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Die Kirche
Die einzige zweitürmige Dorfkirche im Kreise Oberbarnim ist diejenige von Willmersdorf. Sie gewährt, vornehmlich auch aus der Ferne, einen imposanten Eindruck (Abb. 1). Mit dem alten ehemaligen Holzturm sah die Kirche ganz anders aus (Abb. 2). Dieser 1706 mit hölzernem Aufbau errichtete Turm brannte 1900 ab und erhielt die Kirche darauf die jetzigen, nach den Plänen des Kirchenbaumeisters Pentz erbauten beiden Spitztürme, die zusammen mit dem Ausbau am 8. Mai 1901 eingeweiht wurden. Das Datum ist in der von der Kaiserin Auguste Viktoria gestifteten Altarbibel vermerkt. Die von Schilling in Apolda gegossenen Kirchenglocken stammen aus dem Jahre 1901. – Der alte Bau war ein reiner Granitquaderbau aus dem 14. jahrhundert, mit einschiffigem Chor und halbrunder Apsis. Das Langhaus war durch zwei sechseckige Pfeiler, mit Sockelsims aber ohne Kapitäl, in zwei Schiffe geteilt und mit sechs Kreuzgewölben überdeckt. Den Westgiebel zierte ein kleiner Turm. – Im jetzt neuzeitig hergestellten Innern (Altarraum mit Sternenhimmel, von bunten Fenstern eingerahmt; das große Rundbogenfenster neu eingehaust) eine hölzerne, früher polychrom bemalte St. Annenfigur. Der erneuerte Abendmahlkelch entstammt dem 16. Jahrhundert; er zeigt schön gravierte Ornamente; Cupa und Fuß sind neu. Die beiden Altarleuchter sind aus Bronze. Der kelchförmige gotische Taufstein zeigt keine Besonderheiten. 1541 werden als im Besitz der Kirche erwähnt jetzigen silberner Kelch und Monstranz sowie Pacem. – In der brandenburgischen Bistumsmatrikel von 1459 steht Wilmertorp – wie es damals genannt wurde – zischen Gersdorf und Wese in der Sedes Bernau. Mit Weesow bildete es auch seit den ältesten Zeiten eine Parochie, so zwar, dass Willmersdorf als Mutterkirche, Weesow als Tochterkirche geführt wird. Trotzdem besaß das Dorf schon seit Anfang des 16. Jahrhunderts kein Pfarrhaus, denn das Visitationsprotokoll von 1541 stellt fest, das Willmersdorf „kein gebawet Pfarrhaus“ mehr hat, vielmehr sei dasselbe „seit 26 Jahren oder länger verfallen und wohnet der Pfarrer zur Wesen“. Auch das änderte sich im 18. Jahrhundert, indem der Ort Tochterkirche von Weesow wird, 1817 zu Börnicke gehörte und dann zu Werneuchen gelegt wurde; seit Mitte des 19. Jahrhunderts geschieht die kirchliche Versorgung Willmersdorfs ausschließlich von Werneuchen. Die vier Hufen Pfarracker, die schon 1375 erwähnt werden, waren 1541 „ausgetan“ = verpachtet. Jeder Hufe zinste 4 Scheffel Kornpacht und 3 Scheffel Hafer. Der hinter dem verfallenen Pfarrhaus gelegene Hof war 1541 „ledig“, lag also unbenutzt. „Davon bekommt der Pfarrer jährlich 2 Scheffel Gerste“. Der Kornzehnt für den Pfarrer betrug jährlich 28 Scheffel. Außerdem gehörte 1541 zum Pfarreinkommen noch ein Kossätenhof, dessen Ländereien der Geistliche selbst besäte. „Wenn der Hof bewohnt wird, hat der Pfarrer davon 18 Groschen und den Zehnt“. Endlich gehörten zur Pfarre noch zwei Wiesen und zusammen 1 Fuder Heu. Zum Pfarreinkommen schließlich die Stolgebühren und zwar „von Einleitung einer Braut und Sechswöchnerin zwei Pfennig und die Mahlzeit, von einer Leiche 2 Groschen, hat bei 60 Kummunikanten, trägt zwei Taler“. Schließlich hatten die Gotteshausleute (Kirchenvorsteher) noch 1 Pfund Betewachs an den Geistlichen zu entrichten. Noch 1847 war der Pfarracker in Erbpacht ausgetan gegen ein Erbpachtgeld von 190 Taler, 17 Groschen, 1 Pfennig und einen Erbpachtskanon von 3 Wispel 1 Scheffel Roggen, „welche Erbpächter an die Pfarre abführen mussten“. (Rezeß 1847). Auch von den beiden Kirchenhufen „zu 8 Scheffel Aussaat“ ist in dem Visitationsprotokoll die Rede. Sie mussten von den Bauer beackert, die für die Bestellung von der Kirche jährlich 4 Tonnen Bier erhielten. „Das Palmbier soll gar abgetan sein“; es handelt sich um die Sitte des Herumführens des Palmesels am Palmsonntag. Der 1847 hinter dem jetzt Fritz Becker’schen Grundstück ausgewiesene Friedhof wurde nur kurze Zeit benutzt; es wird jetzt wieder, wie in alter Zeit, um die Kirche beerdigt. (Quelle: Rudolf Schmidt, Oberbarnimer Kreiskalender 1926)

