Startseite / Aufwärts / Neue Seiten / Impressum / Über uns / Danksagung


Startseite
Aufwärts

Ortschronik

Der Ort ist vermutlich während der systematischen Besiedlung des Barnims im 13. Jahrhundert entstanden, dann aber infolge der Agrarkrise zunächst einem Siedlungssterben zum Opfer gefallen. Im Landbuch 1375 jedenfalls wurde berichtet, dass die Hufenzahl von Dephense oder Typhense, wie es damals geschrieben wurde, nicht angegeben werden könne, weil die Äcker seit Alters her nicht bebaut worden wären und wüst lägen. Es gehöre den v. Sparr, welche zur Leistung von Vasallendiensten verpflichtet wären. Ein See daselbst, der "Gademo" genannt, sei nicht vermietet. Die Rittergutsqualität dieses Gutes erlosch, weil von wüsten Hufen Vasallendienste nicht mehr gefordert wurden. Es zerfiel bald darauf in zwei Anteile:
Die eine Hälfte des Dorfes veräußerten später die Sparr`s. Damit wurden 1429 die Gebrüder Henning und Michael Litzen vom Kurfürsten belehnt. Die Größe dieses Besitzanteils ist im Lehnbrief mit 12 ½ Hufen angegeben. Nach 1440 verkauften Martin und Clemann Lietzen ihren Anteil an die v. Dobrichow und diese wieder an die Familie v. Pfuhl zu Löwenberg, welche noch im 19. Jh. im Besitz desselben waren.
Den zweiten Anteil behielt noch die Familie v. Sparr. Erst 1668 verkauften die in Lichterfelde ansässigen Nachfahren ihren Besitz in Tiefensee an den Oberpräsidenten v. Schwerin. Als 1709 der König die v. Schwerinschen Güter erwarb, kam dieser Teil des Dorfes zum königliche Amt Alt-Landsberg. In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war ein de Grueter Besitzer des Gutes Tiefensee. Der Name Tiefensee entstammt dem Mittelniederdeutschen (Dep = tief) und bezieht sich auf den nahe gelegenen Gamensee, von dem bereits die ersten deutschen Siedler wussten, dass er sehr tief war.
Der Ort ist erst seit dem 20 November 1925 auf Beschluss des preußischen Staatsministeriums eine eigenständige Gemeinde und besitzt weder Kirche, noch einen Marktplatz oder Anger und erst seit der Eigenständigkeit einen eigenen Friedhof.
Als erster Bürgermeister von Tiefensee, wurde vorerst kommissarisch Emil Kaliebe mit der Gemeindenverwaltung beauftragt. Er hatte auch die ersten Wahlen für die Gemeindevertretung, der Schöffen und des Bürgermeisters vorzubereiten. Am 21.3.1926 fanden diese dann statt und Kaliebe wurde als erster Bürgermeister gewählt.
Bekannt ist der Ort seit den 30er Jahren für viele Berliner als Ausflugsort. Sieben Gaststätten gab es früher in der kleinen Gemeinde mit ca. 200 Einwohnern. Die Regionalbahn und Sonderzüge, auch Busse brachten früher die Ausflügler nach Tiefensee. Besonders bekannt war Tiefensee ob seines Heiratsmarktes, ein Familienfest mit alter Tradition. Seit 1990 gibt es für diesen Tag sogar einen "Standesbeamten", der alle "ehelicht", die sich zu Himmelfahrt in Tiefesee näher gekommen sind oder sich näher kommen möchten!
Am See wurde bereits 1925 die erste Jugendherberge eingeweiht, die 1937/38 neu erbaut wurde, weil sie den gewachsenen Übernachtungswünschen nicht mehr gewachsen war. In den letzten Kriegsmonaten diente sie als Lazarett und brannte 1945 gänzlich ab. Sie wurde nicht wieder aufgebaut.
Heute durchzieht das Dorf die Adolf-Reichwein-Straße. Im Wohnhaus Nr. 13 wohnte einst der bekannte Pädagoge und Sozialdemokrat Adolf Reichwein. Er wirkte von 1933 bis 1939 als Schulleiter in Tiefensee. Als Mitglied des "Kreisauer Kreises", der 1943 Verbindung zum militärischen Widerstand um Staufenberg aufnahm, wurde er im Juli 1944 verhaftet und im Oktober in Berlin- Plötzensee hingerichtet. Eine Gedenktafel an seinem früheren Wohnhaus in Tiefensee erinnert an das Leben und Wirken dieses hervorragenden Lehrers und mutigen Patrioten.
