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Die Kirschbaums


· Zwei Weltkriege mit ihren Wirrnissen haben tief in die Lebensgeschichten der Familien eingegriffen. Verwandtschaftliche Bindungen lockerten sich und gingen verloren. Mit jedem Abscheiden eines Verwandten verschwanden noch die bis dahin noch vorhandenen Kenntnisse vom Schicksal anderer. Von seiner Mutter Charlotte Schumann, geb. Kirschbaum (*1899) erfuhr er noch manches aus der Familiengeschichte der Kirschbaums. Nachdem sein Vater Alfred Schumann (*1900, †1986) seine Augen für immer schloss und sich noch einige Unterlagen aus der Geschichte der Kirschbaums fanden, war der Zeitpunkt zu einer Ergänzung der Familiengeschichte gekommen.

· Wilhelm A. Kirschbaum soll seinerzeit durch folgende Begebenheit zur Zusammenstellung eines Stammbaumes 1907 angeregt worden sein. Auf einer Geschäftsreise traf er einen Herrn, der sich ebenfalls als Kirschbaum vorstellte. Dieser bekannte sich jedoch zum Judentum und das berührte den W. A. Kirschbaum derart, dass er beschloss so weit wie möglich das Herkommen seiner Vorfahren zu ergründen. Der älteste bekannte Vorfahr Friedrich Kirschbaum war Reichsschöffe in Hönow bei Berlin. Sein Sohn Peter ist 1659 geboren und heiratete im Jahr 1699. Das Jahr seiner Geburt fiel in die Regierungszeit Friedrich Wilhelms, des "Großen Kurfürsten". Dieser regierte in der damaligen Mark Brandenburg von 1640 bis 1688. Ihm gebührt der Ruhm, in dem von der Kriegsfurie zerissenen und zertretenen Deutschland die Fahne Brandenburgs zum Sammelpunkte des deutschen Volkes zu machen. Ihm war es zu verdanken, dass in Deutschland auf protestantischen Boden einem preußischen Königshaus und zu einem neuen deutschen Kaiserhaus der Grundstein gelegt wurde. Peter Kirschbaum in Hönow, östlich von Berlin, war 16 Jahre alt, als die Soldaten des Kurfürsten am 18. Juni 1675 bei Fehrbellin über die Schweden unter General Wrangel siegten. Die Regierungszeit des Kurfürsten war gekennzeichnet von zahlreichen Kriegszügen, die zweifellos viel Leid und Elend auch für die Einwohner der Mark Brandenburg mit sich brachten.

· Im Geschichtsbuch der Fanny Kirschbaum aus dem Jahr 1880 steht:

· Trotz der vielen Kriegsjahre gelang es dem großen Manne Handel und Gewerbe in seinen Ländern zu einem raschen Aufschwung zu bringen. Der „Friedrich-Wilhelm-Kanal“, die Gründung einer Handelscompagnie, die von ihm eingeführten Posten, die Bibliothek zu Berlin und viele Eisenhämmer zeugen zum Theil noch heute von der Fürsorge des unsterblichen Regenten. Die von ihm gern aufgenommenen aus Frankreich vertriebenen Reformirten (französische Kolonien) und eingewanderte Holländerführten dem Lande neue Erwerbszweige zu. Kartoffeln und Tabak wurden angebaut, Kaffee und Thee kamen in Gebrauch. Der Kurfürst hatte kennen gelernt, wohin religiöse Undultsamkeit führt, daher verdroß ihn das Gezänk zwischen den lutherischen und refomirten Geistlichen, das selbst von der Kanzel herab geführt ward. Auch der Dichter und Prediger Paul Gerhardt war hierbei beteiligt. Unter Friedrich I. hatte das Kurfürstenthum 935 Quadratmeilen, am End der Regierung Friedrich Wilhelme zählte es über 2000 Quadratmeilen mit 1 1/2 Millionen Einwohnern.

