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Die Altstadt 13

Das Bauernhaus der Altstadt 13 gehörte zum Hof des Ackerbürgers Gustav Schmiedicke mit dem Haus Altstadt 12 und verschiedenen Stall- und Wirtschaftsgebäuden. Ursprünglich stand seit dem 17. Jahrhundert hier an gleicher Stelle ein ein massiver Fachwerkbau, welcher wahrscheinlich auf den Dach erst mit Stroh oder Holz eingedeckt war, aber später um 1840 schon über ein Ziegeldach verfügte. Doch entsprechend des stetig wachsenden Hofes der Wirtschaft Schmiedicke wurde dieses Haus um geschätzt 1880 ganz bzw. teil abgerissen und an gleicher Stelle ein neues massives aber rechteckiges Wohnhaus mit Satteldach errichtet. Vom Umbau fanden sich im Keller des Hauses bei Grabungen mehrere Ziegel mit dem Zeichen der Dampfziegelei Werneuchen, sowie diverse reich verzierte Ofenkacheln von verschiedenen Öfen des Hauses aus dem 17/18. Jahrhundert. Der Hauseingang befand sich straßenseitig in der Mitte. Zu beiden Seiten des Einganges befand sich je ein Zimmer und hinten zum Hof befand sich die Küche.
Der Landwirt Ernst Schmiedicke hatte 5 Kinder. Gustav, Fritz, Ernst, Karl, Gertrut und einen Sohn (Name unbekannt) der im 2. Weltkrieg fiel. Sein Sohn Ernst war der jüngste Sohn und hieß also wie sein Vater. Der Hof war ein Erbhof. Auf diesem Hof lag ein verbürgtes Jüngstenerbrecht. Erbe wäre also Ernst gewesen. Ziel des Jüngstenerbrechts war die Vermeidung der Aufteilung in Parzellen und kleine Stücken des Grundstücks und der Ackerflächen durch viele Erben. Dies hätte mehr und mehr zur wirtschaftlichen Unselbständigkeit des Ackerbaubetriebes geführt. Trotzdem wurde auf Anraten wohl eines Rechtsanwaltes das Haus der heutigen Altstadt 13 aus dem Gesamthof als Altenteil herausgelöst. Dies sollte zur Absicherung des "alten" Ernst Schmiedickes dienen. Ernst Schmiedicke bewohnte dann auch, nachdem er die Wirtschaft in die Hände eines seiner Söhne übergab diesen Altenteil. Nach seinem Tode wohnte seine Tochter Gertrut hier. Die
Altstadt 13 mit ihrer Hausnummer entstand erst in diesen Jahren um ca.. 1932. Vorher hatte der Hof gar keine Nummer. Briefe und Anschreiben erfolgten aber immer ohne Nummer. Der Hof der Schmiedicke Nr. 12 war damals also auch Nr. 13 und zunächst auch das Herausgelöste Altenteil war auch Altstadt 13. Auch im Grundbuch stand alles unter der Nr. 13 verzeichnet.
Auf einer Urkunde aus dem Jahre 1848 ist das Haus Nr. 13 "von Holz in Fachwerk und mit Stroh gedeckt". Das Haus wurde wahrscheinlich im 18. Jahrhundert noch (teil-)abgerissen und mit massiven Ziegelmauern aus roten Werneuchner Dampfziegeln und innen mit Lehmziegeln neu errichtet. Für die Innenwände wurden ausschließlich Lehmziegel verwendet bzw. es könnte auch sein daß man die massiven Lehminnenwände belassen hat.
Nach dem Tode der damaligen Eigentümerin der Fräulein Schmidicke erbte Frau Böttcher testamentarisch das ehemalige Altenteil der Schmiedickes und veräußerte es an einen jungen Maurer. Der verkaufte es an den Schornsteinfegermeister Komoll, der aber später an Krebs verstarb. Seine Frau heiratete wieder und hieß dann Meuschke. Das Haus wurde darauf an Languth vermietet. Languth unterhielt einen Abschleppdienst und verwertete Autos. Seine Werkstatt war mit Drehbank und Schweißgerät u.a. ausgestattet.
Die Urkunde vom Februar 1848 zeigt die Gehöfte an der Straße nach Beiersdorf (heute die Altstadt- Straße) an der Ecke Mühlenstraße. Links des Fließ liegt der "Garten des Ackerbürgers Engel". Auf der rechten Seite die Häuser der heutigen Altstadt 14, 13 und 12 (von links nach rechts).
Ende der 70-ziger Jahre des 20. Jh., wurde das Haus erneut einem gründlichen Umbau unterzogen. Das Haus wurde von den Eigentümern unter Zuhilfenahme günstiger Ausbaukredite der DDR ab der Oberkante der ersten Etage komplett neu gemauert und neue Stürze eingezogen. Es wurden weiter Stahlträger- und Betonziegeldecken gegossen und der Dachstuhl und die Eindeckung erneuert. Der linke Giebel stürzte bei den Baumaßnahmen ein und wurde neu aufgemauert. Das Haus bekam eine Innentoilette. 1995 wurde das Haus von den Besitzern Meuschke an die Fam. Kuban verkauft, welche heute noch hier wohnt.
Das gesamte Areal der Altstadt 12 wurde von den damaligen Nutzern der 70-ziger Jahre der LPG "Ernst Thälmann" als Schuttabladeplatz genutzt. Eine Planierraupe walzte später noch den Bauschutt platt. Der alte große Pferdestall ist wie auf dem Foto zu sehen aus diesem Grund heute halb verschüttet. Details der alten Ziegelmuster sind heute noch zwischen den Aufmauerungen aus der DDR-Zeit erhalten geblieben.
Der hinter dem Haus Nr. 13 heute noch stehende Pferdestall, aus gesetzten Natursteinen wurde erst nach 1850 errichtet, denn er ist auf dem Situationsplan von 1848 noch nicht verzeichnet. Hier waren bis zu 10 Pferde untergebracht. Die beiden letzten Pferde wurden nach dem Tode der letzten Bewohnerin der Fräulein Gertrud Schmiedicke, welche in diesem Haus verstarb, im Jahre 1972 herausgeführt. Seitdem verfällt der Pferdestall. Damals vorgenommene Versuche den ehemaligen Pferdestall aus Natursteinmauerwerk als Wohnraum umzubauen führte zu erheblichen Schäden am Natursteinmauerwerk.

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014