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Der (neue) Friedhof


Der Friedhof hat sich von seiner Gründung bis heute in seiner ursprünglichen Form erhalten. Er hat viel erlebt. Grippeepedemien, Werneuchner Bürger, Industrielle, Unternehmer, Ackerbürger und Landwirte, die Einwohner der Stadt aus allen Schichten, abgeschossene britische und amerikanische Flugzeugbesatzungen, deutsche Kriegsopfer, die Typhustoten aus der nahe gelegenen Typhusbaracke.

Laßt uns die Reihen der Gräber durchwandern. Sie sollen uns enthüllen, was sie einschließen, und die Leichensteine sollen uns sagen, wer sie gesetzt hat. Rechts am Eingang zeigen uns nur dunklere Grasnarben den Verlauf, der im Boden verlaufenen Fundamente alter gemauerter Grüfte. Doch Steine gibt es nicht. Jetzt wollen wir uns darum zu den auf der anderen Seite befindlichen Grabmälern wenden. Ein leerer Platz kann uns nicht mehr die Geschichte des H. Lehmann- Schmidcke, des ersten Siedlers in der Beiersdorfer Straße und Erbauer des modernsten Mühlenbetriebes unserer Region erzählen.
Etwas weiter bedeckt ein Komposthaufen die sterbliche Hülle der Frieda Stock. Unsere letzte Gutsbesitzerin in Werneuchen und Tochter des durch seine Erfindungen berühmt gewordenen Robert Stock, der seinen beiden Töchtern Frieda und Anna einst reiche Schätze hinterließ. Die reiche große Grabplatte gibt es nicht mehr. Wo ist sie hin?- die große rote Granitplatte, welche die gemauerte Gruft unserer Gutsbesitzerin einst umschloss.
Ein Grabmal das nun folgen müsste, und das alle Übrigen an Pracht übertraf und der Besucher mit Bewunderung betrachtete ist ebenfalls verschwunden. Die bronzene Figur welcher hier stand, war außerordentlich gut gearbeitet. Der Bildhauer, der sie gemacht hatte, musste ein tüchtiger Künstler gewesen sein.
Hier liegen die Überreste der Tochter eines reichen Bauern, die in der Blüte ihrer Jahre starb, und deren Schönheit jedermann bezauberte. Sie war zu Lebzeiten ein so reizendes Wesen, daß ihr Vater, in beständiger Angst lebte, irgendein Liebhaber möchte sie ihm entführen, was sich freilich hätte ereignen können, wenn sie länger gelebt hätte. Ihre tragische Geschichte beginnt mit der Liebe zu dem jungen Sohn einer Flüchtlingsfamilie , die in den letzten Kriegsmonaten des Jahres 1945 mit einem Treck in die Stadt gekommen war. Der Bursche hatte sicherlich die Absicht, die junge Bauerstochter zu heiraten. In diesem Verlangen folgte er ihr überall hin. Sicher schien sie ihm ebenfalls eine hinreichend glänzende Partie zu sein. Er verlor jedenfalls keine Gelegenheit, um ihr seine Liebe durch Blicke auszudrücken. Doch sie wurde fortwährend vom strengen und wachsamen Vatersblick beaufsichtigt. Sie war darüber in Verzweiflung und weil dies Hindernis sein Verlangen umso glühender machte, dachte er unaufhörlich daran diese Aufsicht seiner Geliebten zu hintergehen. Sie war gescheut und vorsichtig, irgendwie den falschen Schritt zu tun. Sie wußte nicht wozu sie sich entschließen sollte. Doch er war entschlossen, leidenschaftlich und bemüht ihre Gunst zu erobern. Der natürliche Lauf der Dinge genügte, Augenblicke waren zu kostbar, um sie zu verschenken und es gelang ihm das junge Mädchen zu verführen. Sie hätte ihn geheiratet, doch die Einwilligung des Vaters war unerreichbar. Was folgte war der traurigste Zustand ihres Lebens, in den sie je gebracht wurde. Sie war schwanger geworden. Unverheiratet schwanger, von einem Flüchtlingssohn- unmöglich sich den Eltern an zu vertrauen. Jetzt verachtete sie sich, fühlte sich entehrt und sah sich gezwungen mit Gift aus der Welt zu scheiden.
Ein Landwirt deren Eltern schon im 18. Jahrhundert seine Hof bewirtschafteten. Ein Geschlecht uralt, zurückgehend bis in das 16. Jahrhundert. Ein Mensch der immer an das Gute glaubte, sich engagierte doch unendlich fehlte. Im Mai 1945 von russischen Soldaten verhaftet starb er ein Jahr später in einem ehemaligen KZ. Seine Leiche anonym und nackt verscharrt in der Heide Buchenwalds. Doch der Leichenstein, aufgestellt von seiner Frau läßt uns gedenken. Nachdem sie verstarb wurde ihr Namen auf dem Stein ergänzt.

