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Die Dampfmühle Lehmann-Schmidtke

Die Geschichte beginnt mit Hermann Lehmann , der um die Jahrhundertwende um etwa 1903-1904 die Dampfmühle, nebst Speicher, Verwaltungsgebäude und Stallungen in Werneuchen an der Beiersdorfer Straße errichten ließ. In dieser frühen Zeit des Dampfmühlenbetriebes ereignete sich ein Arbeitsunfall, indessen Folge ein Arbeiter "Schmidtke" ums Leben kam. Er hinterließ eine Frau und 3 Kinder. Hermann Lehmann (selbst unverheiratet und kinderlos) kümmerte sich fortan um die Familie. Später zwischen 1910 und 1920 adoptierte er einen Sohn der Witwe, den Willi Schmidtke. Die Schmidtkes und Lehmann bewohnten fortan wohl auch gemeinschaftlich ihre Villa in der Beiersdorfer Straße 1 (später Bürgermeistervilla und Stadtbibliothek). Hermann Lehmann führte ab Mitte der zwanziger Jahre jetzt die Dampfmühle unter dem Namen Fa. H. Lehmann Schmidtke. Es folgten dann als sein Erbe Willi Lehmann-Schmidtke. Willi Lehmann-Schmidtke führte dann auch ab den 30-er Jahren den Mühlenbetrieb. Der Mühlenbetrieb war durch Einsatz eines großen dampfbetriebenen Stationärmotors sehr effektiv. Auch war die Kapazität und Produktivität aufgrund der Größe der Mühlenanlage sehr hoch. So war dieser Betrieb einer der Modernsten in der ganzen Region. Entsprechend konnte sich Hermann Lehmann über volle Auftragsbücher und viele zufriedenen Landwirte aus der ganzen Region freuen. Man darf allerdings nicht vergessen, daß allein der Bau der Gebäude und die Anschaffung des damals sehr teuren Stationärmotors mit dem etwa 3m im Durchmesser großen Schwungrad erhebliche Investitionen erforderte. Hinter dem Speicher entstand zur Aufnahme des großen Motors und der Transmissionen ein extra Maschinenhaus mit Schornstein. Der Mühlenbetrieb wurde von Lehmann- Schmidke bis 1945 betrieben.
Nach der Besetzung der Stadt durch russische Truppen am 20. April 1945 wurde Willi Lehmann-Schmidtke in Werneuchen verhaftet und starb 1946 im Konzentrationslager Sachsenhausen. Dies ist durch Auskunft des Roten Kreuzes bestätigt. Man hatte ihm vorgeworfen: Getreide an die Wehrmacht geliefert zu haben. Möglicherweise war er auch NSDAP- Mitglied gewesen, aber davon ist bisher nichts bekannt. Aus den Erinnerungen mehrerer Zeitzeugen wissen wir, dass aber alle in Werneuchen gebliebenen NSDAP-Mitglieder 1945 nur aufgrund ihrer bloßen Mitgliedschaft verhaftet wurden.
Willi Lehmann-Schmidtke wurde zunächst auf den Flugplatz gebracht, wo er zusammen mit den anderen Verhafteten nahe dem Flugfeld campierte. Mitte Mai 45 wurden die Gefangenen nach Weesow gebracht. Das nur notdürftig eingerichtete Speziallager Weesow diente dem NKWD als Sammelstelle für alle Personen, die in und um Berlin verhaftet worden waren. Nach zwei Monaten im Juli 45 wurde Willi Lehmann-Schmidtke mit etwa 3.000 weiteren Internierten vom Speziallager Weesow nach Landsberg gebracht. Anfang Januar 1946 wurde das Lager Landsberg aufgelöst und Willi Lehmann-Schmidtke wurde zusammen mit 5.671 deutschen Zivilinternierten nach Buchenwald in das Speziallager Nr. 2.125 gebracht. Hier verstarb er.
Zu dieser Zeit enteigneten die Sowjets den Dampfmühlenbetrieb Willi Lehmann-Schmidtke. Im Stadtarchiv Bernau sind noch Enteignungsurkunden aus dieser Zeit erhalten. Die Ehefrau von Willi Lehmann-Schmidtke, Emma Lehmann- Schmidtke, geb. Thürling lebte auch nach der Enteignung weiterhin in Werneuchen und verstarb 1958 in Werneuchen. Ihr Sohn Werner Lehmann-Schmidtke kehrte Ende der vierziger Jahre aus Kriegsgefangenschaft nach Werneuchen zurück und studierte in Braunschweig Mühlenbau. Daneben war er in der Mühle als technischer Leiter beschäftigt. Nach der Enteignung entstand in den 50-ziger Jahren aus der Dampfmühle Lehmann-Schmidke die VEAB, der Volkseigene Erfassungs- und Aufkaufbetrieb für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Er verstarb 1985.
Das Verwaltungsgebäude der Dampfmühle Schmidtke- Lehmann wurde am 1.9.2005 durch die Märkische Futter GmbH abgerissen.
Im um 1953 brannte das Maschinenhaus der Dampfmaschine ab. Da zuvor die alten Eigentümer enteignet worden waren, verdächtigte man dann diese. Doch Untersuchungen kamen zu keinem Ergebnis. Auch Hans, ehemals Lagerleiter hatte früher erzählt bekommen, das Haus hätte in den 50-zigern gebrannt und zuvor seien Enkel oder Nachkommen der Lehmanns aus dem Westen nach Werneuchen gekommen. Ein paar Tage später wäre der Brand entstanden. Hans hatte auch gehört, Herr Lehmann sei nach Kriegsende in Werneuchen von den Russen verhaftet und wenig später ermordet worden. Mittlerweile ist dies bestätigt.
