedlungscharakter prägen. Mancher der Bauwilligen übernahm sich auch finanziell und musste sein Grundstück wieder verkaufen, andere betrachteten ihren Grundbesitz lediglich als Wochenendgrundstück und gaben sich mit dem Bau einer Sommerlaube zufrieden. Auch diese Parzellen prägen heute noch mit das Ortsbild, obwohl jetzt der Trend zum festen Eigenheim deutlich erkennbar wird und die Gartengrundstücke immer weniger werden.
Der Grundbesitzer-Verein Gartenstadt Werneuchen EV. ist bestrebt, für die Hebung und Entwicklung der Gartenstadt Sorge zu tragen. Ausserdem sucht der Verein durch Vorträge, Erörterungen und sonstige zweckmässige Massnahmen die Mitglieder -zu belehren und zu unterstützen. Ferner soll durch Petitionen an geeigneter Stelle die Gartenstadt, sowie der Verkehr zu derselben gefördert werden. Kommunalen und wirtschaftlichen Fragen widmet der Verein stets besonderes Interesse, Durch Gründung einer Genossenschaftsbank soll den Mitgliedern Gelegenheit geboten werden, sich auf leichte Art ein Eigenheim zu gründen und bei unvorhergesehenen Zwischenfällen einen Rückhalt und wirksame Unterstützung zu finden. Diese Aufgaben wirklich zu erfüllen, bedarf es unbedingt des Zusammenschlusses aller Ansiedler.
Ein Jeder sollte es für seine Pflicht halten, im eigenen Interesse sich unverzüglich dem Grundbesitzer-Verein Gartenstadt Werneuchen EV. anzuschliessen, denn „Einigkeit macht stark!"
Der Vorstand um 1920

Die Kolonie Rudolfshöhe, ca. 200 Morgen umfassend, ist um 1910 unter dem Namen Neu-Messina, in Erinnerung an das große Messina-Erdbebenunglück angelegt. Das Gesamtareal war vom Kaufmann Hindenberg und dem Regierungs-Landmesser Rudolf Küchenmeister und dem Bauunternehmer Büttner von 1910 bis 1911 aufgekauft und parzelliert worden. Nach letzteren, der den Weltkrieg mitmachte und 1915 in den Karpaten fiel, hat die Kolonie den Namen „Rudolfshöhe“ erhalten.
Der Bebauungs- und Parzellierungsplan der Wald- und Gartenstadt Rudolfshöhe von 1913.
Das Verkaufsbüro bot dem Interessierten eine Menge. Unmittelbar an der Stadt Werneuchen, 15 Min. vom Bahnhof entfernt an der Wegendorfer Chaussee, gleich hinter dem Elektrizitätswerk, im Walde gelegen. Mitten im Hochwald gelegene Landhaus Parzellen, Bau- und Garten- Parzellen in jeder Größe und mit kleiner Anzahlung. Zahlungsbedingungen nach Wunsch des Verkäufers (Kein Bauzwang). Eine Sehenswürdigkeit ist der Kesselsee mit Badestrand und Park, Näheres durch den Eigentümer: Küchenmeister, Berlin, Invalidenstraße/Chausseestraße
Fahrverbindung ab Berlin vom Schlesischen Bahnhof, Wriezener Bahnsteig nach Werneuchen (Entfernung 28 Kilometer), Auch von und zu allen Bahnhöfen der Stadt- und Ringbahn durch umsteigen am Schlesischen Bahnhof. Fahrpreis 60 Pfg.
