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Chronik von 1989

Zu unserem Orts Jubiläum grüßen wir alle Mitbürger und alle Gäste aus nah und fern., die uns aus diesem Anlaß besuchen, auf das herzlichste
Die 650. Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung unseres Dorfes ist uns Anlass zu Rückbesinnung und Ausblick. Mit berechtigtem Stolz denken wir dabei an die Fortschritte, die wir in der erst 40jährigen Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik, unseres sozialistischen Staates, erzielen Konnten. Das gilt für das Erreichte sowohl in der Landwirtschaft, wo Weesow heute in der Tier- wie in der Pflanzenproduktion einen guten Namen hat, wie auch im kommunalen Bereich. In gemeinsamem Bemühen ist uns manches gelungen, wie die Einrichtung der Konsumverkaufsstelle und einer schmucken Gaststätte, die Anlage von Straßen, Fußwegen, Kabelgräben und Wasserleitungen oder Renovierungen von Wohnungen, Kindergarten, Feuerwache und Gemeindebüro ebenso wie die Gemeinschaftshilfe beim Einbau von Bädern in manchem alten Haus.
Ein Ereignis wie unser Orts Jubiläum ist der geeignete Anlass, um allen Mitbürgern den herzlichsten Dank für ihr unermüdliches Mitwirken 'beim Ausgestalten ihres Heimatdorfes auszusprechen. Zugleich soll uns die Jubiläumsfeier auch die Gelegenheit bieten, aus dem Rückblick auf das schon Geschaffene neue Kraft zu schöpfen für die Aufgaben der Zukunft und uns gemeinsam vorzunehmen, unser Weesow rundum zu einem schönen Dorf zu machen.
Dank sei auch all denen, gesagt, die so fleißig geholfen haben, unsere 650- Jahr-Feier vorzubereiten. Frohe Festtage wünscht allen Weesowern und Gästen im Namen des Rates der Gemeinde
 Ruth Große Bürgermeister
 GESCHICHTE
 Wer, von Berlin kommend, in Werneuchen in Richtung Bernau nach links von der Fernverkehrsstraße 158 abbiegt, erreicht schon nach wenigen Kilometern das Dorf Weesow. Im Juni 1989 begehen die 266 Weesower die 650-Jahr-Feier ihres Dorfes. Die Geschichte, auf die sie zurückblicken, war wechselvoll. Vieles hat die Feldstein-Kirche, das älteste Bauwerk des Dorfes, im Laufe der Zeiten gesehen: die lastende Zinsknechtschaft von 3auern und Kossäten im späten Mittelalter, Kauf und Lehen des ganzen Ortes mitsamt allem toten und lebenden Inventar, die furchtbaren Folgen des Dreißigjährigen Krieges, der in
Weesow fast nur Wüstungen hinterließ, das harte Los der dienstpflichtigen Dörfler in der preußischen Domäne, Tod und Zerstörung durch zwei Weltkriege, deren letzter, als er an seinen Ursprung heimkehrte, auch durch Weesow zog und schließlich den Neuaufbau in DDR. Geschichtszeugen, die alle Zeitläufe bis auf den heutigen Tag überdauert haben, gibt es nur lückenhaft. Fontane, dem wir so viele anschauliche Schilderungen der Mark verdanken, hat Weesow leider buchstäblich links liegengelassen. Daher müssen wir uns, wenn wir einen kurzen Blick in die Geschichte Weesows werfen, mit dem bescheiden, was uns aus 650 Jahren überliefert worden, bewahrt und damit erhalten geblieben ist. Wann Weesow eigentlich gegründet worden ist, lässt sich heute so genau nicht mehr feststellen. Im gesamten Berliner Raum - das gilt auch für den Barnim - gab es schon in der mittleren Steinzeit, der Bronze- und Eisenzeit Siedlungen. Germanen, die bis in das 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung hier lebten, zogen wieder ab; ihnen folgten Slawen. Ende des 12. Jahrhunderts begann eine deutsche Besiedlung, der auch Berlin sein Entstehen verdankte. Der überlieferte Ortsname "to der Wese" (1339) als die niederdeutsche Form der Bezeichnung "zur Wiese" spricht für die Ortsgründung eben in jener Zeit; manche Historiker meinen jedoch, dieser Name gehe auf das altslawische Wort Wäsche (Zelt) zurück. Viele Städte und Gemeinden stehen vor dem Problem: Kriege, Brände, ja auch Unachtsamkeit haben dazu geführt, daß Gründungsdokumente, sofern überhaupt je vorhanden gewesen, im Laufe der. Jahrhunderte verschollen sind. So behilft man sich heute damit, die (älteste noch auffindbare) Ersterwähnung zum Ausgangspunkt von Ortsjubiläen zu machen.