· Die Geschichte der Kirschbaums in Seefeld beginnt mit Peter Kirschbaum (*1659) der als Einwohner in Seefeld am 27. Dezember 1699 die Jungfrau Ursula Grünfeld (†6.1.1713), die Tochter von Caspar Grünfeld, Einwohner von Seefeld heiratet. Der Ehe entsprangen 5 Kinder. 1. Anna (*3.2.1701), 2. Katharina (*9.5.1702, 3. Friedrich (30.10.1704), 4. Maria Elisabeth (*10.2.1708) und 5. Anna Maria (*12.9.1710). Nach dem Tod seiner Frau Ursula heiratete Peter Kirschbaum am 27. Oktober 1713 Anna Oswaldt. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. 1. Dorothea Elisabeth (*13.11.1715) und 2. Peter (*13.7.1718), der 1751 Anna Sophie Beerbaum heiratete. Aus der Ehe entsprangen 5 Kinder. 1. Tochter Eva (*Jan. 1721), 2. Martin (*28.10.1723), 3. Elisabeth (*Aug. 1726), 4. Michel (*6.9.1729 und 5. Andres (*30.10.1732).

· Peter Kirschbaum starb 1755 im Alter von 96 Jahren.

· Martin Kirschbaum, erster Sohn von Peter Kirschbaum aus zweiter Ehe übernahm dann den Hof. Im Jahr 1748 heiratete er Maria Dorothea Schalin. Der Ehe entsprangen 8 Kinder. 1. Dorothea Sophie (*24.11.1748), 2. Maria Elisabeth (*23.7.1750), 3. Martin Friedrich (*30.4.1753), 4. Dorothea Elisabeth (*23.9.1755), 5. Maria Dorothea (*2.4.1758), 6. Maria Dorothea (*5.10.1760 und 7. Michel Friedrich (*28.7.1763). (Michel Friedrich heiratete mit 36 Jahren am 27.11.1799 die 29-jährige Dorothea Sophie Preusse, einzige Tochter des Cossäthen Preusse in Seefeld.) und 8. Andreas (*22.4.1767).

· Martin Kirschbaum starb am 14. April 1794 nach langjährigen Lager an einer auszehrenden Krankheit. Er war ein kluger, ordentlicher Hauswirt, ein nützlicher und tätiger Mann und ein fleißiger Kirchgänger, der ohne höchste Not keine Predigt versäumte. Er brachte sein Leben auf 70 Jahre. Er war der vater von 8 Kindern und Großvater von 6 Kindern. Seine Ehefrau Maria Dorothea Schalin starb am 15. März 1802 im Alter von 75 Jahren an Entkräftung.

· Sein Sohn Martin Friedrich Kirschbaum übernahm dann die Wirtschaft. Er heiratete am 14.11.1782 die Luisa Bredereck aus Blumberg 

· 1. Fritz Kirschbaum (*4.5.1859 in Seefeld) war der ältere Bruder von Wilhelm Kirschbaum aus Seefeld, der bereits 1913 in Pirna verstorben war. Fritz Kirschbaum kam über die Heirat mit Ernestine Gladow nach Werneuchen. Aus der Ehe kamen 2 Söhne und eine Tochter hervor. 1. Friedrich Wilhelm "Willi" August Kirschbaum (*16.6.1889 in Werneuchen, verh. im Januar 1917 mit Lilli Hütt (*1891, +1947), Tochter des bayerischen Offiziers Julius Hütt. 2. Ernestine Luise Frieda Kirschbaum (*3.9.1891 in Werneuchen, + 1926 an TBC), verh. 1920 mit dem Baumeister Emil Petrick in Werneuchen. Der Ehe entsprang die Tochter Ruth Petrick (*1921). 3. Friedrich "Fritz" Wilhelm Kirschbaum (*19.4.1893 in Werneuchen, + 20.6.1956 in Hamburg-Harburg an Herzschlag). Er war in 1. Ehe mit Grete Brubach, Stenotypistin verheiratet. Die Ehe wurde 1928 geschieden. Dieser Ehe entstammten eine Tochter Brigitte Kirschbaum (*(*1921) von Beruf Tänzerin, Ausbildung bei Mary Wigmannt. Aus 1933 geschlossener zweiter Ehe mit Marianne Krüger kam Sohn Peter Kirschbaum (*1937) hervor, der Postinspektor war. 

· Vom jüngeren Bruder Ernst ist der berufliche Entwicklungsweg nicht bekannt, aber er muss ähnlich gewesen sein. Der jüngere nahm sich den älteren immer zum Vorbild und dieser unterstützte den jüngeren auch stets brüderlich und großzügig, trotz mancher Differenzen zwischen beiden,

· Das geht aus dem Briefwechsel hervor, der zwischen den Brüdern Wilhelm (in Leipzig), Friedrich (in Werneuchen) und Ernst (in Pirna) geführt wurde.

