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Aus der Entstehung

An der bedeutsamen frühmittelalterlichen Handelsstraße, die von Berlin durch den Barnim nach der Oder führte, lag das befestigte Städtchen Beiersdorf, ein Ort, dessen militärische Bedeutung durch die Bezeichnung Oppidum oder Castrum hervorgehoben wird. Nun sind zwar beide Ausdrücke nicht identisch, sie bezeichnen vielmehr eine gewisse Entwicklungsstufe, und zwar insofern, als das Oppidum den Charakter des Markfleckens, der Stadt trug, während das Castrum vorwiegend den stark befestigten Ort als militärischen Stützpunkt in den Vordergrund schiebt.
Dass Beiersdorf seine Entstehung ins frühaskanische Zeitalter setzt, dürfte richtig sein. Es ist auffällig, daß sich derselbe Ortsname bei Nürnberg, bei Jüterbog, in der Neumark und in Vorpommern findet. Die Kolonisatoren, die von Nürnberg ins Sächsische zogen und bei Jüterbog den gleichnamigen Ort gründeten, sind ohne Zweifel die gleichen Stammesangehörigen, die bei ihrem weiteren Vordringen nordwärts unser barmimsches Beiersdorf und nicht viel später das neumärkische und pommersche gründeten. Wenn uns eine Urkunde aus dem Jahre 1264 berichtet, dass das pommersche Beiersdorf von einem Ritter Theoderich genannt Bauwarus oder Baier angelegt worden sei, so dürfen wir mit ziemlicher Sicherheit die gleiche oder wenigstens eine ähnliche Entstehung für unser Beiersdorf annehmen. Damit wäre dann der Ortsname auf eine ziemlich einfache Weise erklärt. Etwa zu gleicher Zeit als die Stadt Eberswalde taucht auch Beiersdorf in unseren frühesten Urkunden auf. Zunächst freilich als villa, d. h. als Dorf, und zwar erscheint es in Verbindung mit dem Nonnenkloster zu Friedland. Die Besitzungen dieses Klosters waren sehr umfangreich und gaben denjenigen von Chorin kaum etwas nach. Nun besagt die am 19. November 1300 zu Eberswalde durch den Markgrafen Albrecht ausgestellte Urkunde, dass zu den Besitzungen des genannten Klosters auch gehören „14 Hufen mit allen Rechten in Beierstorp". Nicht viel später stellen sich auch die Nonnen zu Spandau als Beiersdorfer Grundbesitzer vor. Ihr Probst erwirbt mit Zustimmung des Landesherrn im Dorfe Beiersdorf von den dort angesessenen Gebrüdern Heino und Lorenz Groß 91/2 Hufen Land, um den „Altar des Leibes Christi im Chor des Klosters" damit auszustatten. Markgraf Johann bestätigt den Kauf am 10. Februar 1317 und befreit diesen Landerwerb von allen öffentlichen Lasten. Als Markgraf Waldemar am 12. April desselben Jahres zu Eberswalde anwesend war, vermehrte er diesen Besitz des Spandauer Klosters noch um ein Pfund brandenburgischen Geldes, welche Abgabe alljährlich im Oppidum Beiersdorf erhoben werden soll.
Zwischen Februar und April 1317 ist also Beiersdorf vom Dorfe zum Oppidum aufgerückt. In diesem Jahr unterzog der große Waldemar den Handelsweg von Berlin nach der Oder, der bei Niederfinow die Finow überbrückte, einer Revision. Er verlegte seine Route sogar zugunsten der Stadt Eberswalde weiter westwärts, um ihn so über Eberswalde anzulenken. Es ist kaum zweifelhaft, daß Markgraf Waldemar damals auch die Erhöhung Beiersdorfs vorgenommen hat. Als Durchgangsort und Stützpunkt für Reisende und Militär sollte das an der großen Heerstraße gelegene Dorf durch die Erhebung zum Oppidum besonders befestigt und gekräftigt werden.

Aus der Geschichte bis zum 30-jährigen Krieg

In den Urkunden erscheint Beiersdorf zum ersten Mal 1267, in der Markgraf Otto III. dem Kloster Mariensee 5 Hufen Land in Beigersdorp übereignet, welche Schenkung 1275 durch die Markgrafen Otto V. und Albert III. bestätigt wird 89) unter der Bedingung, daß Kloster Chorin die Tilgung der auf diesen Hufen ruhenden Schuld ihres Vaters übernehme. 1335 wird dem Kloster die Zehnthebung durch den Brandenburger Bischof ausdrücklich bestätigt. Diese Pachtzinsen, welche nach der Verweltlichung des Klosters an das kurfürstliche Amt übergingen, wurden nach dem Choriner Erbregister noch im Jahre 1577 erhoben. Die abgabepflichtigen Beiersdorfer Bürger hießen damals: Peter Pulmann, Jores Engel und Jürgen Dippolt; sie zahlten zusammen 1 Tlr. 9 Gr. 4 Pf.