Seit einem Jahr besitzt Tiefensee eine neue Attraktion, eine Draisinenbahn.
Am 15.10.1898 wurde der Zugverkehr auf der Strecke Berlin-Lichtenberg - Werneuchen - Tiefensee - Wriezen eingeweiht. Am 18.04.1998, also fast genau 100 Jahre später, wurde der Betrieb von Tiefensee nach Wriezen eingestellt. Bis Tiefensee fährt die Regionalbahn weiterhin im Zwei-Stundentakt. Die Fahrt dauert 44 Minuten.
Im Frühjahr 2004 war es dann so weit, dass die ersten Draisinen von Tiefensee über Leuenberg nach Sternebeck rollen konnten. Ausgangspunkt der Draisinenstrecke liegt nur wenige hundert Meter hinter dem Bahnhof Tiefensee, östlich der Straße nach Strausberg. Hier kommen Fahrraddraisinen für bis zu 4 Personen zum Einsatz. Handhebeldraisinen starten ab dem Bahnhof Leuenberg. Die Gesamtstrecke Tiefensee - Sternebeck beträgt 11, 6 km.
Landschaftlich liegt Tiefensee am südwestlichen Rand des großen Stauchungsgebietes der Barnimer Platte und besitzt hier schon fast Mittelgebirgscharakter mit seinen steilen Hängen und tiefen Tälern.
Zwischen Leuenberg und Tiefensee ist die Gamengrundrinne besonders ausgeprägt und mit den drei Seen (Langer See, Mittelsee und Gamensee) fast ausschließlich mit Wasser ausgefüllt. Der größte und zugleich tiefste See des Gamengrundes ist der Große Gamensee. Er ist als Badesee ebenso beliebt wie als Angelgewässer.
Wenige Kilometer westlich von Bad Freienwalde zieht sich von Neugersdorf aus der Gamengrund in südliche Richtung und geht im Süden in das Strausberg-Eggersdorfer Seengebiet über.
Die Seenrinne, die die Barnimhochfläche durchzieht, bildet eine einzigartige Landschaft, die teilweise mittelgebirgsartige Formen aufweist. Das im Gefolge der Eiszeit entstandene durchschnittlich 300 bis 400 m breite und meist tief eingeschnittene Tal des Gamengrundes ist zu 95% mit Wald bedeckt. Die ausgedehnten Mischwälder, in die fast 20 Seen eingestreut sind, die Täler mit ihrem natürlichen Heckenbestand und den Besenginsterflächen geben diesem Gebiet ein unverwechselbares Gepräge.
Der Gamengrund ist ein ruhiges und abgeschiedenes Gebiet, das sich besonders zum Wandern eignet. Der einzige Campingplatz des Gebietes liegt in Tiefensee direkt am Gamensee.
dem Bahnhof Leuenberg. Die Gesamtstrecke Tiefensee - Sternebeck beträgt 11, 6 km.
Nicht zu vergessen ist das Leben und Wirken des bekannten Pädagogen und Sozialdemokraten Adolf Reichwein, der von 1933 bis 1939 in Tiefensee eine Schulleiterstelle erhielt. Beteiligt an Plänen zum Staatsstreich um Stauffenberg im Sommer 1943, wurde er 1944 verhaftet und in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Im südöstlichen Bereich des Gamengrundes schließt sich nach Osten hin der Blumenthal an. Dieses Gebiet ist mit einer Fläche von etwa 100 Quadratkilometer eines der größten geschlossenen Waldgebiete in der Umgebung von Berlin.
Die höchste Erhebung mit 152 m befindet sich in den Langen Bergen bei Tiefensee. Kenner sprechen vom landschaftlich schöneren westlichen Teil mit dem Gamengrund und dem geschichtsträchtigeren östlichen Teil, wobei der letztere sicher noch einiges im Verborgenen hält. Bekannt wurde das Gebiet besonders durch den Dichterpfarrer Schmidt von Werneuchen und Theodor Fontane, der das Gebiet 1861 aufgesucht hat.

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


© www.heimatheft.de Senden Sie ihre E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: M.Kuban@gmx.de 
Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014