· (Briefkopien befinden sich in zwei „Copirbüchern" 1881 bis 1908 und privat 1906 bis 191 1, die ich im vergangenen Jahr dem Museum in Pima zum Zweck der Aufarbeitung der regionalen Industriegeschichte übergeben habe. Außer mir interessiert sich niemand der noch lebenden Nachfahren der Familie K. für die „Familiensaga", nicht einmal zwei Enkel und eine Enkelin von Ernst K. Das hat wahrscheinlich Gründe in dem weiteren bedauerlichen Schicksal dieser Familie. Hätte ich geahnt, daß Ihrerseits Interesse an der Familie Ernst K. wegen der Pfarrerstochter Oehme besteht, hätte ich das mühsame Studium der Briefkopien in Sütterlinschrifl aufmerksamer betrieben. Aber - ein Zugriff zu diesen Quellen ist auf Grund meines Vertrages mit dem Museum jederzeit möglich. Es muss sich nur jemand finden, der die Auswertung übernimmt.)

· Offenbar ist Ernst K. durch seinen Bruder Wilhelm in die Glasindustrie und nach Sachsen gekommen.

· Der Pfarrer in Seefeld Emil Oehme war der Sohn des Lehrers Karl Heinrich Gottlob Oehme und von Johanne Christiane (geb. Schröter). Er besuchte das Gymnasium und die Universität in Halle, war 1859 Zivilerzieher am Kadettenhaus Potsdam, wurde am 24.3. 1867 ordiniert und im gleichen Jahr Archidakon (so etwas wie Superintendent) in Bernau. Dort heiratete er am 20. August 1867 Therese Louise Auguste Wiese, Tochter des Gutsbesitzers Wiese aus Weesow. Er wurde am 1. Oktober 1896 emeritiert. Die Frau des Pfarrers Oehme verstarb bereits nach wenigen Ehejahren. Außer der Tochter Elisabeth hatte das Ehepaar keine weiteren Kinder. 

· Erstes Kind war Walter Ernst (geb. 21.08.1895, Soldat im Ersten Weltkrieg, Freitod 1924)

· Zweites und drittes waren die Zwillinge Erich Wilhelm und Hermann Ernii (geb.

· 10.10.1898), viertes Johannes Otto (geb. 04.10.1905, verheiratet 1938, gefallen

· 20.08.1942).

· Wie Ernst Kirschbaum zum Teilhaber der Glasfabrik „Gebr. Hirsch" in Pima geworden ist, weiß ich nicht. Jedenfalls ist die Fabrik nach seiner Frau „Elisabethhütte" benannt worden und Ernst K. als „Fabrikbesitzer" bewohnte mit seiner Familie eine noble Villa in Pirna im „Nikolaipark". Aus der Korrespondenz ist zu entnehmen, daß es mit dieser Fabrik stets wirtschaftliche Schwierigkeiten gab. Mein Großvater Wilhelm hing immer irgendwie in dieser Glasfabrik mit drin. Verwandte (insbesondere der ältere Brader Friedrich [„Fritz"] in Werneuchen) und Bekannte wurden um finanzielle Hilfe angegangen, die meistens auch gewährt wurde.

· Hier füge ich eine Passage ein, die in einer Festschrift „100 Jahre Sparkasse der Stadt Pima" (von Erwin Grumpelt, 1938) zu finden ist:

· „... Da ist in erster Linie die Glasfabrikation zu nennen. 1874 wurde die älteste Pirnaer Glashütte der Gebr. Hirsch errichtet, der im Laufe der Zeit die Gründung weiterer Glasfabriken folgte, so daß schließlich nicht weniger als sieben große Unternehmungen mit über 1000 Arbeitern nebeneinander bestanden. Leider ist gerade diese für Pima einst kennzeichnende Industrie in der Nachkriegszeit bis auf die noch bestehenden „ Vereinigten Zwieseler u. Pirnaer Farbenglaswerke " und das „ Werk Copitz der AG für Glasindustrie vorm. Friedrich Siemens" eingegangen. ..."