Nach einer Urkunde vom 13/11. 1300 besaß das Nonnenkloster zu Friedland „14 Hufen mit allen Rechten in Beierstorp". Nicht viel später stellen sich auch die Nonnen zu Spandau als Beiersdorfer Grundbesitzer vor. Ihr Probst erwirbt mit Zustimmung des Landesherrn im Dorfe Beiersdorf von den dort angesessenen Gebrüdern Heino und Lorenz Groß 9 1/2 Hufen Land, um den „Altar des Leibes Christi im Chor des Klosters" damit auszustatten. Markgraf Johann bestätigt den Kauf am 10. Februar 1317 und befreit diesen Landerwerb von allen öffentlichen Lasten. Als Markgraf Waldemar am 12. April desselben Jahres zu Eberswalde anwesend war, vermehrte er diesen Besitz des Spandauer Klosters noch um ein Pfund brandenburgisches Geldes, welche Abgabe alljährlich im Oppidum Beiersdorf erhoben werden soll. Der Besitz wird durch Landbuch und Schoßbuch auch weiterhin nachgewiesen,90) ist aber im Erbregister des Klosteramtes Spandau von 1590 nur noch wie folgt bezeichnet: „In Beyersdorff, einem offenen Flecken, so ins Amt Biesenthal gehört, 3 Tlr. 12 Gr. 6 Pf. jährlichen Hufenzins".91) -Endlich besaßen nach dem Landbuch von 1375 auch die Zisterziensennonnen in Zehdenick 5 Hufen im Dorfe, sowie der Altar der Wriezener Marienkirche den gleichen Landanteil bzw. dessen Zehnthebung. Es ist merkwürdig, dass von der aus 80 Hufen bestehenden Feldmark die Hälfte im Besitz geistlicher Institute war, eine Erscheinung, die wohl vereinzelt dasteht.
Von den übrig bleibenden 40 Hufen bezog zur zeit der Abfassung des Karolinischen Landbuchs den größten Abgabenteil der zu Biesenthal schloßgesessene Henning von Steglitz. 92) Ihm gehörten 13 Hufen von der Feldmark. Ebenso zog er als Verwalter des markgräflichen Schlosses die Bede mit 6 Mark brandenb. Silbers ein, desgleichen 4 Talente von den Mühlen (womit nur die beiden Windmühlen gemeint sein können, die am Südeingang des Dorfes lagen) - und ein Stein Wachs, ebenso den Hufenschoß des ganzen Dorfes, jährlich 13 Wispel Hafer. -

Das Landbuch von 1375 sagt ferner, dass gehörten denen von Löwenberg (zu Leuenberg gesessen) 6 Vi, denen von Britzig 7, denen von Krummensee (zu Altlandsberg) 5 3Ä. - (1416 waren es nur noch 4 mit einer Abgabe von je „einer Mandel Groschen" und 1 mit einer Urbedezahlung von 5 Mark Silber,93) und der Strausberger Bürgerfamilie Duncker 10 1/4 Hufen Land (1315 war schon ein Johann (aus) Beiersdorf „Consul in Strausberg").94)
89) Krabbo, Regesten der askan. Markgrafen, S.230 90) Riedel A XI 21. 91) Schulze, Spandau I 481. 92) Rudolf Schmidt, Stadt und Amt Biesenthal , Freienwalde 1924, S. 9 93) Riedel A XI 336 und XII 54/55. 94)Desgl. A XII 68.
Auch ein Eberswalder Patrizier, Henning von Welskendorp, dessen Familie wir drei Jahre später im Rate der Stadt finden,95) hatte Hebungen in Beiersdorf, nämlich an der einkommenden Bede 5 Talente, die ihm H. von Steglitz zu Biesenthal „vor 5 Jahren" (also 1370) bereits abgetreten hatte. „Ebenso haben die von Krusemark 1/2 vom Rutenzins", einer spezifisch städtischen Abgabe, woraus also auch der städtliche Charakter Beiersdorf hervorgeht. „Die Palmdag96) haben von jeder Hufe 1 Scheffel Weizen und 75 Scheffel Roggen, wenn die Hufen besetzt sind" (was damals anscheinend nicht der Fall war).
