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Weesow gibt sich durch die bestechende Angerform für uns als deutliches deutsches Kolonistendorf zu erkennen, der ein im Gemeindebesitz befindlicher Platz ist.

Um den mit kleinen Häusern ausgebauten Anger stehen noch heute stattliche Bauerngüter, fast Herrensitzen vergleichbar. Man merkt, dass die auf der fruchtbaren Grundmoräne gewachsenen Feldfrüchte in der nahen Großstadt Berlin guten Absatz gefunden haben müssen.

Angerdörfer kommen in Mitteleuropa vor allem auf Grundmoränenplatten und in Lößgebieten vor, in Deutschland vor allem in Ost- und Ostmitteldeutschland.
Die meisten Dörfer wurden als Anger- oder Straßendörfer angelegt und beide Siedlungsformen waren durch einen das Dorf durchlaufenden Weg gekennzeichnet, der sich im Falle der Angerdörfer am Dorfeingang gabelte, den zentral im Dorf gelegenen, zumeist spindelförmigen Platz umrahmte und sich am Dorfende wieder vereinte. Dieser Dorfplatz, der Anger, war meist eine freie Fläche und höchstens mit der Kirche einschließlich Kirchhof und einigen wenigen Gemeindehäuser bebaut. Der Anger konnte rund, lanzettförmig, recht- oder dreieckig sein und bestimmte somit die Form des Angerdorfes. Der Anger diente ursprünglich als Kleinviehweide und nächtlicher Aufenthaltsort des Großviehs, er konnte auch einen Teich beherbergen. Die Gehöfte der Bauern und Kossäten befanden sich stets an den Außenseiten der Wege, wobei die Adels- und Lehnsschulzengüter ebenso wie die Vollbauernhöfe zumeist in der Mitte des Dorfes und in der Nähe der Kirche lagen, während die Kossätenstellen sich zumeist zu beiden Seiten in Richtung Ortsausgang anschlossen.
Über die Dorfformen der älteren slawischen Siedlungen ist wenig bekannt, es scheinen jedoch das Hufeisen oder ein Halbrund vorgeherrscht zu haben (diese wurden dann im Laufe der Zeit häufig zu einem Anger- bzw. einem so genannten Sackangerdorf erweitert). Eine seltenere Siedlungsform war das sogenannte Waldhufendorf.

Das Dorf Weesow liegt in einer Landschaft, welche die charakteristischen Züge des inneren Barnims zeigt, wo der Geschiebelehm die flachen Bodenwellen der Grundmoräne bekleidet. Fruchtbare Fluren führen den Blick bis zum Horizont, wo ihn erst in weiter Ferne dunkler Wald begrenzt. Am südlichen Dorfrand dem Dorf vorgelagert, hinter einer Bodenwelle liegt eine lang gestreckte Senke eines alten Seebeckens. Es entwässerte durch den hohen Graben nach der Stienitz und liegt bis auf den Igelpfuhl in der westlichen Senke schon 100- 150 Jahre trocken. Doch dieses alte Becken hat Lage und Namen des Dorfes Weesow bestimmt.
Urteilt man also topografisch haben die Kolonisten ihre Häuser auf den Rand einer Senke gebaut, da diese Stelle viele wirtschaftliche Vorteile bot. Hier fand sich fester bebaubarer Untergrund aus Lehmboden, sowie Bauflächen, welche sich selbst zur Niederung entwässerten. Die Anwesen auf der Anhöhe waren ebenfalls leichter zu zu schützen. In der Niederung ließ sich Landwirtschaft betreiben. Hier und im Umfeld wuchsen Obst und Gemüse, sowie Feldfrüchte auch ohne künstliche Bewässerung heran. Eine Grundbedingung für die Besiedlung eines Fleckens im 13. Jahrhundert.
Auf der alten Wiesenniederung dieser Senke bemerkt man noch heute deutlich, daß einst eine kleine Diluvialerhöhung den Übergang über das einst sumpfige Gelände erleichterte. Darum wurde das Dorf auch gerade an dieser Stelle des Uferrandes gegründet. Die Kolonisten nannten ihr Dorf also treffend "An der Wiese" (älteste urkundliche Namensform von 1339 ist "to der Wese", niederdeutsch: zur Wiese) obwohl der Name für uns Slawisch klingt. Im Landbuch Karls VI. heißt das Dorf späterhin "Wese", dann "Weese", "Wehsow", auch "Werso", bis sich die heutige Schreibweise durchsetzte. Werso kommt aber wieder näher von Wera - altdeutsch Am Hügel oder nach dem wendischen Wort warnow, welches wohl wachen, aufpassen, ausspähen bedeutete. Den gleichen Wortstamm könnte man auch bei der Namensdeutung für Werneuchen ansetzen. Aber bleiben wir bei der wahrscheinlichsten Form "Wese= Wiese"
 