Für Weesow ist dies das Jahr 1339, als Markgraf Ludwig der Ältere von Brandenburg eine Hälfte des zuvor zur Herrschaft Rüthnick gehörenden Dorfes an den schon in Willmersdorf begüterten Bernauer Betkin Botel, die andere Hälfte an Köpke von Woltersdorf verlieh. Das kaiserliche "Landbuch" Karls VI. aus dem Jahre 1375, die erste genaue Erfassung fast aller Dörfer von Brandenburg, bestätigt diese Besitzer und nennt noch fünf andere Pacht- und Zinsempfänger, darunter die Benediktiner-Nonnen von Spandau, deren Anrecht auf Hufenzins - auf das Domänenamt Löhme übertragen - erst 1852 abgelöst wurde.
Neben der Schreibweise "to der Wese" findet man in anderen Kopien der ältesten Dokumente übrigens auch die "to der Wyse". Im Landbuch heißt das Dorf "Wese", dann "Weese" und "Wensow", auf einen alten Polizeisiegel auch "werso", bis sich- endlich die heutige Form durchsetzte. Die nächsten Urkunden stammen aus den Jahren 1413 bis 1450 und nennen als Besitzer das Adelsgeschlecht derer von Arnim, die, aus Biesenthal kommend, sich schließlich am Ort niederließen. Eine Bestandsaufnahme aus dem Dreißigjährigen Krieg, in dem große Teile des Dorfes zerstört wurden, erwähnt die Arnims nicht weiter; 1671 erwarb denn auch Lucius von Rhaden, Direktor des Appellationsqerichts von Ravensberg, der den Wiederaufbau der verwüsteten Siedlung betrieben hatte, diese zusammen mit Löhme für 6 500 Taler. Weitere Besitzer in den nächsten 64 Jahren waren die Militärs von Goetze, von Marwitz und von Sessel, bis 1735 endlich Kronprinz Friedrich, der nachmalige König Friedrich II., für 2 000 Taler Löhme, Weesow und Willmersdorf kaufte und dem Domänengut Löhme angliederte. Weesow gehörte der Domäne bis 1372 an.
Die ältere Geschichte des Dorfes weist viele weiße Flecken auf. Überliefert sind Listen der von den Einwohnern zu entrichtenden Abgaben. Die 11 Kossäten (Kleinbauern), die 1375 in Weesow lebten, mußten zum Beispiel Zins in Form von "Geld und Hühnern" abliefern. 1450 betrug der Geldzins für 66 Hufen je 3 bis 12 Groschen. Zinsfrei blieben nur fünf Hufen von Pfarrer und Kirche sowie drei, die wüst lagen. Zur Zeit Friedrichs dauerte bei der Feldbestellung die Pflichtarbeit auf der Domäne von 6 bis 19, bei der Ernte sogar bis 20 Uhr, und nur im Winterhalbjahr verkürzte sie sich auf acht Stunden täglich. Anfang des 19. Jahrhunderts brachten zwar die preußischen Reformen von 1813 die Dienstbefreiung, aber auch sie mußte teuer erkauft werden. Jeder Bauer hatte auf fünf Jahre 100, jeder Halbbauer 40 Taler Loskaufgeld zu zahlen; Dienstgeld und Zehnt gingen in eine Domänenrente über, die erst 1903 eingestellt wurde.
Angaben über die Einwohnerzahl setzen erst im 18. Jahrhundert ein. Im 14. Jahrhundert wurde nur die Gesamtanzahl von 77 Hufen notiert (eine Hufe vermutlich 7,5 Hektar; man kannte aber in Brandenburg auch Hufen bis zu doppelter Größe). 1624 lebten in Weesow 17 Hufenbauern, auch 5 Kossäten, 1 Hirte und ein Schmied, die zusammen 72 Hufen hatten; dazu kamen 4 Pfarr- und 1 Kirchenhufe. 1634 gab es einen Lehnschulzen mit 6 Hufen, 5 Fünfhüfner, 9 Vierhüfner, 1 Dreihüfner, 1 Zweihüfner und 5 Kossäten, ferner Hirten, Schmied und Küster. Der Dreißigjährige Krieg ließ die Einwohnerzahl auf 3 Bauern und 4 Knechte (1652) schrumpfen. Im Jahre 17.34, am Beginn der Bevölkerungsstatistik, gab es wieder 103 Weesower.
