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Die Ortschronik

Willmersdorf liegt auf altem Kulturland. Im Jahre 1888 wurde durch den Willmersdorfer Dorflehrer Lehmann, in dem „Große Heide“ genannten und sich nach Schönfeld hin erstreckenden Wald, mehrere Urnen und Feuersteinbeile gefunden. Dieser beachtlicher Fund wurde an das Märkischen Museum in Berlin übergeben. Dieser Fund zeigt das auch die Willmersdorfer Gemarkung schon in der Steinzeit besiedelt worden ist.
Willmersdorf ist ein typisches märkisches Bauerndorf mit gepflegtem Ambiente. Neben alten Bauernhäusern ist es vor allem die spätromanische Feldsteinkirche, deren Schiefertürme man schon von weitem erkennt und die zu den Besonderheiten des Ortes zählen. Inmitten des Dorfes befindet sich ein großer unbebauter Angerbereich mit drei Teichen. Dieser Angerplatz diente früher dem Zusammentreiben des Viehs bei Nacht und in unsicheren Zeiten und war deshalb unbebaut. Einzelne Parzellen des Angerplatzes waren jeweiligen Hofstellen zugeordnet. Eine Besonderheit ist das durch die Teiche die Stienitz, ein kleines Fließ führt, welches im Mittelalter bedeutend mehr Wasser geführt haben dürfte. So wurde die Wasserversorgung für das Vieh sichergestellt. Die Teiche tragen noch heute die Namen: Bäckerpfuhl, Rückpfuhl und Modder- bzw. Kellerspfuhl. Im Angers befinden sich etwas höher gekegen die Dorfkirche und der Friedhof. Der Anger wird von der ringförmigen Dorfstraße umschlossen, an deren Außenseite schon in früester Zeit die Bauernhöfe entstanden. Während die Bauernhöfe damals noch mit Hofzeichen gekennzeichnet waren, setzten sich später mit der Entwicklung des Postverkehrs Hausnummern durch.

