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Bronzeplastik "Eselreiter" des Künstler August Gaul von 1912 im Rathaus Spandau, Vestibül Der Esel, den Tilla Durieux, die Gattin des Kunsthändlers Paul Cassirer, den Kindern des Bildhauers schenkte, wurde von August Gaul mehrfach als Modell genommen. Sein Sohn Peter war das Vorbild für den reitenden Jungen. Die Gruppe war Gauls erfolgreichste Großplastik, viermal ist sie zu Lebzeiten des Bildhauers gegossen worden. Das Exemplar im Spandauer Rathaus stand ursprünglich im Park des Gutshauses "Neu-Kladow" von Johannes Guthmann. Dort ist noch Gauls Gedenkstein für die früh verstorbene Schwester Guthmanns erhalten. (Ursel Berger). Eine weitere Plastik des "Eselreiter" befindet sich in Frankfurt auf dem Gelände des Städelsches Kunstinstitutes.

 

August Gaul

 

August Gaul - Tierbildhauer (1869 – 1921)

Die großen Tierplastiken geben dem bildhauerischen Werk Gauls Geltung. Sie sind Bildwerke von außerordentlichem Wert und gehören zu den besten Plastiken der Epoche des fin de siècle. Gaul war der erste moderne Bildhauer Deutschlands.

 

Am 22. Oktober 1869 wurde er in Großauheim geboren. Als Dreizehnjähriger besuchte er die Königliche Zeichenakademie Hanau bei Max Wiese und August Offterdinger. Zwei Jahre arbeitete August Gaul in einer hiesigen Silberwarenfabrik als Modelleur und Zieseleur; 1888 ging er nach Berlin.

Im Atelier des Bildhauers Alexander Calandrelli bildete er sich weiter und besuchte Kurse im Kunstgewerbemuseum. Dort gewann er eine Dauerfreikarte für den Berliner Zoo, die ihm ein Studium exotischer Tiere ermöglichte.

    

August Gaul (1869 – 1921)

 

1893 entsteht seine erste Tierplastik: der sitzende junge Löwe. Zwischen 1894 und 1898 gelang es ihm, im Atelier des größten damaligen Berliner Bildhauers, Reinhold Begas, zu arbeiten. Dort war man mit der Schaffung des monumentalen Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I. beschäftigt. Gaul konnte sich mit den zwei im naturalistisch-neubarocken Stil gehaltenen Löwen als eigenständiges Werk innerhalb des Denkmalgesamtkonzeptes etablieren. Mit einem Relief, das Menschen und Löwen in einer Arena während der Christenverfolgungen im Römischen Reich darstellt, gewann er einen Preis der Akademie der Künste in Berlin. Hierdurch wurde ihm eine Studienreise nach Italien 1897/98 möglich.

    

junge Bären

Zwei junge sitzende Bären von August Gaul, Bronze, Berlin 1904

    

In Rom schloss er sich dem Kreis um Adolf von Hildebrand an, der durch seine kunsttheoretische Abhandlung einen Gegenpol zu Reinhold Begas bildete. Durch den Italienaufenthalt vollzog sich auch in August Gauls Werk der Übergang vom Neubarock zum Neuklasssizismus. Die Bronzeplastik zweier liegender römischer Ziegen von 1898 zeigen dies deutlich.

Die Berliner Sezession, ein 1898 gegründeter Zusammenschluß von Künstlern, zählte namhafte Künstler wie Max Liebermann, Max Slevogt, Lovis Corinth, Walter Leistikow, Louis Tuaillon und Fritz Klimsch zu ihren Gründern, denen sich auch August Gaul anschloß.

 

Elefant und Kasuar

Trompetender Elefant und Kasuar, Bronze, 1905 und 1920

    

Mit dem Berliner Kunsthändler, Verleger und Mäzen Paul Cassierer entwickelte August Gaul eine wirtschaftliche Zusammenarbeit, aus der auch ein freundschaftliches Verhältnis entstand. Als "Paulchen und Gaulchen" bezeichnete ihr Künstlerfreund Ernst Barlach die beiden.

 

Mit der Plastik der großen stehenden Löwin in der Sezessionsausstellung 1901 gelangte August Gaul der große künstlerische Durchbruch. Dieses Hauptwerk von 1900 ist im Museum Großauheim zu sehen.

 

 

Ein weiterer enger Künstlerfreund Gauls war Heinrich Zille.

 

Gerne kehrte Gaul in seinen Geburtsort Großauheim zurück und unternahm, auch mit seinen Berliner Freunden, Ausflüge in die Umgebung. Bleistiftskizzen und farbige Zeichnungen zeigen Motive der Umgebung Hanaus.

    

Neben zahlreichen kleinen Tierplastiken, wie den römischen Ziegen, dem Strauß, den Bären, Schafen, Widder oder Elefant im Museum Großauheim, bildet die große Tierplastik insbesondere in Verbindung mit Brunnen ein wesentliches Werk im künstlerischen Schaffen Gauls.

Um 1900 entsteht das Kaufhaus Wertheim als ein Beispiel neuer Architektur. Den Bärenbrunnen mit drei Figuren im Eingangsbereich gestaltet Gaul. Davon überstanden lediglich die zwei sitzenden jungen Bären die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, die sich heute im Museum Großauheim befinden.

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Laufender Orang-Utan, schreitender Strauß, Bronze, 1910 und 1903

 August Gaul mit Esel

August Gaul mit Esel im Garten seines Hauses in Berlin, Photographie um 1910

Zu den lebensgroßen Tierplastiken August Gauls, der Löwin, der zwei sitzenden jungen Bären und den vier Enten zählen die 1917 begonnenen Kasuare, als sich zwei aufeinander beziehende Tiergruppen. Es sind herausragende Großplastiken aus dem Spätwerk des Künstlers. Der mehr als ein Meter hohe exotische Laufvogel kann aufgrund der Materialknappheit im Ersten Weltkrieg erst 1919/20 gegossen werden.

Die Serie der Tierplastiken des kleinen Zoos waren auch aus der Materialnot des Krieges geschaffen. Das graphische Werk des Künstlers wurde in Mappen ab 1911 von Paul Cassierer verlegt.

 

Kurz nach seiner Ernennung zum Senator der Akademie der Künste, ein Amt das er nicht mehr antreten konnte, starb August Gaul am 18. Oktober 1921 in Berlin.

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014