Danach entwickelte sich die Einwohnerzahl von Weesow wie folgt:
 1772:179,1925:355,1801:186,1939:338,1817:153,1946:359,1840:189,1964:381,1858:240,1971:378,1895:363,
1989:260
Was die Ackerflächen angeht, so wurden sie 1375 mit 77 Hufen angegeben, eine Zahl, die sich für längere Zeit kaum änderte und im Jahre 1685 - nachdem die Folgen des Dreißigjährigen Krieges beseitigt waren - sogar exakt wiederholte. In diese Zahl sind die Hofflächen eingeschlossen. 1860 wurden, wieder Gehöfte und Gärten eingerechnet, 4 248 Morgen verzeichnet; das sind 1 062 Hektar, von denen knapp 1 000 auf Äcker entfielen (heute 1 118 Hektar, davon 914 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche) .
Die Zahl der Wohnhäuser ist erstmals aus einer Statistik von 1840 ersichtlich; damals waren es 29. Später wurden 32 (1860), 44 (1900) und schließlich 50 Wohnhäuser (1931) gezählt. Heute (1989) sind es 64. Die Kirche ist ein rechteckiger Granitquaderbau mit Feldstein, einem spätgotischen Wehrturm mit spitzbogigem Portal und einer seitlichen vermauerten Rundbogenpforte. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut, wurde sie 1786 restauriert; aus dieser Zeit stammen Emporen, Kanzelaltar und Gestühl.
Zeitgenössische Aufzeichnungen nennen auch eine 1736 errichtete Wind-und (1860) eine weitere Getreidemühle.
Schließlich findet sich schon im "Landbuch11 von 1375 ein Krug, der im Dreißigjährigen Krieg offenbar zerstört wurde, denn 1634 wirkte einer der Vierhüfner nebenbei als Krüger, und noch 1752 wurde vermerkt, daß das Amt des Schankwirts "die Reihe herum geht". Später hatte man dann gleich zwei Gasthöfe.
auf das Jahr 1939 zurück. Danach gab es in Weesow damals 33 landwirtschaftliche Betriebe, und zwar
 1 Betrieb über 100 ha 13 Betriebe von 20 - 100 ha
1 Betrieb von 10 - 20 ha
 1 Betrieb von 5 - 10 ha 12 Betriebe von 0,5-5 ha
exakte Angaben zu Hektarerträgen und Tierleistungen aus dieser Zeit sind leider nicht mehr greifbar. Der erstgenannte 3esitz war der von Fritz Thürling, wo sich heute das Gemeindebüro befindet. Die letzte Gruppe waren keine Bauernhöfe, sondern Nebenwirtschaften, vor allem ortsansässiger Arbeiter, so daß die Zahl der 3auern um die 20 betrug.
Die nächsten Berichte liegen aus den Apriltagen des Jahres 1945 vor. Mit dem Häherrücken der Front machte sich ein Teil der Weesower auf die Flucht; andere beachteten die Aufforderung der Nazibehörden, auf den Treck zu gehen, nicht und blieben zu Hause. Unter den Geflohenen forderten Aufregung und Entbehrungen Todesopfer. Diejenigen, die es in den Raum Nauen/Pritzwalk verschlagen hatte, waren eine Woche nach Kriegsende wieder zurück; andere, die bis nach Parchim, Grevesmühlen und Wismar gelangt waren, bis Mitte Juli. In den nächsten Monaten kam eine Anzahl Umsiedler aus der Neumark, der früheren Provinz Posen und Schlesien hinzu. Teilweise fanden sie zunächst Obdach bei Verwandten.
Was fanden die Alt- und Neu-Weesower nach Kriegsende vor ? Der Umfang der Kriegszerstörungen war geringer als zunächst befürchtet. Ein Hof, zwei weitere Häuser sowie zwei Feldscheunen waren zerschossen und abgebrannt. Viele der Heimgekehrten hatten zwei Pferde mitgebracht, und auch die Maschinen waren meist noch vorhanden; man konnte also sofort an die Arbeit gehen. Saat- und Pflanzgut wurden irgendwie beschafft. Schlimmer sah es mit Vieh aus. Es wird berichtet, daß im August 1945 nur eine einzige Kuh im Dorf vorhanden war; erst im darauf folgenden Jahr konnte jeder Alt- und Neubauer mit einer Kuh und einem Schwein zur Zucht versorgt werden.
