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Der Gasthof zur grünen Linde

Der Gasthof zur grünen Linde auf einer Lithografie aus dem Jahre 1899. Der Hof mit seinem Wohnhaus, Stallungen und Scheunen liegt in der Freienwalder Straße, neben dem bekannten Gebäudes von Bäcker Wulff. Durch die Vollendung der Chausseestrasse zwischen Berlin und Werneuchen 1806 als die zweite Kunststraße im Königreich Preußen entstanden entlang der Straße viele neue Bauernhöfe.
Ein solcher Bauernhof entstand hier um diese Zeit. Durch den regen Reise- , Post- und Transportverkehr entstand hier neben dem Landwirtschaftsbetrieb des Bauern Carl Thürling um 1850 auch eine Gastwirtschaft mit Ausspannung. Das heißt hier wurden Pferde ausgespannt gefüttert, gewechselt und die Reisenden verpflegt. Später zur Jahrhundertwende um 1900 wurden nebenan ein Garten und eine Kegelbahn eingerichtet. Der Max Thürling sen. war ein sehr geachteter großer Bauer dessen Familienstammbaum in Werneuchen nachweislich bis in das Jahr 1670 zurückreicht. Er war mit Anna Thürling verheiratet.

Der Gasthof und die Kegelbahn der Witwe Anna Thürling um 1910. Als Carl Thürling sen. zur Jahrhundertwende verstarb, führte die Witwe Anna Thürling den Gasthof zunächst weiter. Carl Thürling hatte mindestens einen Sohn den Max Thürling.

Max Thürling wurde am 31.8.1886 in Werneuchen geboren. Er heiratete die 5 Jahre jüngere Frau Margarete Thürling, geborene Müller 18.1.1891. Margarete hatte übrigens eine Schwester, die später einen Herrn Keuck heiratete.
Max Thürling wurde aufgrund seines Alters in den Kriegsjahren des 2. Weltkrieges nicht zur Wehrmacht einberufen. Er war 1939 bei Ausbruch des Krieges schon 53 Jahre alt. In Werneuchen war er ein gesellschaftlich, wie auch politisch engagierter Bauer. Natürlich war er auch wie alle z.B. Lehrer und einige Bauern Mitglied der NSDAP. In den 30-ziger Jahren war er der Ortsgruppenführer der NSDAP und auch noch Ortsbauernführer in Werneuchen

Das er die Funktion des Ortsbauernführers inne hatte, geht aus einem Schreiben aus dem Nachlass des Ernst Schmiedickes hervor, denn: Nach dem Tod des Ernst Schmiedicke (senior) im Jahre 1937 gab es wirtschaftliche Verwerfungen auf dem Hof. Um 1942 nahm der hiesige Ortsgruppenführer Max Thürling dies zum Vorwand dem Hof der Schmiedicke so etwas wie "Schädigung der Kriegsproduktion" vorzuwerfen und beabsichtigte die Zwangsverpachtung an einen ihm genehmen Pächter. Karl Schmiedicke ein Sohn vom Ernst Schmiedicke (senior) beauftragte einen RA und Notar in Altlandsberg, der die Anerbenangelegenheit vor einem Gericht in Altlandsberg zur Zufriedenheit der Familie Schmiedicke klären konnte. Aber Erbe und Wirtschafter wurde in dessen Folge: Fritz Schmiedicke.

Nach der Besetzung Werneuchens durch sowjetische Truppen, wurde Max Thürling verhaftet. Er wurde zunächst vom politischen Kommissar im Keller des Stadtwappens verhört und geschlagen. Danach wurde er auf das erste NKWD- Lager auf deutschem Boden auf den Flugplatz Werneuchen gebracht. Nach einigen Tagen, wurde das Lager aufgelöst und alle Inhaftierten nach Weesow gebracht. Von Weesow wurde er mit einem Transport zum russ. KZ bzw. NKDW- Lager Buchenwald gebracht, wo er am 12.5.1946 an Krankheit und Unterernährung verstarb. Er wurde wie alle anderen Toten nackt und namenlos von anderen Häftlingen in Massengräbern verscharrt. Lediglich ein Gedenkstein erinnert an unseren Werneuchner Land- und gastwirt Max Thürling. Entsprechend steht auf seinem Grabstein, auf dem neuen Friedhof in Werneuchen: In herzlichem Gedenken.
Max Thürling jun. (31.8. 1886- 12.5.46) war mit Margarete Thürling, geb. Müller (18.1.1891-6.3.1978) verheiratet und hatten einen Sohn Günter. Der Sohn Günter Thürling war in den Kriegsjahren bei der Wehrmacht im Fronteinsatz.
Nach dem Krieg kam Günter Thürling in russ. Kriegsgefangenschaft, überlebte und kehrte nach Werneuchen heim.
Doch die schweren Zeiten gingen weiter. In Weesow emigrierten, flüchteten fast 100 Menschen in die Freiheit in den Westen. Ein Drittel des ganzen Dorfes. In Werneuchen das gleiche Bild. Immer mehr Menschen wandten dem neuen stalinistischen Regime den Rücken und verließen ihre angestammte Heimat.
In den 50-ziger Jahren emigrierte so auch Günter Thürling mit seiner Frau Ursula (Ulla) Thürling, geborene Winkler, und seiner Tochter Elke Margarete Thürling nach Amerika. Die Mutter Margarete Thürling blieb in Werneuchen zurück. Sie lebte noch bis 1978 in dem Wohnhaus ganz oben rechts in der Mansarde zusammen mit ihrer Schwester. Der Mann ihrer Schwester war ein Inspektor. Seine Tochter Elke Thürling lebt heute mit ihrer Mutter Ursula, (die von allen immer Ulla genannt wurde) in Florida.
Im Jahre 1992 hat Günther, Ulla ,Tochter Elke und ihr Bruder Georg zum letzten mal als Familie zusammen ihre Heimat besucht, aus der sie emigrieren mußten. Das Jahr 1998 war ein trauriges Jahr für die Familie. Günther starb im Oktober 1998 und Georg starb im Januar 1998.
Im September 2001 waren Ulla und ihre Tochter Elke ein letztes Mal zu Besuch in der alten Heimatstadt Werneuchen. Nur für einen Nachmittag.

Heute ist das Wohnhaus der Thürlings kaum mehr wieder zu erkennen. Mehrere Um- und Anbauten in der DDR veränderten das Gesicht des Hofes. Die Nebengebäude wurden zum großen Teilen abgerissen.
 
 

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014