Bis 1913 entstand die Badeanstalt am Kesselsee, ein Wasserwerk und das Elektrizitätswerk waren angeschlossen. Entlang der Straßen standen Telegraphenmasten. Von den neuen Bewohnern wurden viele zum 1. Weltkrieg eingezogen. Viele kehrten nicht mehr zurück. Bis 1929 entstanden insgesamt etwa 150 Häuser mit etwa 500 Dauerbewohnern. Jetzt wurde eine eigene Feuerwehr gegründet. Doch in Zeiten der Weltwirtschaftskrise waren viele Rudolfshöher arbeitslos und kamen in finanzielle Notlagen. In dieser schweren Zeit, im Jahre 1931 (bis 1953) übernahm Alfred Groeblehner den Vorsitz des 1909 von Max Diedicke und Karl Schwarz gegründeten Siedlervereins Rudolfhöhe. Das Vereinslokal war das "Restaurant Jahn". Mit dem Bau des Flughafens hatten mit einem Schlag alle Rudolfshöher Arbeit bei Wehrmacht und Luftwaffe. Es entstanden mehrere neue Siedlungen (Unteroffizierssiedlung, Technikersiedlung..)
Chronik von Manfred Düwel Vorsitzender herausgegeben zur 750 Jahrfeier von Werneuchen.
Im Jahre 1909 faßten zwei Männer, die Herren Max Diedicke und Karl Schwarz, den Entschluß, einen Verein zu gründen. Man suchte sich noch einen kleinen Anhang und mit einer Zahl von 13 Grundbesitzern wurde in Berlin Alexanderstraße der Grundbesitzerverein Gartenstadt Werneuchen e.V. gegründet, mit dem Ziel für das allgemeine Wohl und unter dem Motto „Einer für alle, alle für einen" zu arbeiten. Innerhalb von zwei Jahren waren es bereits 180 Mitglieder. Es gelang ihnen, wenn auch unter großen Schwierigkeiten, dafür zu sorgen, daß der Straßenbau entsprechend städtischer Regelungen erfolgte. Es wurden eine Badeanstalt und ein Wasserwerk gebaut, auch gab es bereits elektrisches Licht. 1913 wurde der Name „Grundbesitzerverein" aus steuerlichen Gründen in „Siedlerverein Rudolfshöhe" umgewandelt. In dem stetigen Vorwärtsstreben war der Ausbruch des 1. Weltkrieges ein spürbarer Rückschlag. Viele kehrten aus dem Krieg nicht mehr zurück und durch die Inflation kam es fast zum Zusammenbruch des Vereins. Aber es fanden sich wieder Frauen und Männer, die das begonnene Werk weiterführten und für die Allgemeinheit schafften. So waren bereits bis zum Jahr 1929 ca. 150 Häuser vorhanden mit ungefähr 500 Menschen als Dauerbewohner.
Trotz der schwierigen Jahre nach dem 1. Weltkrieg hatte der Siedlerverein Rudolfshöhe zielstrebig zum Wohl der Siedler gearbeitet. Es wurden regelmäßige Versammlungen abgehalten, die abwechselnd in Berlin und in Werneuchen stattfanden. Innerhalb des Vereins wurde eine Wirtschaftsgenossenschaft gebildet, deren Auf­gabe es war, die Siedler mit Materialien, künstlichen Düngemitteln usw. zu versorgen. Eine eigene freiwillige Feuerwehr wurde gegründet. Selbstverständlich ist nicht alles so glatt und reibunsslos verlaufen, viele Schwierigkeiten mußten bewältigt werden. Mei­nungsverschiedenheiten mit der Stadtverwaltung in Hinblick auf Wegbefestigung und Straßenbeleuchtung wurden überwunden. Hinzu kam die immer größer werdende Zahl der Arbeitslosen. Es ging sogar so weit, daß Mitgliedern die Mitgliedsbeiträge gestundet werden mußten, da die finanzielle Notlage immer größer wurde. In dieser schweren Zeit übernahm 1931 Herr Alfred Groeblehner den Vorsitz des Siedlervereins. Diese Funktion hat er 22 Jahre bekleidet. Es wurden viele kleine und große Feste gefeiert, wie z.B. Frühlingsfest, Sommerfest, italienische Nacht; regelmäßig gab es Kinderfeste. Diese Feste fanden zum Teil in Werneuchen unter