Die Bodenreform, bei welcher der Großbauer Fritz Thürling enteignet wurde, Umsiedler sowie landarme und landlose Bauern jedoch Boden erhielten, änderte gründlich die Sozialstruktur Weesows. Neben 13 Großbauern gab es jetzt 16 Neu- und 2 Kleinbauern, die der Hilfe der neuen Gesellschaft bedurften und sie auch bekamen. Der Bau von 9 Neubauerngehöften in den Jahren 1948/1949 förderte ganz wesentlich ihre Integration in das Dorf. Auf Initiative von Albert und Wilhelm Schmidt, die
auch in der Folgezeit einen nachhaltigen Einfluß auf die Nachkriegsentwicklung Weesows ausübten, entstanden die Anwesen als geschlossene Siedlung im Anschluß an das vorhandene Dorf: ohne dessen historisch entstandenes Ortsbild zu beeinträchtigen, wurden sie vielmehr von Anbeginn auch räumlich ein untrennbarer Bestandteil eben dieses Dorfes. Nicht minder wichtig war der Umstand, daß die Siedlung ein Ergebnis von Gemeinschaftsarbeit war; dazu gehörte die gegenseitige Hilfe beim Bau, bei Materialbeschaffung und -transport ebenso wie beim Holzeinschlag auf den Waldparzellen der Neubauern im Raum Tiefensee.
Der Beginn des kameradschaftlichen Zusammenarbeitens geht auch in der Landwirtschaft bis in die schweren Jahre des Anfangs zurück. Die 1946 gegründete VdgB kümmerte sich unter anderem darum, daß ein zentraler Dreschplatz eingerichtet und die einzige Dreschmaschine, die den Neubauern zur Verfügung stand, von ihnen gemeinschaftlich genutzt wurde. Ab 1948 leistete die Maschinen-Ausleihstation (MAS) Werneuchen Hilfe bei Feldbestellung und Ernte; 1949/50 verfügte die spätere Maschinen-Traktorenstation (MTS) bereits über Traktoren und Lastwagen. Zu ihnen gehörte neben Technik aus eigener Produktion der DDR auch die heute schon legendäre Starthilfe durch Lieferungen aus der Sowjetunion. Als die SED zum 2. Parteikonferenz der Sozialismus in der DDR aufrief und auch das Startsignal für die Gründung Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften gab, entstand auch in Weesow die erste LPG. Unter dem Datum vom 15. August ließ sich die LPG Typ I "Einheit" als zweite des Kreises ins genossenschaftliche Register eintragen. Bis zum Jahr 1953 schlossen sich alle Neubauern mit zusammen 120 Hektar Land der LPG an.  Der Organisator und erste Vorsitzende war Wilhelm Schmidt. Der später gegründeten zweiten LPG Typ I "Theodor Körner", deren erster Vorsitzender Gerhard Gladow wurde, traten dann bis 1960 auch die letzten Bauern bei. Die Entwicklung der Produktivkräfte drängte auf effektivere Formen der Zusammenarbeit; so entstand durch Zusammenschluß beider Genossenschaften eine LPG Typ II mit teilweise gemeinsamer Viehhaltung.
Inzwischen hatte Anfang der fünfziger Jahre eine weitere Veränderung der Sozialstruktur eingesetzt. Drei Bauern kehrten Weesow den Rücken oder bearbeiteten das Land nicht mehr und überließen so die Sorge um ihre Wirtschaften dem Staat. Unter heute gar nicht mehr vorstellbaren Bedingungen galt es, die Fortführung der Produktion zu sichern, denn jedes Korn und jeder Liter Milch waren dringend nötig zur Versorgung der Bevölkerung. Als dann noch weitere Bauern ihre Höfe und damit auch ihre Heimat verließen, fand man als geeignete Leitungsform für die devastierten Höfe die eines Örtlichen Landwirtschaftsbetriebs (ÖLB), später eines kreisgeleiteten Tierzuchtbetriebs - womit es auch möglich wurde, ihn in die staatliche Planung und Leitung einzuordnen. 1958 in den Verband der Volkseigenen Güter (VEG) übernommen, wurde er endlich ein bezirksgeleiteter Betrieb. Investitionen im Maschinenpark und in den Stallungen ermöglichten eine stete Produktionssteigerung.