· Wilhelm K. wollte helfen, indem er seine an sich florierende Fabrik in Leipzig aufgab und mit der Familie (fünf Kinder; meine Mutter war das vierte, 1899 geboren) nach Pirna zog, wo er gemeinsam mit Bruder Ernst dem Niedergang des Unternehmens entgegensteuern wollte. Um für die große Familie ein standesgemäßes Unterkommen zu haben, ließ er 1909

· eine Villa dicht bei der „Elisabethhütte" bauen. Aber es war der Familie nur kurze Zeit vergönnt, darin zu wohnen. Der Niedergang der Fabrik ließ sich nicht aufhalten. Die Villa steht noch heute in der Max-Sehwarze-Straße in Pima. Aus Akten wäre sicher noch erkennbar, ob es zu einer Zwangsversteigerung kam, oder wie die Auflösung ablief. Das muss 1909/1910 gewesen sein.

· Der historischen Exaktheit wegen muss hier ein Unglück erwähnt werden, das außer der Kreditgewährung (und dem Verlust des Kredits) das harmonische Verhältnis aller „Kirschbäume" in Pima, Wemeuchen, Seefeld, Lindenberg und Schwanebeck gewiss nachhaltig getrabt hat. Unangenehme, peinliche Vorkommnisse werden ja in der Regel in allen Familien (und nicht nur dort) verdrängt und tabuisiert. Deshalb ist mir als weit Nachgeborenem auch nichts Genaues bekannt. Ich kann das Geschehene nur vage aus knappen Andeutungen meiner Mutter (die das wahrscheinlich auch nur von ihrer ältesten Schwester wußte) und aus mir noch vorliegenden Briefen rekonstruieren: Wilhelm, Ernst und auch Fritz in Wemeuchen waren leidenschaftliche Jäger. Wilhelm hatte in Leipzig ein Jagdrevier gepachtet. Ernst oder W'ilhelm (oder beide zusammen) hatten auch eines in Wingendorf in der Nähe von Pirna. Man lud sich gegenseitig zu Jagden ein, Bekannte und Geschäftsfreunde dazu. Bei einer Jagd in Wingendorf um die Jahrhundertwende muß es passiert sein, daß Ernst K. seinen Kompagnon Joseph Hirsch versehentlich anschoß und dieser verstarb dann in einer Dresdner Klinik an der Schußverletzung.

· Welchen Schatten das auf die Geschäftsführung der „Elisabethhütte" warf, kann man sich ja denken.

· Dieses bedauerliche Ereignis mit den nachfolgenden Aufregungen über die polizeilichen Ermittlungen, Gerichtsverhandlungen, Schadenersatzforderungen der Witwe Laura Hirsch und der Söhne Paul und Ludwig Hirsch (beide im Ersten Weltkrieg gefallen) hat die Brüder Wilhelm und Ernst K. wahrscheinlich zusätzlich zum unaufhaltsamen Niedergang der „Elisabethhütte" psychisch stark belastet und vermutlich zum offenen Konflikt geführt. Ernst K. verließ 1910 mit seiner Familie Pirna und ging nach Altenburg. Dort verstarb er 1912 im Alter von 46 Jahren.

· Mein Großvater Wilhelm K. starb an Herzversagen ein Jahr später (52 Jahre alt) in Pirna. Eine betagte Tante meines Kindheitsfreundes in Pirna, die ich vor etwa 30 Jahren befragte, ob sie von ihren Eitern etwas über diesen Jagdunfall gehört hätte, hat mir berichtet, daß mein Großvater wegen dieser Sache „gesessen" hätte. Das glaube ich aber nicht, denn das hätte mir meine Mutter nicht verschwiegen. Vermutlich liegt eine Verwechslung mit dem Bruder Ernst vor, der womöglich in Untersuchungshaft gekommen ist.

· Die beiden Witwen Elisabeth K. mit vier Kindern in Altenburg und Fanny K. mit fünf Kindern in Pima müssen nach dem Sturz von Wohlhabenheit in Armut und noch dazu im Ersten Weltkrieg mit nachfolgender Inflation sehr viel durchgemacht haben. Der Zwilling Erich K. war in Altenburg verheiratet und aus der Ehe soll es eine Tochter geben. Erich K. war im HO-Fischgroßhandel tätig und er hat 1960 und 1963 meine Mutter in Pirna besucht. Der Zwilling Hermann K. ist bereits 1925 oder 1927 verstorben. Johannes K. war vor dem 2. Weltkrieg als Zollinspektor in Teschen tätig, wo wahrscheinlich auch seine drei Kinder geboren sind.