Die Pfarre

Das Dorf besaß schon seit Anfang des 16. Jahrhunderts kein Pfarrhaus mehr, denn ein Visitationsprotokoll von 1541 stellt fest, das Willmersdorf „kein gebauet Pfarrhaus" mehr hat, vielmehr sei dasselbe „seit 26 Jahren oder länger verfallen und wohnet der Pfarrer in Weesow. Die vier Hufen Pfarracker, die bereits 1375 erwähnt werden, waren 1541 „ausgetan", d.h. verpachtet. Jede Hufe zinste dabei 4 Scheffel Kornpacht und 3 Scheffel Hafer. Der hinter dem verfallenen Pfarrhaus gelegene Hof war „ledig", lag also unbenutzt. „Davon bekommt der Pfarrer jährlich aber 2 Scheffel Gerste". Der Kornzehnt für den Pfarrer betrug jährlich 28 Scheffel. Außerdem gehörte zum Pfarreinkommen noch ein Kossätenhof, dessen Ländereien der Geistliche selbst besäte. „Wenn der Hof bewohnt wird, hat der Pfarrer davon 18 Groschen und den Zehnt". Endlich gehörten zur Pfarre noch zwei Wiesen und zusammen 1 Fuder Heu. Zum Pfarreinkommen schließlich die Stolgebühren und zwar „von Einleitung einer Braut und Sechswöchnerin zwei Pfennig und die Mahlzeit, von der Leiche 2 Groschen, hat bei 60 Kummunikanten, trägt zwei Taler". Schließlich hatten die Gotteshausleute (Kirchenvorsteher) noch 1 Pfund Betewachs an den Geistlichen zu entrichten. Auch von den beiden Kirchenhufen „zu 8 Scheffel Aussaat" ist in dem Visitationsprotokoll die Rede. Sie mussten von den Bauer beackert, die für die Bestellung von der Kirchejährlich 4Tonnen Bier erhielten. „Das Palmbier soll gar abgetan sein"; es handelt sich um die Sitte des Herumführens des Palmesels am Palmsonntag.

Download:

Festschrift zum 250. Geburtstages des Dichterpastors F.W.A. Schmidt


Werneuchen-Aus alter Zeit

ist ein Buch zur Geschichte der Stadt Werneuchen und

Eine Vorschau finden Sie hier: Werneuchen - Aus alter Zeit - Google Books-


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Martin Kuban, Werneuchen, Stand: 04. Dezember 2014