Mit dem Entstehen von Volkseigentum wurden auch Arbeiter zu landwirtlichen Produzenten; das frühere Großbauerndorf Weesow nahm Züge eines Arbeiterdorfes an, dessen bestimmender Faktor das Volksgut wurde.
Die stürmische Entwicklung der Produktivkräfte im Laufe der sechziger und siebziger Jahre verlangte nach neuen Strukturen und Dimensionen der Produktion. Die volkseigene Landwirtschaft trug dem Rechnung, indem das große VEG Albertshof (mit Weesow als Abteilung) entstand. Die LPG ihrerseits suchten über vielfältige Formen kooperativer Zusammenarbeit, von "gemeinsamen Maschinenkomplexen" bis zum Zusammenschluß, einen gangbaren Weg. Im Zuge der weiteren Konzentration und Spezialisierung der Produktion entstand schließlich 1973 eine "Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion" (KAP), die im Auftrage von VEG und LPG des Territoriums (darunter auch der LPG Weesow) insgesamt rund 7.000 Hektar Boden bewirtschaftete. 3ei der Dominanz des Volkseigentums war es nur folgerichtig, wenn die Weiterentwicklung in Richtung auf hochproduktive Spezialbetriebe in die Bildung des VEG Pflanzenproduktion Albertshof und des VEG Tierproduktion Birkholz mündete. Die in beiden Gütern beschäftigten LPG-Bauern arbeiten dort - bei Aufrechterhaltung der genossenschaftlichen Mitgliederrechte - voll unter den Arbeitsbedingungen volkseigener Betriebe. Die Pflanzenproduktion im Territorium hat sich mit Bildung und Entwicklung der Strukturen von heute völlig geändert. In Weesow haben zwei leistungsbestimmende Abteilungen der VEG ihren Sitz: einmal die Abteilung Agrochemie, die alle Maßnahmen für Düngung, Pflanzenschutz und Schädlingsbebekämpfung auf den 6.500 Hektar Landwirtschaftlicher Nutzfläche des VEG (P) Albertshof erledigt; zum anderen eine Brigade der Abteilung Melioration, die auf 730 Hektar Fläche Beregnungsanlagen betreibt. In Zuge eines umfangreichen Investitionsprogramm wurden unter anderem auch die Ackerflächen um Weesow hierfür erschlossen. Das aber hat: die Umgestaltung der ganzen Gemarkung mit sich gebracht: viele alte Wege gibt es nicht mehr, neue befestigte Wirtschaftsstraßen sind angelegt worden. Wald verschwand -statt dessen wurde neuer an anderer Stelle angepflanzt. Völlig anders als früher sind (wenn überhaupt noch vorhanden) die Gemarkungsgrenzen zwischen Weesow, Börnicke und Willmersdorf. Medien für die 3eregnung sind Güllefugat, das über eine 35 Kilometer lange unterirdische Pipeline aus dem Schweinezucht- und -mastkombinat Eberswalde kommt, sowie gereinigtes Abwasser aus dem Klärwerk Berlin-Falkenberg. Beide finden so eine produktionsfordernde Verwendung in der Landwirtschaft. Ein Vergleich der Hektarerträge von heute und auch der Tierproduktion mit früheren Zeiträumen ist kaum möglich, weil man in Weesow mit der Erfüllung von Teilaufgaben größerer Betriebe befaßt ist. Dennoch sind allein schon einige Zahlen aus dem (übrigens unterdurchschnittlichen) Jahre 1988 bezeichnend für die Leistungskraft unserer Landwirtschaft (Angaben in Dezitonnen):
Durchschnittserträge 1988 Höchsterträge 1988 des VEG (P) Albertshof auf beregneten Flächen
Getreide 30,1 46,6
Kartoffeln 265,0 306,8
Mais 543,0 681,0
Eine Spitzenposition im Lande nimmt das VEG (T) Birkholz ein. So hat im vergangenen Jahr die Stammkuhherde eine Durchschnittsleistung von 10 218 Kilogramm Milch je Kuh bei 4 Prozent Fett erreicht. Weesower haben an diesen Leistungen direkt oder indirekt Anteil. Grundlegende Änderungen haben in den letzten Jahrzehnten die Arbeitsund Lebensbedingungen erfahren. Verlassene Bauernhäuser sind um- und ausgebaut, modernisiert und dem heutigen Wohnkomfort angepaßt worden; vier Einfamilienhäuser entstanden für Arbeiter der VEG. Schrittweise wurden und werden die Produktionsstätten beider Volksgüter erneuert, deren Einfluß auch das Äußere des Ortsbildes völlig verändert hat.