Besitzer
Als damalige Besitzer werden verzeichnet die Herrschaft: Rüthnik, der Bernauer Betkin Botel, Köpke von Woltersdorf und weitere Pacht- und Zinsempfänger, darunter die Benediktiner-Nonnen von Spandau, deren Anrecht auf Hufezins erst 1852 abgelöst wurde. Vor 1413 erwarben die von Arnim alle Rechte.
Im 15. Jahrhundert werden sie als Besitzer genannt, die sich auch im Dorf niederließen. 1620 nahmen die damaligen Kirchenpatrone, die Familien Katte und von Arnim, Stiftungen vor, von denen heute noch ihr Patronatsgestühl existiert. Im Jahr 1624 lebten in Weesow 17 Hufebauern. Der Dreißigjährige Krieg ließ die Einwohner auf 3 Bauern und 4 Knechte schrumpfen (1652). Ende des 17. Jahrhunderts ging Weesow in den Besitz von Lucius Rhadens über, der den Wiederaufbau betrieben hatte. Weitere Besitzer waren die Militärs von Goetze, von Marwitz und von Bessel. Im Jahre 1734 gab es wieder 103 Einwohner in Weesow. 1735 kaufte Kronprinz Friedrich (der nachmalige König Friedrich der II.) für 52000 Taler Löhme, Weesow und Willmersdorf und gliederte es der Domäne Löhme an. Weesow gehörte bis 1872 zur Domäne.

Im Jahre 1857 vernichtete ein Großfeuer die meisten Häuser, welche zur damaligen Zeit aus Lehmfachwerkgebäuden mit Stroh- und Rohreindeckung bestanden. Die danach erbauten Gebäude stehen teilweise noch heute entlang der Dorfstraße.
1921 hat Weesow 280 Einwohner, davon 4 Dorfälteste und 12 Gemeindevertreter
1933 hat Weesow 345 Einwohner
1939 hat Weesow 338 Einwohner


Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg wurde durch die sowjetische Besatzungsmacht in Weesow ein NKWD-Lager (das sowjetische Speziallager Nr. 7) eingerichtet, in dem in 6 Monaten etwa 800-1200 Menschen ihr Leben verloren. Der kleine Ort erlangte damit eine traurige Berühmtheit. Im September 1945 erfolgte die Verlegung der Gefangenen in das ehemalige KZ Sachsenhausen und KZ Buchenwald.
Jahrzehntelang totgeschwiegen, konnte am 18. Oktober 1992 durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Zusammenwirken mit der Landesregierung, dem Sachsenhausenkommitee sowie den Angehörigen der Opfer eine würdige Gedenkstätte eingeweiht werden.
Die höchste Einwohnerzahl erreichte das Dorf 1964 mit 381 Bürgern.
In den letzten Jahren waren in unserem Ort durchschnittlich 220 Einwohner ansässig. Nach dem 2. Weltkrieg kam in Dorfnähe die so genannte "Neubauernsiedlung" dazu. In den letzten Jahren wurden noch einige Einfamilienhäuser gebaut, die die Lücken geschlossen und das Dorf harmonisch abgerundet haben.

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014