Die erste urkundliche Erwähnung

Hier tritt Willmersdorf zum ersten Male 1317 urkundlich auf. Dem Benediktiner Nonnenkloster in Spandau wurde hier vom Markgraf Waldemar, zum Seelenheil der Markgrafen Hermann und Johann "10 Hufen im Dorf Willemsdorf mit allen Zubehör an Äckern, Gehölzen, Weiden und Wiesen lastenfrei überwiesen. Eine damalige Hufe entspricht heute etwa 17 ha. Auf dieser Urkunde wird der Ort als "Willmestroppe" bezeichnet. Herzog Rudolf von Sachsen vergrößerte diese Schenkung 1323 durch weitere Überweisung von 4 Stücken Geld jährlicher Hebung. Einen anderen Anteil verlieh Markgraf Ludwig der Römer 1355 an den Bürger Johann Wipert in Berlin. Nach dem Landbuch von 1375 gehörte zu Willmersdorf, dem damaligen Wilmestrof, insgesamt 84 Hufe (1 Hufe = ca. 17 ha) Land, also Acker, Wiese und Wald, einschließlich der mittlerweile schon 17 Hufen des Spandauer Benediktinerklosters und vier Pfarrhufe, deren Erträge zum Einkommen des Pfarrers gehörten, und der zwei Kirchenhufen, deren Erträge zum Unterhalt der Kirche bestimmt waren. Die Anzahl der Bauern, auch Hüfner genannt, ist leider nicht bekannt. Man kann vermuten, dass es bis 15 waren. Es sind aber 13 Kossäten erwähnt. Diese standen sozial unter den Hüfnern und waren meist am Dorfrand angesiedelt oder von alten Höfen abgeteilt. Sie besaßen wohl zwischen einer achtel bis zu einer halben Hufe Land und führten zusätzlich Lohnarbeiten aus.
Nach dem Schoßbuch von 1451 hatten die "Jungfrowen zu Spandow" im Dorfe "zehn Hufen frey"; außerdem gehörte ihnen das Kirchenlehn bzw. Patronat. Das Patronat war mit dem Recht verbunden eine Pfarrstelle zu besetzen, doch die zuständigen Pfarrer wohnten seit 1433 ( und noch bis ins 18. Jahrhundert hinein) immer in der Nachbargemeinde Weesow. Die Kirche in Weesow war die Tochterkirche von Willmersdorf und wurde von hier aus verwaltet. Dies war dem Umstand geschuldet das die "Spandauer Nonnen hier ebenfalls das Kirchenpatronat besaßen. Weil der Pfarrer in Weesow lebte kehrten die Nonnen das Mutter – Tochter – Verhältnis der beiden Kirchen im Jahre 1459 um. Nun war die Weesower Kirche Hauptkirche. In der brandenburgischen Bistumsmatrikel von 1459 steht "Wilmertorp" zwischen den Dörfern "Gersdorf" und "de Wese"(Weesow) in der Sedes Bernau. Die Spandauer Nonnen müssen finanziell sehr gut ausgestattet gewesen sein. Die Nonnen erhielten zum Beispiel aus dem Nachbarort Weesow von zwei Hufen 6 Scheffel Roggen (ein Scheffel betrug zwischen 30 und 60 Liter), 6 Scheffel Gerste, ein Viert Erbsen und vier Schillinge Geldzins. Die Angaben stammen aus dem Landbuch von 1375 und verzeichnen dort 15 Bauern. Rechnet man dies auf die 10 Hufe aus Willmersdorf hoch, wären dies hier von 10 Hufen, 30 Scheffel Roggen, 30 Scheffel Gerste, 5 Viert Erbsen und 20 Schillinge Geldzins. Genauso gut wie sie also finanziell ausgestattet waren, verfügten sie auch über weltliche Macht. Der Propst des Klosters war auf den Landtagen des Havellandes vertreten, wo sonst nur der Adel, die größeren Städte und der Bischof von Brandenburg hinzugezogen wurden. Das Kloster bestimmte, wer in der Stadtpfarrkirche in Spandau Pfarrer werden durfte und hatte das Besetzungsrecht für den Marienaltar der Burgkapelle (Zitadelle) und zehn weitere im Havelland liegende Dörfer. Für die Landbevölkerung hießen die hohen Abgaben und Zinszahlungen, dass von ihrem Ertrag der Arbeit wenig für den Eigenverbrauch übrig blieb. Auch noch nach der Einführung der Reformation bezog das Kloster aus dem kleinen Dorf Weesow 1552: zwölf Groschen zehn Pfennige Hufenzins. Hufenzins ist die Besteuerung auf Landhufen, 1 Hufe etwa 17 ha). Nach der Reformation wurde den Nonnen ausdrücklich erlaubt, eine Ehe einzugehen und das Kloster zu verlassen. 1598 starb die letzte Benediktinerin und die Besitzungen fielen automatisch an den Kurfürsten, der darüber sicher nicht unglücklich war, denn seine Kassen waren meist leer. Von dem einflussreichen Kloster sind bis heute keine Überreste an Mauerwerk mehr auffindbar. Die Ruine des Klosters wurde 1626 abgerissen, die Steine sind wahrscheinlich erneut verbaut worden, weil sie in der Herstellung damals sehr teuer waren.
Im Jahr 1539 führte Kurfürst Joachim II. in Brandenburg Reformen durch indessen Zuge die Brandenburger keine katholischen Christen mehr waren, sondern nun zur evangelischen Kirche zählten. Trotzdem hatten die "Jungfrauen von Spandau" weiter das Kirchenpatronat. 1541 werden als im Besitz der Kirche erwähnt: ein silberner Kelch, Monstranz sowie Pacem. 1577 wird das Patronat vom Kurfürsten im Zuge des so genannten Biesenthaler Güteraustausches vom Spandauer Kloster an die Familie Arnim übertragen. Dagegen wurden die Geldeinkünfte nach der Verweltlichung des Klosters durch das landesherrliche Amt Spandau später aber der Bequemlichkeit halber durch das Amt Biesenthal weiter eingehoben. Das Spandauer Amtsregister von 1590 bemisst die Geldhebung auf 4 Taler, 5 Groschen und 11 Pfennige. Sie wurde von 9 Bauern und dem Gotteshause eingezogen und auch bis Ende des 17. Jahrhunderts anstandslos bezahlt. 1691 weigerten sich plötzlich die Verpflichteten und zahlten trotz dauernder Mahnung auch in den folgenden Jahren nichts. Da sandte ihnen der Biesenthaler Amtmann den Exekutor ins Haus. Das erste Mal verpflegten die Willmersdorfer noch den unbequemen Gelderheber, wenn er auch kein Geld erhielt. Das zweite Mal gaben sie ihm schon allerhand verdrießliche Worte zu hören und machten ihn darauf aufmerksam, dass sie bei weiteren Besuch die "Sturmglocke ziehen würden, wobei sie ihn gegen Handgreiflichkeiten nicht schützen könnten. Kurzum es wurde nichts mehr bezahlt. Die nächsten 15 Jahre wurden mit Rede und Gegenrede verbrach, bis es Anfang des 18. Jahrhunderts zum Prozess kam und die Gemeinde Willmersdorf verurteilt wurde, rund 100 Taler nachzuzahlen. Endlich einigte man sich dahin, daß auch dieser Rest noch fallen gelassen wurde" allermaßen ihnen ohnedas schwer genug fallen wird, jährlich das Currens abzutragen. Ob überhaupt noch etwas bezahlt worden ist melden die Akten nicht.


Der 30-jährige Krieg

Willmersdorf wurde im 30-jährigen Krieg schwer zerstört. Die Gebäude waren geplündert, abgebrannt und zerfallen. Der Ort war verlassen. Auch die beiden Windmühlen die bereits 1577 Erwähnung finden waren verbrannt. Auch die Kirche dürfte schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sein, obwohl uns keine Nachricht von einem Brand vorliegt. Ein Landreiter zählte im Jahre 1652 nur noch 4 Bauern.

Verzeichnis von 1652, in Klammern die Statistik von 1624

Auch 1662 lag das Dorf noch zum größten Teil wüst. (andere Quelle: 1648: 4 Einwohner und 4 Knechte). 1689 wird wieder eine Mühle des Pachtmüllers Hans Koch erwähnt. 1712 verkaufte der Kapitän C. J. von Goetze die Mühle an den Windmüller Martin Bugge (Bucke) für 110 Thaler und jährlich 2 Wispel Roggen.

1683 Willmersdorf auf einer Landkarte des Barnim

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014