Bürgermeister von Weesow waren in fast 44 Nachkriegsjahren seit 1945
Max Rogalski, Horst Giese, Heinrich Lüdde, Erich Tietz, Hernann Schubert, Otto Winkelsesser ,Walter Gohde, H. Lüdeke, Wilhelm Schmidt, Georg Lorenz (amtierend) seit 1974 endlich: Ruth Große.
Nach der Kommunalwahl vom 7. Mai dieses Jahres ist sie von der neuen Gemeindevertretung in diesem Amt bestätigt worden, das damit seit 1945 die längste Periode hintereinander in einer Hand sein wird. Die Entwicklung der Gemeinde in den letzten 15 Jahren ist gut dokumentiert: im Gemeindebüro liegen zwei umfangreiche Mappen mit Fotos aus der Dorfgeschichte seit 1974 (nur im Jahre 1978 gibt es lediglich Text, dafür aber die lapidare Notiz von bürgermeisterlicher Hand "Fotoapparat nicht in Ordnung - deshalb keine Fotos"). Die folgenden Seiten beruhen vielfach auf Angaben aus diesen Mappen, ergänzt durch Erinnerungen älterer Weesower und durch Hinweise aus den Reihen der gesellschaftlichen Kräfte der Gemeinde.
um bei den älteren Bürgern zu verweilen: den Rekord hält Elisabeth Berg, die - geboren im Jahre 1897 - am 5. Januar ihr 92. Lebensjahr vollendet hat. Nur wenig jünger ist Paul Wojahn, der am 21. April 91 Jahre alt wurde. Und Charlotte Ahrends, die mit der Jahrhundertwende das Licht der Welt erblickt hat, wird am 20. September dieses Jahres ihren 89. Geburtstag begehen. Ihnen und allen älteren Einwohnern der Gemeinde Weesow gelten zum Dorfjubiläum besonders herzliche Wünsche; mögen sie noch manches Jahr unserer Dorfgeschichte mit uns erleben.
Hauses in der Dorfstraße 2 untergebracht , konnte Ende der 50er Jahre ins Schulhaus ziehen. Nach mehrmaligem Umzug durch verschiedene Wohnhäuser fand hier 1970 nach dem Auszug der Schüler auch die Gemeindeschwesternstation eine endgültige Heimstatt. Zum Einzugsbereich der Schwester gehören auch die Nachbardörfer Willmersdorf und Schönfeld; wöchentlich finden Arzt- und Schwesternsprechstunde, monatlich auch eine Mütterberatung statt.
Bis 1928 bestanden die postalischen Einrichtungen in Weesow aus einem Briefkasten mitten im Dorf; die Post wurde von Werneuchen aus zugestellt. Seither besteht die anfangs nur Hilfs-, später dann Poststelle am Ort. Den Notizen der Posthalter zufolge muß das Lottospiel seit Ende der 50er Jahre einen merklichen Zuwachs an Arbeit gebracht haben ("Es wurden auch schon einige höhere Gewinne ausgezahlt", heißt es dort). Heute befindet sich die wiederholt verlegte Poststelle in der Dorfstraße 22a. Zu den kommunalen Einrichtungen gehört nicht zuletzt auch die Freiwillige Feuerwehr. Ihre Vorgänger waren die "Feuerlöschpflichtigen", die man reihum im Gemeinderat aus loste. 1927 beschloß dieser die Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr von 20 Mann; bei dieser Gelegenheit wurde auch ein Signalhorn für den Nachtwächter angeschafft. Nacheinander bekam Weesow eine Kleinmotorspritze und einen Löschteich; dafür mußte die Wehr auch im Kriege bei der Brandbekämpfung in Berlin helfen. Die Chronik vermeldet, daß 1948 die Weesower Mehl, Getreide und Kartoffeln zusammenlegten und dafür eine Motorspritze eintauschten (heute besitzt die FFW Weesow drei Motorspritzen, darunter ein modernes Löschfahrzeug mit Notstromaggregat, Druckluftatmern, Schaumrohren und UKW-Funk). Wehrleiter Gerhard Uhlig leitete die FFW von 1952 bis zu seinem Tode (1969); Nachfolger war Reinhard Tietz, der 1987, nach 30jähriger Zugehörigkeit zur FFW, ausgeschieden ist. Seine Funktion übernahm Reiner Pieper. Die FFW hat sich offenbar auch um den vorbeugenden Brandschutz sehr verdient gemacht; die Chronik meldet jedenfalls mehr Übungen als Einsätze. Man erinnert an zwei Häuserbrände in der Dorfstraße 17 und 19, zwei Scheunen- und einige Mietenbrände (auch durch Kinderhand). Immer eder nennt die Kommunalchronik Weesows die FFW unter den eifrigsten Teilnehmern freiwilliger Arbeitseinsätze oder bei der Beseitigung von Sturmschäden wie 1975 ("...das Holz der Kastanie erhielt der Kindergarten"). 1980 erhielt das Depot einen Anbau und 1981 ein neues Dach. Die Feuerwehr ist auch, wie kann es anders sein, ein Element des gesellschaftlichen Lebens des Dorfes. Ihre Veranstaltungen finden regen Zuspruch; unvergessen die Vorführung alter Uniformen und Geräte beim Fest zum 50jährigen Bestehen im Juni 1977.