Merkwürdig ist schließlich auch die Hebung, welche die Bürger der Stadt Köpenick in Beiersdorf einzogen. Alte Leute erinnern sich, daß die Köpenicker alijährlich im Winter aus Beiersdorf Getreide holten, dass die Beiersdorfer verpflichtet waren, ihnen zu geben. Die Köpenicker kamen nach Sonnenuntergang und mußten vor Sonnenaufgang das Dorf verlassen haben, sonst war die Getreideabgabe hinfällig. Im Beiersdorfer Krug mussten die Köpenicker dann allemal eine Tonne Braunbier und Schnaps zum Besten geben. Bei der Stadt Köpenick liegen die Beiersdorfer Wiesen. Im Jahre 1467 hat Kurfürst Friedrich II. seinen Küchenmeister Peter Pletz mit dieser „Breite Landes" belehnt. 1510 verkaufte sie Familie Pletz das Land an den Bürger Benedict Krull zu Berlin. Dieser Krull erwarb 1524 von einem gewissen Joachim Funk eine Getreidepacht aus dem Dorfe Beiersdorf. Als Krulls Söhne im Jahre 1542 Land und Getreidepacht an die Stadt Köpenick veräußerten, und beides somit vereinigt wurde, erhielt das Land den Namen Beiersdorfer Wiesen - womit angedeutet wurde, daß mit dem Besitz dieser Wiesen auch jene Hebung, jenes Einkommen in Beiersdorf verbunden war. Funk war ein reicher Bürger der Stadt Köpenick, der mit dem ganzen Adel der Umgebung bedeutende Landgeschäfte gemacht hat. Der Landesherr muß ihm sehr gewogen gewesen sein, und für irgend einen Dienst, den er einmal seinem Landesfürsten erwiesen, hatte ihm dieser dann jene Hebung in Beiersdorf vermacht. Im Erbregister von 1599 steht: „Ein Rat zu Köpenick bekommt jährlich auf St. Andrea-Abend 1 !4 W. Roggen." 1844 wurde die Abgabe noch gegeben, wie Caroline Ballkow97) berichtet: „Am St. Lucastage sendet die Stadt Coepenick zwei Wagen nach Beiersdorf, welche mehrere Wispel Getreide holen. In früheren Zeiten durften die Wagen von Sonnenuntergang nicht einpassieren, und mussten vor Sonnenaufgang wieder fortfahren. Jetzt haben sie sich durch eine freiwillige Gabe von 1/2 Tonne Bier die Freiheit erkauft, früher kommen und später fahren zu dürfen.
Und woher die eigenartige Abgabe? „Ein altes Testament zu ehren, Das einst ein Fräulein-Paar ersann." So wenigstens hatte der Volksmund sich der Herkunft gedacht.
Weitere Hebungen werden verliehen: 1416 und 1443 den Bernauer Patrizierfamilien Hans und Arnd Rudenitz u. a. 3 Wispel Korn, und 1443 Hans Stephan, Bürger zu Bernau 1 V2 W. Roggen jährliche Rente.98) 1441 zogen an Abgaben ein Andreas und Urban Beiersdorf zu Bernau 36 Groschen Geld: von 2 Hufen (wiederholt in der Lehnsnotiz von 1451 und 1472), und endlich der Schöpfurther Eisenhammerbesitzer Hans von Waldow 1 V2 Stück Geld.99)
95) Ebenda A XII 309., 96) Eine Patrizierfamilie, die in der ganzen dortigen Gegend begütert war. 97) Caroline Ballkow, Gedichte, Berlin 1844, S. 66, 98) Riedel A XII, 178/80. 99) Rudolf Schmidt, Das Finowtal, 1924, S. 92/93
Alle diese Einzelhebungen gingen bis auf die nach Biesenthal zu leistenden (woran nach dem Landbuch von 1375 auch ein Kirchenaltar in Biesenthal beteiligt war) allmählich ein. Was die von Holzendorf zu Biesenthal (und Sydow) zu fordern hatten, sagt eine Lehnsnotiz aus dem Jahre 1441, nämlich „in dem Stedeke to Beiersdorf das Gericht, Dienste und Kirchlehn." Ferner hatten sie zu erhalten von 80 Hufen je 4 Seh. Hafer, sowie 9 Groschen jährliche Rente.