Franz Herzberg wurde auch verhaftet. Im April 1945. Seine Frau und seine beiden Töchter wohnten nun allein in der zweiten Etage eines Hauses in der Breite Straße. Jeden Tag kamen nun russische Soldaten in die Wohnung der schutzlosen Frauen. Zu unerträglich war das Leben geworden, die Schmach und das seelische Leiden. Sie nahmen sich alle in der Wohnung das Leben.
Die Kriegsgrabstellen
Es wird behauptet: Die hiesigen deutschen Kriegsopfer wurden bis 1945 auf dem Flugplatz auf einem eigenem Friedhof des Flugplatzes beerdigt. Der Friedhof auf dem Flugplatz wurde nach dem Krieg von der sowjetischen Garnison weitergenutzt. Hier wurden zunächst auch die russischen Kriegstoten begraben. Später überführten die Russen die sterblichen Überreste zur zentralen Gedenk- und Begräbnisstätte nach Freienwalde. Gesichert ist: die abgeschossenen bzw. verunglückten britischen und amerikanischen Soldaten bzw. Flugzeugbesatzungen wurden rechterhand des heute noch erhaltenen Grabes des Piloten Köhler beerdigt. Köhler stürzte zu Kriegsende 1945 in Wesendahl mit seiner Maschine ab.
Die Amerikaner kamen zwischen 1958 - 1960 mit Jeeps vor das Rathaus Werneuchen vorgefahren. Sie riegelten dann den Friedhof ab und niemand durfte ihn betreten. Dann wurde dieser gesamte Bereich rechterhand des Köhlers von den Amerikanern ausgebaggert und die sterblichen Überreste der Soldaten in ihre Heimatländer überführt.
Auf dem neuen Friedhof Werneuchen, wo heute die deutschen Soldatengräber sind, war damals nur eine Wiese. Der Bereich war frei. Es gab dort lediglich ein ziviles privates Doppelgrab. Erst ungefähr 1958 sollen dann die sterblichen Überreste der deutschen Soldaten vom Flugplatz auf diesen Platz umgebettet worden sein, behauptet ein ehemaliger Friedhofsangestellter.
Auf dem Friedhof wurde auch ein spanischer Pilot der "Blauen Staffel" beerdigt, der bei einem Kampfeinsatz ums Leben kam.

Foto: Das Denkmal für die in Werneuchen gefallenen deutschen Soldaten

Die deutschen Kriegsopfer waren auf dem Flughafen beigesetzt und nach Halbe überführt worden.
Rechts hinten unter der jetzigern Wiese wurden die Opfer der letzten Kriegsmonate und der unmittelbaren Nachkriegszeit insbesondere die Typhusopfer beigesetzt. Die Überreste der deutschen Kriegsopfer wurden später umgesetzt auf die freie Fläche, wo sich heute die Gedenkstätte befindet. Zum Teil fand man noch Erkennungsmarken. Mehrere Opfer konnten nicht mehr identifiziert werden und ruhen als "Unbekannt" unter der Erde.
  
Foto: Die Soldatengräber am Eingang des neuen Friedhofes. Hier befinden sich die Soldatengräber vom Flugplatz Werneuchen. Hier wurde Leutnant Alcocer Moreno-Abella neben seinen deutschen Kameraden  beerdigt. Die Grabsteine sind mittlerweile verloren gegangen. Die Grabstellen sind aber unverändert geblieben. Ganz rechts findet sich bei den Gräbern das verwittertes Holzkreuz für den Piloten Joachim Köhler.


Außer den Toten, welche in den Gräbern liegen, auf die uns die Leichensteine Auskunft geben, befinden sich hier eine große Menge anderer, welche ganz einfach bestattet wurden. Der Standesunterschied, welcher sie während ihres Lebens von einander fern hielt, hat jetzt aufgehört. Der Fabrikant und der Stallarbeiter, steht jetzt im gleichen Range. Das Ansehen dieser vornehmen Entschlafenen, hat mit ihren Leben geendet, wie das eines Theaterstückes, wenn das Stück ausgespielt hat.

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014