Ein aktiver Faktor im Leben Weesows ist die Volkssolidarität, deren Gründung ebenfalls auf Wilhelm Schmidt zurückgeht. Die Initiativen der heute 115 Mitglieder, vielfältige Veranstaltungen für die älteren Mitbürger und von Jahr zu Jahr steigende Ergebnisse der Listensammlungen, bei denen Weesow einen Spitzenplatz im Kreis Bernau einnimmt, haben auch in der Bezirkszeitung "Neuer Tag" Beachtung gefunden.
Jüngere Weesower zieht es eher zu den Pferden. Das VEG (P) Albertshof ist Träger der seit 25 Jahren bestehenden Reitsportgemeinschaft, der der 40 Pferde, davon 20 Sportpferde, zur Verfügung stehen.
Auch die bereits erwähnte Kirche gehört zum dörflichen Leben Weesows. Die protestantische Pfarrgemeinde war zuzeiten selbständig, dann aber Bernau, Willmersdorf oder Löhme zugeordnet, heute ist sie mit Werneuchen vereinigt. Der fast 750 Jahre alte Bau nahm im Krieg an Dach und Glocken Schaden; 1948 begann die Erneuerung der Dächer von Schiff und Turm, 1949 erhielt sie die neue große Glocke und 1962 die neue Orgel. Nachdem 1980 ein Blitz in den Turm schlug und die elektrische Anlage sowie abermals die Dächer beschädigte, wurde das Dach des Turmes 1981 und das des [Kirchenschiffs 1987 wieder neu eingedeckt.
Verläßt man Weesow an dem zerschossenen ehemaligen Flakturm vorbei -einem Überbleibsel des Zweiten Weltkrieges, mit dem niemand so recht etwas anzufangen weiß, so gelangt man zu einem eingezäunten Gelände, wo seit 1956 die Funkempfangsstelle des ADN und seit 1983 das IDSM arbeiten. Beide sind, nicht nur als Arbeitsstellen von acht Weesowern und weiteren Bürgern der Umgebung, sondern auch wegen langjähriger Patenschaftsbeziehungen fest im Dorf verwurzelt. Die Vorgeschichte geht bis 1953 zurück, als der Allgemeine Deutsche Nachrichtendienst (ADN) im Kreis Bernau zur Erntehilfe eingesetzt war. Damals suchte die Nachrichtenagentur der DDR wegen der Störungen im Stadtgebiet ein
Gelände außerhalb der Stadt für den Aufbau einer Funkempfangsstelle. Bei Weesow fand sich auf devastierten Flächen ein idealer Standort -am 21. Januar 1955 erfolgte die Grundbucheintragung über 120 Hektar. Anhaltender Frost behinderte den Bau (einmal mußte die Feuerwehr das Schmelzwasser aus der Baugrube pumpen), aber Anfang 1956 konnte mit dem Empfang begonnen werden. Heute nimmt Weesow mit seinen bis zu 27 Meter hohen Antennen Rundfunk-, Funkfernschreib- und -bildsendunge von rund 20 ausländischen Agenturen auf und leitet sie nach Berlin. Auf demselben Gelände nahm 1983 auch das aus dem ADN hervorgegangene Informations- und Dokumentationssystem der Massenmedien (IDSM) seine Arbeit auf. Hier werden Mikrofilme aller Größen hergestellt; sie ersparen Archivraum und ersetzen rund 30 Millionen Seiten Papier im A4-Format im Jahr. Hinzu kommt die Sicherung wichtiger Zeitdokumente.