1482 wird in Nachfolge der von Holzendorf als Besitzer Biesenthals die Familie von Arnim mit diesen Einkünften belehnt. Dieser sehr interessante Lehnsbrief gibt auch ein Verzeichnis der damaligen Beiersdorfer Bürger, erwähnt den Rat, der 11 Schock Ur-bede an die von Arnim zu zahlen hat - und den Lehnschulzen daselbst, und spricht wieder von dem „Stedeken".
Die Namen der Bürger waren: Jasper Huwe, Hans Schulte, Hoppe, ferner Michel, Marcus und Peter Taschenberg - welcher Familie der im Südosten der Feldmark gelegene, ihr damals eigentümlich gehörende Taschenberg seinen Namen verdankt. Ferner folgen die Namen Vristick, Kopmann, Vogeler, Hans und Michel Richter, Perner, Peter Rode, Lucas und Peter Schulzendorf, Hans Moiner, Peter Buchholz, Mewes Schoppen.
Im Arnimschen Lehnsbrief von 1498 wird deren Einkommen in Beiersdorf wie folgt angegeben: Beyerstorp, Ober- und Niedergericht über das ganze Stedeken und Dienste, sowie 2 Wisp. 10 Seh. Roggen, 12 Seh. Gerste, 13 W. Hafer und 18 Groschen.100) Mehrmals haben sich im Laufe der Zeit diese Abgaben verändert,101) auch die von Krummensee traten ihren Besitzteil 1554 an die von Arnim ab.
Als 1577 Biesenthal in ein kurfürstliches Amt umgewandelt wurde, wurde Beiersdorf ein Amtsdorf. Das Erbregister von 1599 nennt Beyerdorf „einen offenen Flecken", der dem Kurfürsten gehöre mit oberen und niederen Gerichten, Kirchlehn, auch Zinsen, Pachten und ihren schuldigen Diensten. Die Gemeinde, aber wie sie es nennen ein Rat daselbst, gibt jährlich ins Amt:
23 Taler 12 Silbergr. Urbede, 16 Grosch. Zehrgeld, 6 Zehrhühner, 6 Scheffel Zehrhaber.
Zum Einzelnen gibt das Erbregister folgende interessante Aufstellung:
Hüfner wohnen in diesem Flecken 17, und ob sie wohl vor denen von Arnim vor alle Dienste feind angeschlagen, so helfen sie doch nicht zum Ackerbau, sondern sein Kurf. Gnaden mit allerlei Fahrreifen zum Bauen und die Abfuhr zu tun schuldig.
Sie gaben jährlich ins Amt Biesenthal Roggen- und Haferpacht, je nach dem Hufenbesitz zwischen 2 Scheffel und 1 Wispel, Dienstgeld zwischen 2 und 22 Groschen sowie 6 Gr. 9 Pf. Geldpflege. Der Krüger außerdem noch 2 Tlr. 16 Gr. alte Brauzinse. Namen und Hufenbesitz waren folgende: Thomas Müller (hat 6 Hufen) - Jürgen Winkelmann 4 - Andreas Schulze 3 - Brose Zerbst 2 - Hans Müller 6 - Peter Götzke 5 -Jürgen Dibbold und Märten Biese, je 3 - Jörs Engel und Hans Schmidt, je 5 - Baltzer Beator 3 - Jakob Wymann 5 - Paul Wegener 3 - Hans Bredereiche 5 - Kersten Dibboid 2 - Tewes Hunicke 5 - Casper Beator 5 und eine Braustätte.
100) Riedel A XIII 414 101) Reral Devrient. Arnimsches Urkundenbuch,
Dass Beiersdorf, so lange es Stadt war, einen Magistrat hatte, ergibt die Lehnsconf. für H. v. Armin v. J. 1482, nach welcher „der Rath des Städtchens" an denselben die Orbede zu zahlen hatte. Nach dem Jahre 1592 war an die Stelle des Rathes wieder, wie früher, der Schulze getreten. Von Immunitäten, welche den Städten sonst eigenthümlich waren, findet sich bei Beiersdorf übrigens keine Nachricht; nicht einmal daß dieser Ort Marktrecht besessen hätte. In der Gerichtsverwaltung war, da derselbe nur ein Mediatstädtchen gewesen, eine wesentliche Veränderung nicht eingetreten, da es als solches wie als Dorf jederzeit unter der Vogteigerichtsbarkeit und dem Amtsgericht gestanden hat.
 

1683, Beiersdorf auf einer Landkarte des Barnim

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Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014