Beteiligung der ganzen Stadt oder auch in Berlin statt. Jedes Jahr wurde ein Stiftungsfest gefeiert. Dieses fand oft in Berlin, aber auch in Werneuchen im Lokal „Zum Stadtwappen" statt. Das eigentliche Vereinslokal war das Restaurant „Jahn". Einen weiteren scheinbaren Aufschwung gab es als 1935 der Flugplatz gebaut wurde. Mit einem Schlag verschwanden die Arbeitslosen. Mit viel Glück und großer Mühe versuchte der Vorsitzende, die Arbeit des Vereins aufrechtzuerhalten. Es war tatsächlich so weit, daß bei Beendigung des 2. Weltkrieges und dem völligen Zusammenbruch der Wirtschaft auch der Siedlerverein zusammengebrochen war. Der Initiative des Vorsitzenden in Zusammenarbeit mit dem Rat der Stadt ist es ganz allmählich gelungen, das Zerstörte wieder aufzubauen. Dabei schaltete sich die Kleingartenhilfe des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) ein, langsam begann der Aufbau und die Arbeit des Vereins ging wieder weiter. Durch den Tod des Vorsitzenden 1953 gab Schwierigkeiten, einen neuen Vorsitzenden zu finden. Eine kurze Zeit waren Franz Erdmann, danach Karl Lipke Vorsitzender, 1956 wurde Herr Stöter zum Vorsitzenden gewählt. 1959 wurde mit der Bildung des VKSK (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter) eine Dachorganisation für Vereine wie unseren geschaffen. Durch diese Umgestaltung verbunden mit der Umbenennung in Siedlersparte und durch gute Zusammenarbeit mit dem Rat der Stadt und der weiteren Zusammenarbeit mit der Nationalen Front konnte man daran denken, den Aufbau der Sparte stetig zu erweitern. Die finanzielle Lage besserte sich nicht zuletzt unter der gewissenhaften Materialverwaltung des Ehrenmitgliedes Emil Marquardt. Es wurde der Entschluss gefasst, ein eigenes Spartenheim zu bauen. In Friedrichsfelde wurden von 3 Häusern, die abgerissen wurden, Steine gekauft und her­angefahren. Weiter ging es dann mit dem Ausschachten des Fundamentes. Die Fundamente wurden gegossen, der Keller wurde gemauert und so wuchs unser Spartenheim. Alle, die daran mitgewirkt haben, standen in einem festen Arbeitsverhältnis, also wurden die Arbeiten nur Sonnabend und Sonntag durchgeführt. 7 Jahre hat es gedauert bis unser Haus in der 1. Ausbaustufe fertig war.
Trotz dieser umfangreichen Arbeiten und vielen Sorgen, die der Bau mit sich brachte, war man stets bemüht, die kulturelle Arbeit nicht zu vergessen. Die zur Tradition gewordenen Sommerfeste wurden alle Jahre veranstaltet. Es gab Kaffeefahrten und Unterhaltungsabende mit Rentnern, Weihnachtsfeiern und verschiedene andere Veranstaltungen. Die Siedlersparte hatte bis in die Jahre eine ausgezeichnete Laienspielgruppe. 1974 gab Herr Stöter seinen Vorsitz aus Altersgründen ab. Neuer Vorsitzender wurde Herr Günter Makoschey. Erklärtes Ziel war es, die Jugend zur Mitarbeit im Verein und Vorstand zu gewinnen, da sich eine absolute Überalterung einstellte. Leider lief auch das nicht so wie gedacht, was zur Auflösung des Vorstandes führte. Durch Initiative des Kreisvorstandes des VKSK wurde Herr Walter Sprung Vorsitzender. 1985 übernahm Herr Manfred Düwel die Funktion des Vorsitzenden in einem bis heute stabilen und aktiven Vorstand. Mit der Auflösung des VKSK 1990 erfolgte die Umbenennung in „Siedlerverein Rudolfshöhe"' und 1992 dann der Beitritt zum Deutschen Siedlerbund - Landesverband Brandenburg e.
Manfred Düwel Vorsitzender

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014