Bis auf 6 Hektar Betriebsgelände nutzt das VEG Albertshof die Flächen heute als Schafweide und Agrar-Flugfeld; Wasser aus zwei für den ADN angelegten Brunnen kommt ebenfalls auch der Landwirtschaft zugute.
 Es bliebe noch manches aus der wären die im Jahre 1975 im früheren "Priestergarten" übergebenen vier Einfamilienhäuser, da wäre die Solidarität der Weesower untereinander in dem harten Winter 1978/79, als Planierraupen wochenlang die Verbindung nach Werneuchen frei-( halten mußten. Da legten sie gemeinsam Hand an beim Straßenbau, bei der Anlage von Kabelgräben, beim Verlegen von Gehwegplatten und von Bordsteinen, beim Setzen von Straßenbäumen. Da bleiben in der Erinnerung auch viele schöne und gemeinsam verbrachte Stunden zurück. Zu wiederholten Malen hat der "Neue Tag" aus und über Weesow berichtet, zum Beispiel vor drei Jahren von der Verbreiterung der Ortsdurchfahrt; im November 1988 konnte die Bezirkszeitung einen ersten Ausblick auf die 650-Jahr-Feier geben. Ganz gewiß wird die Zukunft der Ortschronik noch manche gute Seite hinzufügen. Garantie dafür ist die Landwirtschaftspolitik unserer sozialistischen DDR. Hier sei an die Äußerung Erich Honeckers auf dem XI. Parteitag der ! SED erinnert: "Auch in Zukunft sehen wir ein wichtiges Anliegen darin, das Dorf als Zentrum landwirtschaftlicher Produktion und bäuerlichen Lebens zu entwickeln und durch die verschiedensten Maßnahmen den wesentlichen Unterschied zwischen Stadt und Land zu überwinden. Wir lieben das Dorf, es ist ein anderes Dorf als zu Kaisers Zeiten, als zu Zeiten der Weimarer Republik, als zu Zeiten des Nazismus, in denen es zu den rückständigsten Gebieten gehörte und in Herren und Knechte geteilt war. Das sozialistische Dorf wird noch schöner werden." Und dieses Dorf soll "niemals mehr das Grauen des Krieges sehen", ergänzte der XIII. Bauernkongreß. "Unser Acker soll reiche Ernten tragen und keine Atomraketen", so für die Zukunft und für die Friedenspolitik unserer DDR Partei ergreifend.

Programm der Festwoche 1989:
550 J A H R E
Dienstag, 20.6. * 19.30 Saal
Festliche Gemeindevertretersitzung anschließend
* Tanz mit "Domaschino"
Mittwoch, 21.6. * 16.00 - 21.00 Saal
Veteranennachmittag mit Kaffee und Kuchen (Kapelle Heinrich, Kinderballett, Zauberschau)
Donnerstag, 22.6. * 16.00 - 13.00 Festplatz
Kinderfest mit Überraschungen
* 20.30 ab Festplatz
Fackelumzug mit Lagerfeuer
Freitag, 23.6. * 19.00 - 24.00 Festplatz Jugendtanz mit Diskothek
Samstag, 24.6. * 10.00 - 13.00 Festplatz
Frühschoppen mit den "Märkischen Musikanten"
* 14.00 ""
Großer Festumzug
* 15.00 Festplatz
Vorführungen mit Hunden / Übungen der Feuerwehr
* 15.00 Gerätehaus der Feuerwehr
Marionettentheater Bernau mit "Zwerg Nase"
* 17.00 Festplatz
Modenschau des Handels Bernau
* 19.00 - 21.00 Festplatz
Bunte Estrade mit Tänzern und Artisten des Kulturhauses Bernau, anschließend
* Tanz in den Morgen (mit Kapelle)
Sonntag, 25.6. * 14.00 Festplatz
Buntes Programm der Konzert-und Gastspieldirektion
* 16.00 Festplatz
Kindertheater mit den "Zebrastreifen"
* 19.00 Festplatz
Tanz mit der Kapelle "Zebrastreifen"
Das Festkomitee

 

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014