· Die Kirchenbücher der Gemeinde Hönow beginnen mit dem Jahre 1696. Von dieser Zeit bis zum Jahre 1710 finden sich in dem Tauf-, Trau- und Sterberegistern keine Eintragungen betreffend die Familie Kirschbaum.

Evang.-Iutherischer Religion, ist es der Familie Kirschbaum vergönnt gewesen, sich bis zur Gegenw:in fast auschliesslich mit dem schönen Berufe des Ackerbaues und der Viehzucht zu befassen; nur wenig« gingen zu anderen Berufen über. — Das Stammgut (ca. 220 Morgen) in Seefeld war im Besitz folgender Kirschbäume:

· von 1699—1748 Peter

· II. von 1748—1782 Martin

· III.  von 1782 — 1809 Martin Friedrich

· IV.  von 1809—1844 Martin Friedrich

· V. von 1844 — 1871 Friedrich Wilhelm.

· Letzterer Friedrich Wilhelm Kirschbaum und Caroline Luise Lehmann hatten 7 Kinder. 1. Auguste (*1845, †1871), verheiratet mit August Dahle aus Seefeld, später wohnhaft in Berlin und Seefeld. Der Ehe entsprangen 2 Kinder: 1. Elise (*23.4.1808) und Minna (*26.3.1870), 2. Gustav (*11.2.1846, †11.8.1867 in Seefeld), 3. Karl (*28.1.1851, †12.6.1871 in Seefeld), 4. Minna (*1.5.1856, †1910) verheiratet 1879 mit Hermann Schreiber (*10.11.1848). Der Ehe entsprangen 2 Kinder: 1. Fritz Martin Hermann (*30.12.1879) und 2. Ernst Wilhelm Gustav (*15.10.1881), 5. Friedrich „Fritz“ (*4.5.1859, †11.3.1938) verheiratet am 3.5.1887 in Werneuchen mit Ernestine Gladow (*17.10.1853. Der Ehe entsprangen 3 Kinder: 1. Wilhelm (*19.4.1889), 2. Frieda (*3.9.1891 und 3. Friedrich (*16.6.1893), 6. Wilhelm (*3.1.1861, †18.3.1913 in Pirna), verheiratet 1889 mit Franziska „Fanny“ Zahl (*28.6.1868 in Altlandsberg). Der Ehe entsprangen 5 Kinder: 1. Margarethe (*27.7.1890), 2. Gertrud (*21. Mai 1892), 3. Ilse (*8.4.1897, 4. Charlotte (*24.5.1899) und 5. Martin (*9.4.1901), 7. Ernst (*12.12.1866, †1912), verheiratet 1894 mit Marie Elisabeth Oehme (*22.12.1872), Tochter des Pastors Emil Leopold Oehme zu Seefeld (*2.2.1827 in Reideburg bei Halle, †30.3.1913 in Pirna?, 1883 Pfarrer in Seefeld) und seiner Ehefrau geb. Wiese. Der Ehe entsprangen 4 Kinder: 1. Walter (*21.8.1895), 2. und 3. Erich und Hermann (*10.10.1898) und 4. Johannes (*4.10.1905)

· Friedrich Wilhelm Kirschbaum und Caroline Luise (geb. Lehmann) verkauften 1871 das Stammgut in Seefeld zum Zwecke des Parzellierens zum Preise für 27.000 Taler. Wilhelm war des Wirtschaftens überdrüssig weil er innerhalb weniger Jahre drei seiner erwachsenen Kinder verloren hatte und weil er angeblich „auch recht pessimistisch veranlagt war“. Durch den beendeten französischen Krieg waren die Leute knapp, er glaubte die hohen Löhne könne die Wirtschaft nicht mehr abwerfen, denn — wie er so gern hervorhob — zahlte er ja schon für einen Mann bei freier Wohnung und Beköstigung die Woche einen Taler!