Um 1968 wurde der Name in VEB Getreidewirtschaft geändert. Die VEAB wurden Kartoffeln von Bauern aufgekauft und in etwas weiter gelegenen Mieten eingelagert. Es befanden sich zwei Kartoffelmieten in Werneuchen. Ein Mietplatz auf dem Feld, wo heute die ARAL- Tankstelle steht und eine weitere Miete befand sich auf dem Weg nach Stienitzaue, gleich rechts hinter dem Bahnübergang auf dem Feld. Die Mieten bestanden aus Erdgruben, auf welchen die gelagerten Kartoffeln mit Stroh und Erde abgedeckt wurden. Weiter wurde auch Raps und Getreide aufgekauft, getrocknet evtl. auch gelagert und dann nach Anfrage und bedarf nach ganz Deutschland geliefert und exportiert.
In dem Speichergebäude der ehemaligen Dampfmühle, hatte die VEAB etwa !958 bis 1960 zuvor eine Trocknungsanlage eingebaut, die mit Braunkohleöfen betrieben wurde. Wenn das Getreide zu Nass war wurde es auch vorher noch in speziellen kaltbelüfteten Mieten eingelagert. Diese Mieten bestanden aus einer speziellen Konstruktion auf der das Getreide oben aufgeschüttet wurde. Durch Luftzug trocknete dann das Getreide etwas weiter ab. Der Raps wurde ebenfalls getrocknet und gelagert und dann an die Mühlen geliefert. Den Raps und das Getreide bezog man aus den umliegenden Dörfern: Seefeld, Löhme, Ahrensfelde, Blumberg, Bernau, Lanke, Börnicke, Dannewitz ...Dort verfügte man nicht über entsprechende Lagerkapazitäten. Auf dem Gelände der VEAB hatte man 1965 und 1967 aber zwei Lagerhallen mit Lagerkapazität für je 6000 Tonnen Getreide errichtet. Es gab noch eine dritte Halle längst der Bahn mit 2700 Tonnen Fassungsvermögen. Die VEAB war mit dem VEB Mischfutterwerk Biesenthal zusammengeschlossen worden. Während die LPG-s ihr fertig getrocknetes und evtl. gelagerte Getreide selbst abholten, wurden größtenteil das Getreide über den vorhandenen Gleisanschluß mit dem Güterverkehr abgeholt.
Diese russische Trocknungsanlage konnte je nach Feuchtigkeit des Getreides ca. 8 Tonnen/h trocknen. Das Getreide wurde mit der abgebildeten mobilen Förderanlage von oben befüllt. Dann wurde durch warme Luft des eingebauten Dieselmotors das Getreide getrocknet. Das Foto entstand auf dem Hof der ehemaligen Dampfmühle.
Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Lehmanns vor der Dampfmühle wurde nach dem Krieg zunächst von Familien bewohnt. Nach der Übernahme durch die VEAB zogen die Bewohner aus und dort Büros, Frühstücks- und Umkleideräume eingerichtet.
Doch Ende der 70-ziger Jahre zogen die Büros in das gegenüber der Straße befindliche Haus um. In dem Gebäude zog jetzt vorübergehend die Stadtbibliothek ein. In dem Werkstattgebäude rechts neben der Villa befand sich eine Schlosserei und Werkstatt.
Die beiden heutigen Wohnhäuser rechts neben dem Speicher waren noch bis nach dem Krieg: Pferdestall. In den 50-ziger Jahren wurden diese Ställe zu Wohnungen für Betriebsangehörige umgebaut. Hier wohnten nachfolgend u.a. Fam. Rehfeld, Fam. Proksch und Fam. Pech.
Im großen Speichergebäude wurde ebenfalls Getreide gelagert. Unten war eine Absackstation für Hühnerfutter eingerichtet. Den Transport innerhalb des Gebäudes fand durch eine Elevatorenanlage statt. Diese Anlage war wohl auch von der VEAB eingebaut worden.
Das große Silo am Bahnanschluss mit der markanten Jahreszahl 1937 bestand aus 8 Zellen bzw. Lagerkammern. Von diesem Silo aus wurden die Wagons beladen. Je nach bedarf konnten die Kammern mit Raps oder Getreide getrennt die Wagons beladen.
Der große noch erhaltene Schornstein aus der Jahrhundertwende war an ein Dampfmaschinenhaus angeschlossen.
Um 1964 waren ca. 15 bis 20 Menschen auf dem Betrieb bestehend aus Lagerleiter, Silo- und Lagerarbeiter, Büroangestellte, Reinigungskräfte und Schlosser beschäftigt. Lagerleiter bzw. Verantwortliche für die Getreidewirtschaft waren u.a. Herr Frank aus Seefeld, Plettstößer aus Bernau, Klaus Klepper aus Biesenthal, Dieter Düvell aus Rudolfhöhe und zuletzt Hans aus Werneuchen.
Zu der Dampfmühle gehörte noch ferner abseits gelegen ein Haus mit Werkswohnungen. Das befindet sich an der Freienwalder Chaussee als letztes Haus vor dem Bahnübergang auf der linken Seite (Stadtauswärts betrachtet). Es diente nach der Wende zeitweise als Jugendclub. Es wird heute nicht mehr genutzt.
Das Verwaltungsgebäude im Jahre 2005 vor dem Abriss
Die Innenaufnahmen entstanden vor dem Abriss.
Das Gelände der ehemaligen Dampfmühle Lehmann-Schmidtke aus dem Weltraum aufgenommen.

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014