· Jedenfalls durch den Verkauf gab es für die letzten beiden geborenen Söhne (damals 10 und 15 Jahre alt) keine berufliche Zukunft mehr auf der väterlichen Wirtschaft. Das Geld aus dem Verkauf ermöglichte jedoch eine gehobene schulische Ausbildung. Wilhelm K. besuchte von 1872 bis 1877 die Höhere Bürgerschule in Neustadt-Eberswalde, war von 1878 bis 1881 kaufmännischer Lehrling in der "Großhandlung für Spiegel- und Fensterglas von Theodor Hartmann und Walter Schultze in Berlin mit Filialen in Osnabrück und Leipzig. In der gleichen Firma war er danach als Handlungsgehilfe tätig und wurde nach kürzeren anderweitigen Anstellungen in Hamburg und Bielefeld im September 1885 in der Leipziger Filiale erneut eingestellt. Im Jahr 1888 wurde er Mitinhaber der Fa. Wilhelm Brümmer in Leipzig und gründete am 1. Februar 1894 mit Hermann Hellweg (der ebenfalls bei Hartmann und Schultze in Berlin gelernt hatte) die „Leipziger Spiegelmanufactur“. Von da an nannte er sich „Fabrikbesitzer“.

· Wilhelm Kirschbaum war übrigens das Original eines gediegenen, biederen Ökonoms, etwa nach dem Muster eines Onkel Bräsig aus Fritz Reuters Werken. Es wird deshalb wohl nicht verübelt werden, wenn hier so einzelne der Begebenheiten, die sein Wesen charakterisieren sollen, festgehalten werden:

· Im Jahre 1869 nahte der Tag der Silbernen Hochzeit mit seiner Louise (so nannte er sie-, wenn er artig und zärtlich war, sonst nur: Mutter), — es war Sonntag, er glaubte keine verwandtschaftliche Seele denke an seine „Silberne", und behaglich hielt er sein Mittagsschläfchen, als er plötzlich Wagenrasseln vernahm; es rollte eine Kalesche nach der andern auf den Hof. Als Freund der Geselligkeit war er über den unerwarteten zahlreichen Besuch durchaus erfreut, — aber es war ja doch nischt besorgt! — „Luise, nu häbben we aber doch nischt da!" — „Ist alles besorgt!" — „Ook Gilka?" — „Alles da!" — „Zigarren?" —.„Hat Karl mitgebracht!" — „Na, denn Gottlob!" — und viele der noch lebenden Verwandten werden sich noch erinnern, dass es nicht nur recht fidel herging, sondern auch niemand, dank der Fürsorge von „Muttern", mit leerem Magen abzuziehen brauchte.

· Steuern zahlte er nicht gern, liebte aber doch das Militär und freute sich namentlich, dass sein Ältester den Vorzug hatte, beim 1. Garderegiment zu Fuss in Potsdam zu dienen. Als nun Fritz, als Reservist zurückgekommen, in die Stube getreten war, hatte Vaters Auge wohl sofort das Gesuchte entdeckt: „Mutter, na siehste denn nischt? — nee, — na, siehste denn wirklich nischt?!" — „Nee, ick seh' nischt!" — „Na, kiek doch mal, er hätt ja de Tressen!" —

· Er war leidenschaftlicher Angler, meist im Schlafrock dritter Garnitur — wegen der Sauberkeit. Der Kantor Sch. aus Werneuchen war lange Zeit sein intimster Angelkollege, der sich regelmäßig wöchentlich zweimal einstellte, zum Verdruss des Vaters aber „nicht stille sass", „keine Pieräser mitbrachte", das Angeln seiner Meinung nach „überhaupt nicht verstand", nichts fing — kurz und gut, „wenn er doch nicht wedder kommen wolle". Die Stunde des nächsten Freitag nachmittag, in der sich Freund Sch. wieder einfinden müsste, ist da. Vater steht vor der Tür, äugt sehnsuchtsvoll in Richtung Werneuchen. Da — schnell kehrt! „Mutter, weess Gott, der Olle kommt wirklich wedder." — „Na, denn mach mal schnell Kaffee! —"

· Selbstgefülltes Weissbier wurde in der Familie stets gehalten — Vaterns halber. — Sassen wir nun in der Stube und Vater wollte Bier haben, gab er dies nicht etwa direkt zu erkennen, sondern wandte sich an seine mitfühlenden Jungens: „Junge, Haste Dorscht?" — „Na", sagte Mutter: „ich war' schon eene hol'n!"

· So könnte ich noch mancherlei Originelles von „Vätern" erzählen, ich fürchte aber stille Vorwürfe, damit über den Hauptzweck des Buches zu gehen.

· Vom Photographieren war er kein Freund; dass er sich dennoch hierzu hergab, ist mehr einer Überrumpelung zu verdanken, und da kein Bild seiner Väter und Brüder vorhanden war, ist das seinige das älteste was wir haben; wir bringen es deshalb auf Seite 28 und „Muttern" dazu.

Martin Friedrich Anton Kirschbaum-Doss

· Eine ebenfalls — aber in anderer Art — interessante Persönlichkeit war der in Seefeld lebende Martin Friedrich Anton Kirschbaum-Doss. Er war mit Pauline Thürling verheiratet. Der Ehe entsprangen 3 Kinder. 1. Alice (*8.7.1873 in Seefeld), verheiratet mit Hermann Büttner (*25.4.1857 in Bolkenhein/Schlesien), Baumeister in Werneuchen, 2. Johannes (*3.5.1875 in Seefeld) verheiratet am 21. Dezember mit Frieda Hütt (*1.1.1883), Tochter des bayerischen Offiziers Julius Hütt. Johannes übernahm das väterliche Gut in Seefeld und 3. Alexander (*17.3.1877 in Seefeld) verheiratet am 12.6.1906 mit Helene Stein (*20.9.1885), Tochter des Rittergutsbesitzers Stein und seiner Ehefrau Marie (geb. Lagemann) in Klein-Tetzleben/ Pommern

· „Anton“ war der „schneidigsten der Kirschbäume“, der noch später mit 61 Jahren als eleganter, flotter Tänzer ebenso seinen Mann stellte, wie er seinen Schneid als Soldat und besonders als Krieger in den großen Reiterattacken bei Königgrätz und „Mars-la-Tou“ bewiesen hatte. Bei Königgrätz war er durch einen Säbelhieb verwundet worden.

·  Ohne ihn erst um Erlaubnis zu fragen, lasse ich auch sein Bild in diesem Buche zur bleibenden Erinnerung aufnehmen (Seite 41)

· Das älteste männliche Familienmitglied ist gegenwärtig „August" (Tafel A. 2), ebenfalls Rentier, wohnhaft in Lindenberg, war längere Zeit Ortsvorstand dieses schönen grossen Dorfes; er hat für das Zustandekommen dieses Buches und des Stammbaumes besonderes Interesse gezeigt (Seite 18)

· Emilie Fridericke Springer war im Juni 1907 das an Jahren älteste weibliche Familienmitglied der Kirschbaums. Sie war zu dieser Zeit bereits zwei Jahre Witwe und lebte in ihrem kleinen schmucken Landhäuschen in Seefeld. Ihr Mann in zweiter Ehe Carl Springer war 35 Jahre hintereinander im Ortsvorstand von Seefeld und bekleidete viele weitere angesehene Ehrenämter Nach seinem Tode (Dezember 1905) wurde er noch dadurch besonders geehrt, dass zwei Landräte seiner Begräbnisfeier beiwohnten (Seite 38).

·  Und das jüngste Mitglied ist nach den mir vorliegenden Aufzeichnungen geboren am 10. Febr. 1907, Ernst Henning (Tafel A. 3. 2).

·  

·  Lassen wir nun mal dessen direkte Vorfahren aufmarschieren, so ergibt sich folgendes Bild:

· 1907, Tafel A. 3.2, Henning...................Sohn VIII,

· 1876,         A.3. 2, Henning...................Vater VII,

· 1843,         A. 3.,  Friedrich K..............   Grossvater VI,

· 1810,          A.,       Martin..............Ur-Grossvater V,

· 1785,      „IV.,     Martin Friedrich  . . . ... Ur-Ur-Grossvater IV,

· 1753,         ///.,      Martin Friedrich   . . . .   Ur-UrUr-Grossvater III,

· 1723,         //.,       Martin ... . . . . . Ur-Ur-Ur-Ur-Grossvater II,

· 1659,         /.,         Peter.......Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Grossvater I.

· Das sind 8 Generationen, und mit diesem kurzen Rückblick will ich schliessen.

· wahren-leipzig, im Juni 1967.                          Wilhelm August Kirschbaum.

 

 

 

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014